Rocket Lab Aktie: 57,85 Prozent seit Mai-Hoch verloren

Rocket Lab verzeichnet erneuten Kursverlust aufgrund von Verschiebungen des Neutron-Raketenstarts. Analysten sehen Potenzial, doch der Markt bleibt skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt um über acht Prozent
  • Neutron-Start erneut verschoben
  • Wettbewerber drängen in den Markt
  • Chart zeigt klaren Abwärtstrend

Rocket Lab ist längst mehr als ein Raketenbauer für kleine Satelliten. Das Unternehmen will sich zum Vollversorger für Verteidigung, Kommunikation und wiederverwendbare Mittelklasse-Raketen wandeln. Diese Ambition trägt die Aktie nur, wenn eine Rakete tatsächlich fliegt: Neutron. Genau dieser Start rutscht seit Monaten immer weiter nach hinten.

Am Freitag brach die Aktie um 8,29 Prozent auf 56,40 Euro ein. Seit dem Jahreshoch im Mai hat sie damit 57,85 Prozent an Wert verloren. Der Ausverkauf zieht sich bereits seit Wochen hin.

Der RSI von 30,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Normalerweise ein Signal für eine Gegenbewegung – hier wirkt es wie ein Pflaster auf einer offenen Wunde. Denn die eigentliche Unsicherheit sitzt tiefer: bei Neutron.

Eine Rakete, die immer wieder rutscht

Ursprünglich sollte Neutron noch Ende 2025 abheben. Der Termin verschob sich zunächst auf das erste Quartal 2026, dann auf das vierte Quartal 2026 – die zweite Verzögerung innerhalb eines guten Jahres. Jede neue Ankündigung wird so zur Vertrauensfrage: Bedeutet „ambitionierter Zeitplan“ bei Rocket Lab überhaupt noch etwas?

Firmenchef Peter Beck versucht, das Warten als Zeichen von Sorgfalt zu verkaufen, nicht als Problem. Nach Angaben von Beck ist das Aufstellen von Bauteilen auf den Testständen der eigentliche Fortschrittsmesser auf dem Weg zum ersten Start im vierten Quartal 2026. Die jüngsten Tests markieren tatsächlich einen wichtigen Meilenstein. Allerdings verlief das Programm zuvor holprig: Im Jahresverlauf gingen Bauteile verloren, die ursprünglich für den echten Flug vorgesehen waren.

Warum der Markt nicht wegschaut

Der Konzern baut sich gerade neu zusammen. Ein Test der zweiten Raketenstufe von Neutron über die volle Brenndauer ist geglückt, dazu kommt die geplante Übernahme von Iridium. Rocket Lab will vom Kleinsatelliten-Starter zum vertikal integrierten Anbieter für Verteidigung, Kommunikation und wiederverwendbare Raketen werden. Diese Neupositionierung rechtfertigt die hohe Bewertung nur, wenn Neutron zuverlässig fliegt.

Der Wettbewerbsdruck wächst dabei parallel. Rüstungskonzern Northrop Grumman arbeitet mit Firefly Aerospace an einer eigenen Mittelklasse-Rakete namens Eclipse, die schon im kommenden Jahr fliegen könnte. Damit entsteht erstmals eine ernsthafte Alternative zu SpaceX abseits von Rocket Lab. Einige Kunden, die bereits Startverträge mit Neutron unterschrieben haben, könnten bei einer weiteren Verzögerung abspringen.

Charttechnik spiegelt die Zweifel

Die Chartanalyse zeigt die Verunsicherung fast lehrbuchhaft. Die Aktie notiert 36,67 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 89,05 Euro. Zur langfristigeren 200-Tage-Linie bei 67,36 Euro beträgt der Abstand noch 16,27 Prozent. Der kurzfristige Trend ist gebrochen, der langfristige noch nicht vollständig.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 88,21 Prozent zeigt, wie sehr die Aktie inzwischen an einem einzigen Datenpunkt hängt: dem nächsten Neutron-Update. Analysten sehen im Konsens-Kursziel von 100,50 Euro dennoch ein Aufwärtspotenzial von rund 78 Prozent – allerdings nur, wenn die Ausführung mit dem Ehrgeiz mithält.

Rocket Lab meldet die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 nach US-Börsenschluss am Montag, den 10. August 2026. Bis dahin bleiben Anlegern gut zwei Wochen, um jede Nachricht von den Testständen zu deuten. Sichtbare Tank-Tests, Stufenintegrationen und Triebwerksqualifikationen dürften über die kurzfristige Richtung der Aktie entscheiden – nicht Makro-Schlagzeilen. Bei einer Geschichte, die so sehr von einer einzigen Rakete abhängt, ist Geduld zur unbequemsten Tugend am Markt geworden.

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