Rocket Lab Aktie: 58% unter Mai-Hoch trotz Victus-Haze-Erfolg

Rocket Lab verliert an der Börse massiv an Wert, obwohl das Unternehmen Rekordaufträge und einen erfolgreichen Space-Force-Test vermeldet.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt trotz operativer Bestmarken
  • Erfolgreiche Rapid-Response-Mission für Space Force
  • 266-Millionen-Dollar-Auftrag für Raketenstarts
  • Quartalszahlen am 10. August erwartet

Rocket Lab liefert operative Bestmarken – und die Aktie fällt trotzdem weiter. Am Dienstag ging das Papier mit 56,00 Euro aus dem Handel, ein Minus von 4,92 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 8,35 Prozent. Die Lücke zwischen Geschäftsentwicklung und Kursverlauf wird damit immer größer.

Die Victus-Haze-Mission als Beweis

Erst kürzlich hat Rocket Lab mit der Mission Victus Haze gezeigt, wozu das Unternehmen fähig ist. Für die US Space Force kombinierte der Konzern eine Electron-Rakete, ein selbst gebautes Pioneer-Raumfahrzeug, eigene Missionssoftware und die komplette Bodenkontrolle in einem einzigen Auftrag.

Das Ergebnis: Rocket Lab startete das Raumfahrzeug nur 16 Stunden und 42 Minuten nach der finalen Anweisung der Space Force. Die Aktivierung und Testphase dauerte rund 38 Stunden – weit vor der Frist von 72 Stunden. Nach weniger als 59 Stunden war das Fahrzeug nah genug an einem Zielsatelliten, um ihn zu verfolgen, zu beobachten und zu fotografieren.

Damit ist Victus Haze die erste Rapid-Response-Mission der Space Force, bei der ein einziger Hauptauftragnehmer Rakete, Raumfahrzeug und Orbitalbetrieb aus einer Hand liefert. Normalerweise teilen sich mehrere Firmen diese Aufgaben auf. Weniger Schnittstellen bedeuten weniger Risiko, dass Verzögerungen bei einem Zulieferer die gesamte Mission gefährden. Branchenbeobachter werten das als echten Wettbewerbsvorteil – nur wenige Raumfahrtunternehmen können ein solches Komplettpaket unter einem einzigen Vertrag anbieten.

Auftragsboom bremst den Ausverkauf nicht

Auch handfeste neue Aufträge konnten den Kursverfall zuletzt nicht stoppen. Die Space Force hat Rocket Lab einen Vertrag über 266 Millionen Dollar für zwölf suborbitale Starts erteilt. Die Missionen sollen frühestens Ende 2026 beginnen und bis Ende 2028 am Pacific Spaceport Complex in Alaska laufen.

Der Vertrag enthält zudem Optionen auf sechs weitere HASTE-Missionen. Das koppelt zusätzliches Umsatzpotenzial an die künftige Nachfrage im Bereich Raketenabwehr-Tests, statt sich auf ein einmaliges Projekt zu beschränken.

Marktbeobachter führen die Diskrepanz zwischen guten Nachrichten und schwachem Kurs auf Faktoren zurück, die über das operative Geschäft hinausgehen. Der Markt bestraft demnach nicht die Geschäftsentwicklung selbst, sondern preist Finanzierungsrisiken sowie einen insgesamt abgekühlten Raumfahrt-Sektor ein. SpaceX, der Branchenriese, hat sich seit seinem Höchststand kurz nach dem Börsengang im Juni bereits etwa halbiert.

Zweites Quartal im Blick

Die nächste wichtige Etappe steht bereits fest: Rocket Lab wird die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am 10. August veröffentlichen, die Telefonkonferenz beginnt um 17 Uhr US-Ostküstenzeit.

Das Management rechnet mit einem weiteren Rekordquartal. Die Umsatzprognose liegt zwischen 225 und 240 Millionen Dollar. Zusätzlich bleibt der Debütstart der größeren Neutron-Rakete für später in diesem Jahr im Zeitplan.

Analysten bleiben trotz Absturz optimistisch

Nach der Ankündigung des Space-Force-Vertrags haben mehrere Banken ihre Kursziele angehoben statt gesenkt. Bank of America hob ihr Ziel auf 115 Dollar an, Roth Capital und Citizens gingen beide auf 130 Dollar, und New Street Research startete die Coverage mit dem höchsten Kursziel am Markt. Im Schnitt von 17 Analysten liegt die Einschätzung bei „Kaufen“, das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel bei 114,33 Dollar.

Wie heftig der Rückschlag tatsächlich ausfällt, zeigt der Chart: Die Aktie notiert 58,15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro vom 27. Mai. Der 14-Tage-RSI von 32,6 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain – während das operative Geschäft weiter Rekordaufträge und technische Meilenstiele auf dem Weg zum Neutron-Debüt liefert.

Die Quartalszahlen am 10. August dürften zeigen, ob die angekündigte Umsatzspanne von 225 bis 240 Millionen Dollar erreicht wird. Bis dahin bleibt die Kluft zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung das prägende Thema für die Aktie.

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