Rocket Lab Aktie: 8-Milliarden-Iridium-Deal zur Abstimmung am 24. September

Rocket Lab verzeichnet starkes Umsatzwachstum, doch Kurs fällt wegen Neutron-Verzögerung und Iridium-Übernahme. Analysten sehen Potenzial, Insider verkaufen.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzplus von 62 Prozent
  • Neutron-Erststart verschoben auf Q4
  • Iridium-Übernahme für acht Milliarden Dollar
  • Insider verkaufen Aktien im Wert von 329 Millionen Dollar

Es gibt diese Momente an der Börse, in denen ein Unternehmen operativ genau das liefert, was man sich wünscht, und der Kurs trotzdem einbricht. Rocket Lab erlebt gerade so einen Moment, und er sagt mehr über die Nervosität im gesamten Raumfahrtsektor aus als über das Unternehmen selbst.

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal waren eigentlich beeindruckend: Der Umsatz kletterte um 62 Prozent auf 234 Millionen Dollar, der Auftragsbestand wuchs auf 2,36 Milliarden Dollar.

Neue Aufträge im Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar kamen allein im zweiten Quartal hinzu – darunter das NITE-STAR-Programm mit einem Volumen von bis zu 981 Millionen Dollar, ein Flatellite-Auftrag über 397 Millionen Dollar und ein Raketenabwehr-Deal über 266 Millionen Dollar. Das ist die Art von Wachstum, für die Wachstumsaktien eigentlich belohnt werden.

Belohnt wurde Rocket Lab dafür nicht. Der Schlusskurs lag am Dienstag bei 57,50 Euro, nach einem Minus von 1,9 Prozent an diesem Tag und einem Rückgang von 11 Prozent binnen sieben Tagen. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt satte 57 Prozent. Wer im Mai eingestiegen ist, sitzt auf einem der schmerzhafteren Verluste im gesamten Raumfahrt- und Verteidigungssektor.

Neutron als Nadelöhr

Der Grund liegt in einem einzigen Wort: Neutron. Rocket Labs wiederverwendbare Trägerrakete, 141 Fuß hoch und mit Archimedes-Triebwerken ausgestattet, sollte eigentlich der Beweis werden, dass das Unternehmen aus der Nische der kleinen Electron-Rakete herauswächst.

Stattdessen riss im Januar bei einem Test in Wallops, Virginia, ein Treibstofftank. Der ursprünglich für das erste Quartal 2026 angepeilte Erststart ist inzwischen frühestens für das vierte Quartal angesetzt.

CEO Peter Beck versucht nun, die Erzählung neu zu rahmen: Er lenkt den Blick der Investoren nicht mehr auf einen einzelnen Neutron-Start, sondern auf den zehnten. Das ist eine interessante Verschiebung der Kommunikationsstrategie – weg vom riskanten Debüt, hin zu einer Kadenz, die Verlässlichkeit signalisieren soll.

Ob das die Anleger überzeugt, ist eine andere Frage. Immerhin läuft das Kerngeschäft parallel weiter: Die 93. Electron-Mission steht an, und bis 2030 sind neun weitere Missionen fest eingeplant. Erst am Wochenende startete Rocket Lab von Neuseeland aus einen japanischen Radar-Satelliten für iQPS, einen Tag nachdem die Übernahme von Iridium bekannt geworden war.

Die Iridium-Frage und die SpaceX-Schwerkraft

Diese Übernahme, ein Volumen von acht Milliarden Dollar in bar und Aktien, mit 27 Dollar je Aktie als Barkomponente, ist die zweite große Baustelle. Die Aktionärsabstimmung ist für den 24. September angesetzt.

Für ein Unternehmen, das gerade erst beweisen muss, dass Neutron fliegt, ist eine Übernahme dieser Größenordnung ein Wagnis mit Hebelwirkung – Analysten von Seeking Alpha verweisen in diesem Zusammenhang bereits auf die steigende Verschuldung und vergeben ein Sell-Rating.

Und dann ist da noch der Elefant im Raum, der eigentlich kein Rocket-Lab-Thema ist, aber jede Kursbewegung mitbestimmt: SpaceX. Seit dem Börsengang des Konkurrenten saugt dieser einen Großteil der Aufmerksamkeit und des Kapitals aus dem Sektor.

Während SpaceX mit einer Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar und Plänen für eine 100-Milliarden-Dollar-Startanlage in Louisiana die Fantasie beflügelt, wirkt Rocket Lab daneben fast bescheiden – trotz eigener Rekordzahlen.

Analysten von Simply Wall St taxieren den fairen Wert der Aktie auf 85,04 Dollar und sehen damit ein Unterbewertungspotenzial von gut einem Fünftel gegenüber dem jüngsten Kurs von 66,91 Dollar. Der Analystenkonsens liegt mit einem mittleren Kursziel von 120 Dollar sogar deutlich darüber.

Gleichzeitig verkauften Insider in den vergangenen sechs Monaten in 106 Transaktionen Aktien im Wert von 329 Millionen Dollar – ein Signal, das man nicht überbewerten sollte, aber auch nicht ignorieren darf.

Bleibt die eigentliche Frage dieses Sommers: Ist Rocket Lab ein Wachstumsunternehmen, das gerade eine technische Verzögerung durchsteht, oder ein Unternehmen, das sich mit der Iridium-Übernahme finanziell übernimmt, während der Wettbewerber SpaceX längst in einer anderen Liga spielt? Die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn Neutron tatsächlich abhebt – und wenn die Aktionäre im September über Iridium entschieden haben.

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