Rocket Lab Aktie: 266-Millionen-Vertrag mit US Space Force

Rocket Lab sichert sich Großaufträge und übernimmt Iridium. Analysten sehen trotz Kursverlusten deutliches Aufwärtspotenzial für die Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Rekordvertrag mit US Space Force
  • Übernahme von Iridium für 8 Mrd. Dollar
  • Aktie erholt sich nach 36-Prozent-Rutsch
  • Analysten sehen 77 Prozent Kurspotenzial

Die Raumfahrtbranche hat ein Imageproblem. Zu oft zählen „Raketenträume“ mehr als reale Umsätze, so der Vorwurf. Rocket Lab liefert gerade ein Lehrstück dafür, wie schnell die Stimmung an der Börse kippen kann — in beide Richtungen.

Nach einem brutalen Monat mit einem Kursrutsch von 36,48 Prozent sprang die Aktie gestern um 9,18 Prozent nach oben, auf 55,90 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro im Mai trennen das Papier damit immer noch 58,22 Prozent. Der Sprung wirkt wie der Moment, in dem Investoren aufhören, auf die Volatilität zu starren — und stattdessen auf einen Auftragsbestand schauen, den man kaum noch ignorieren kann.

Ein Wachstumssprung mit neuer Dimension

Rocket Lab ist längst nicht mehr nur der Nischenanbieter mit seiner kleinen Electron-Rakete. Diese Woche sicherte sich das Unternehmen den bisher größten Startvertrag seiner Geschichte: eine Mehrfach-Startvereinbarung mit der US Space Force im Volumen von 266 Millionen Dollar. Der Deal umfasst mindestens zwölf suborbitale Missionen für Raketenabwehrtests, die ersten Starts sollen bereits Ende 2026 folgen.

Bemerkenswert ist der Ort: Ein neuer Startplatz am Pacific Spaceport Complex in Alaska erweitert die geografische Reichweite des Unternehmens. Parallel dazu wächst das kommerzielle Geschäft. Drei zusätzliche Startaufträge für den japanischen Satellitenbetreiber iQPS kamen diese Woche hinzu. Damit baut sich Rocket Lab eine Umsatzsicherheit auf, die in der Raumfahrtbranche selten ist — eine Branche, in der ein einziger Fehlstart ganze Jahresplanungen über den Haufen werfen kann.

Der eigentliche Umbau: vom Launcher zum Systemanbieter

Die extreme Kursschwankung der letzten Wochen — die annualisierte Volatilität liegt bei 96,64 Prozent — verdeckt einen strategischen Kurswechsel, der weit über einzelne Startverträge hinausgeht. Ende Juni kündigte Rocket Lab die Übernahme von Iridium Communications für rund 8 Milliarden Dollar an. Das Ziel: raus aus der reinen „Wir starten nur Raketen“-Rolle.

Mit Iridiums etabliertem L-Band-Spektrum und dessen wiederkehrenden Servicegebühren positioniert sich Rocket Lab als Anbieter kompletter Raumfahrtsysteme — von der Rakete bis zum Satellitendienst. Genau das erklärt, warum der Markt das Unternehmen inzwischen mit rund 35,11 Milliarden Euro bewertet und damit als ernstzunehmenden Herausforderer etablierter Platzhirsche einstuft. Die Logik dahinter: Das verlässliche Electron-Geschäft finanziert den Sprung in die mittlere Nutzlastklasse mit der kommenden Neutron-Rakete, während Zukäufe wie Iridium margenstarke Servicegeschäfte sichern.

Charttechnik zeigt überverkauften Zustand

Aus charttechnischer Sicht bewegte sich die Aktie zuletzt in tief überverkauftem Terrain. Der 14-Tage-RSI fiel auf 36,2 — ein Niveau, das häufig einer Gegenbewegung vorausgeht. Trotz der jüngsten Rallye liegt der aktuelle Kurs noch 17,03 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 67,37 Euro. Das zeigt, wie viel Boden die Aktie gutmachen muss, um ihren langfristigen Chart wieder zu reparieren.

Analysten bleiben trotzdem auffällig optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 99,32 Euro — ein mögliches Aufwärtspotenzial von 77,7 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Damit diese Lücke sich schließt, braucht es aus Marktsicht nahezu fehlerfreie Ausführung an zwei Fronten: den erfolgreichen Erstflug der Neutron-Rakete bis Ende 2026 und eine reibungslose Integration der Iridium-Assets.

Ob Rocket Lab seine bisher makellose Erfolgsquote bei Kernkunden wie iQPS auch unter dem Druck dieser deutlich größeren Vorhaben halten kann, bleibt die entscheidende Unbekannte. Gelingt der Spagat zwischen Skalierung und operativer Präzision, dürfte der Kurssprung vom Donnerstag rückblickend als erster Schritt einer größeren Neubewertung gelten — misslingt er, drohen die alten Zweifel an „Raketenträumen ohne Substanz“ zurückzukehren.

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