Rocket Lab Aktie: 38-Prozent-Absturz in vier Wochen

Rocket Lab verliert nach SpaceX-Debüt und Nasdaq-100-Aufnahme massiv an Wert. Neutron-Rakete und hohe Bewertung bleiben Risikofaktoren.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust von fast 38 Prozent
  • SpaceX-Börsengang als Hauptauslöser
  • Neutron-Rakete als entscheidender Faktor
  • Analysten mehrheitlich optimistisch gestimmt

Innerhalb von knapp vier Wochen hat Rocket Lab fast 38 Prozent seines Börsenwerts verloren. Der Kurs liegt bei 83,60 Euro — und hat dabei eine wichtige technische Marke gerissen.

Der 50-Tage-Durchschnitt bei 92,03 Euro ist gefallen. Das zwingt viele professionelle Portfoliomanager, ihre Positionen zu reduzieren. Der RSI liegt bei 40,4, die annualisierte Volatilität bei fast 93 Prozent. Kein ruhiges Fahrwasser.

SpaceX zieht Kapital ab

Der stärkste Auslöser war der Börsengang von SpaceX am 12. Juni. Rocket Lab verlor an diesem Tag knapp 11 Prozent. Investoren verlagern Kapital vom kleineren Wettbewerber zum neuen Schwergewicht der Branche.

Hinzu kam ein klassischer „Sell-the-News“-Effekt. Die Aufnahme in den Nasdaq-100 zum 22. Juni galt lange als Kurskatalysator. Stattdessen eröffnete die Aktie an diesem Montag mit einem Minus von mehr als 8 Prozent. Der erhoffte Rückenwind blieb aus.

Starke Zahlen, teures Bewertungsniveau

Operativ läuft das Geschäft gut. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 63,5 Prozent auf 200,3 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand verdoppelte sich auf einen Rekordwert von 2,2 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge erreichte mit 38,2 Prozent GAAP und 43 Prozent non-GAAP Höchststände.

Das Auftragsportfolio ist beachtlich: ein 816-Millionen-Dollar-Auftrag der US Space Force, ein 190-Millionen-Dollar-Hyperschallvertrag und weitere Rüstungsaufträge. Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen Dollar.

Die Bewertung bleibt das eigentliche Problem. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 100 — ein Abschlag gegenüber SpaceX mit dem 130-fachen Umsatz, aber alles andere als günstig.

Neutron als Schicksalsfrage

Das mittelschwere Trägerraketen-Programm Neutron ist der entscheidende Wachstumstreiber. Rocket Lab hat bei der FAA Startgenehmigungen für ein Debütfenster zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2026 beantragt. Unter einem 20-Starts-Szenario könnte Neutron jährlich zwischen einer und 1,1 Milliarden Dollar einbringen.

Der Zeitplan ist jedoch unter Druck. Ein Drucktest des Treibstofftanks schlug im Januar fehl. Der betroffene Tank wird durch ein Exemplar ersetzt, das auf einer automatisierten Faserwickelmaschine gefertigt wurde. Das soll den Fehler bei der Handlaminierung dauerhaft ausschließen. Der Erstflug ist nun für das vierte Quartal 2026 geplant.

Das Bewertungsniveau preist Neutrons Erfolg bereits ein. Gelingt der Erstflug nicht im Zeitplan, dürfte der Druck auf den Kurs weiter steigen.

Wall Street bleibt überwiegend optimistisch

Von 16 Analysten empfehlen 50 Prozent einen starken Kauf, 31 Prozent ein Kaufen. KeyBanc-Analyst Michael Leshock stufte die Aktie am 15. Juni auf „Buy“ hoch und setzte ein Kursziel von 135 Dollar. Seine Begründung: Der Markt habe auf den SpaceX-Börsengang überreagiert.

Mit SpaceX als börsennotiertem Unternehmen verliert Rocket Lab seinen Status als einzige handelbare Alternative im Weltraumsektor. Die Aktie muss künftig durch eigene Ergebnisse überzeugen — nicht durch Nähe zu SpaceX. Der Neutron-Erstflug und die Quartalszahlen im August werden zeigen, ob die aktuelle Korrektur eine Einstiegschance war.

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