Rocket Lab Aktie: 28 Prozent Minus in 30 Tagen

Rocket Lab-Aktie fällt nach Ankündigung der Iridium-Übernahme. Analysten bleiben trotz Rücksetzer optimistisch und sehen Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt 28% in 30 Tagen
  • Milliardendeal mit Iridium verunsichert
  • Analysten bestätigen Kaufempfehlungen
  • Quartalszahlen am 6. August erwartet

Auf Wochensicht verlor die Aktie 7,52 Prozent, der Relative-Stärke-Index von 34,5 deutet auf eine überverkaufte Verfassung hin. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, erreicht Ende Mai 2026, trennen das Papier mittlerweile fast die Hälfte des Werts. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 4,00 Prozent, und binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 81,72 Prozent verteuert – ein Beleg dafür, wie extrem volatil das Papier gehandelt wird. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 100 Prozent unterstreicht dies. Aktuell notiert die Aktie nur noch 0,61 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,19 Euro, während der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt bei minus 28,45 Prozent liegt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf umgerechnet 28,67 Milliarden Euro.

Milliardendeal mit eingebauter Sicherung

Auslöser der jüngsten Nervosität ist keineswegs schlechte Geschäftsentwicklung, sondern die am 29. Juni 2026 angekündigte Übernahme von Iridium Communications für rund 8 Milliarden US-Dollar. Iridium-Aktionäre sollen 54 US-Dollar je Aktie erhalten, kombiniert aus Cash und Rocket-Lab-Aktien. Der Deal enthält eine sogenannte Collar-Klausel: Bewegt sich die Rocket-Lab-Aktie zwischen 67,50 und 112,50 US-Dollar, bleibt der Gegenwert für Iridium-Aktionäre bei rund 54 US-Dollar stabil. Fällt der Kurs jedoch unter 67,50 US-Dollar, friert das Umtauschverhältnis bei 0,4000 ein und die Zahlung würde geschmälert. Genau diese Marke rückte zuletzt näher, nachdem die Aktie im US-Handel am 13. Juli auf teils unter 77 US-Dollar fiel. Finanziert wird die Übernahme über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden US-Dollar von Deutsche Bank und Wells Fargo. Iridium selbst bringt 66 erdnahe Satelliten, exklusive L-Band-Frequenzen und 2,5 Millionen Abonnenten mit, bei einem Umsatz von 871,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 und einer EBITDA-Marge von 57 Prozent. Rocket Lab würde damit vom reinen Raketenbauer zum vertikal integrierten Anbieter mit eigenem Satellitennetz, was Konzernchef Peter Beck als strategischen Schritt in Richtung wiederkehrender Umsätze positioniert – zeitgleich meldeten Insiderverkäufe, dass Beck rund 3 Millionen eigene Aktien veräußerte.

Sell-off trifft die gesamte Raumfahrtbranche

Der Kursrückgang am 13. Juli traf nicht nur Rocket Lab. SpaceX-Aktien fielen laut 24/7 Wall St. um rund 5 Prozent, AST SpaceMobile zeitweise um bis zu 7,7 Prozent, auch Intuitive Machines geriet unter Druck. Als Belastungsfaktoren nennen Marktbeobachter die erste erfolgreiche Landung eines wiederverwendbaren Boosters der chinesischen Rakete Long March 10B am 10. Juli sowie einen Ölpreissprung um 4,41 Prozent auf 74,56 US-Dollar infolge der Spannungen in der Straße von Hormus. Positiv fiel dagegen die erfolgreiche VICTUS-HAZE-Mission für die US Space Force auf: Rocket Lab startete die Rakete innerhalb von nur 16 Stunden und 42 Minuten nach Aufforderung und führte anschließend ein Rendezvous-Manöver im Orbit durch. Cantor Fitzgerald bestätigte daraufhin seine Kaufempfehlung mit Kursziel 96 US-Dollar und hob hervor, dass Rocket Lab als erster Anbieter eine komplette Mission aus Rakete, Satellit und Betrieb aus einer Hand realisiert habe.

Analysten bleiben trotz Rücksetzer optimistisch

Trotz des Kursrutsches überwiegen bei den Analysten weiterhin positive Einschätzungen. Bank of America bestätigte ihr Kaufvotum mit Kursziel 115 US-Dollar, Citizens sieht das Papier bei 130 US-Dollar. Der Konsens von 27 Analysten liegt bei 104,73 US-Dollar, mit einer Spanne von 60 bis 135 US-Dollar. Morgan Stanley hob sein Bull-Case-Szenario zuvor von 185 auf 293 US-Dollar an und nennt als Basisszenario 105 US-Dollar – Voraussetzung dafür seien ein pünktlicher Erststart der Neutron-Rakete, ein fristgerechter Abschluss der Iridium-Übernahme sowie mögliche Aufträge im Rahmen des „Golden Dome“-Programms. Als technische Unterstützung gilt weiterhin die Nähe zum 200-Tage-Durchschnitt.

Richtungsweisend dürfte der 6. August 2026 werden, wenn Rocket Lab seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Analysten erwarten einen Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen US-Dollar sowie einen Verlust je Aktie von 0,07 US-Dollar. Im ersten Quartal hatte der Umsatz bei 200,3 Millionen US-Dollar gelegen, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Auftragsbestand von 2,2 Milliarden US-Dollar. Investoren dürften dabei besonders auf Fortschritte beim Neutron-Programm und den Stand der Iridium-Integration achten, deren Abschluss bis Mitte 2027 angepeilt wird.

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