Rocket Lab Aktie: 93. Electron-Mission gestartet

Rocket Lab steigert Umsatz und Auftragsbestand, während Kursverluste, die Iridium-Übernahme und Neutron den Kapitalmarkt beschäftigen.

Die Kernpunkte:
  • 93. Electron-Mission erfolgreich absolviert
  • 2,36 Milliarden Dollar Auftragsbestand
  • Iridium-Übernahme bleibt strategischer Schwerpunkt
  • Neutron-Anlieferung für viertes Quartal vorgesehen

Manchmal driften operatives Geschehen und Börsenkurs so weit auseinander, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Namen tragen. Bei Rocket Lab ist genau das gerade zu beobachten.

Während das Unternehmen am Donnerstag seine 93. Electron-Mission ins All schickte und damit den 14. Start des Jahres 2026 markierte, ist die Aktie am Freitag um 4,1 Prozent gefallen. Auf Wochensicht steht ein Minus von 11 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier 9,6 Prozent im Minus.

Diese Diskrepanz ist der eigentliche rote Faden der aktuellen Rocket-Lab-Geschichte: Ein Unternehmen, das operativ so viele Haken setzt wie kaum ein anderer im New-Space-Sektor, wird an der Börse derzeit wie ein Risikopapier in der Abwärtsspirale behandelt.

Ein Betrieb im Dauertakt

Die Electron-Mission vom Donnerstag brachte einen weiteren Erdbeobachtungssatelliten des japanischen Unternehmens iQPS ins All – bereits die neunte QPS-SAR-Nutzlast, die Rocket Lab für iQPS transportiert. Neun weitere dedizierte Starts für diesen Kunden sind bis 2030 bereits gebucht. Das ist die Art von Wiederholungsgeschäft, von der klassische Raumfahrtunternehmen früher nur träumen konnten.

Auch anderswo läuft die Produktionsmaschine: Vergangene Woche erreichten acht von Rocket Lab gebaute Satellitenplattformen für MDA Space die Umlaufbahn, Kontakt zu allen acht Raumfahrzeugen wurde hergestellt, die Inbetriebnahme im Rahmen eines 17-Satelliten-Vertrags mit MDA hat begonnen.

Parallel dazu hat sich Rocket Lab dem NITE-STAR-Rahmenvertrag der US Space Force angeschlossen, einem Programm mit einem Gesamtvolumen von 981 Millionen Dollar, unter dem das Unternehmen künftig um einzelne Aufträge konkurrieren kann.

Zahlen, Backlog und ein wachsender Elefant im Raum

Die im August vorgelegten Quartalszahlen unterstreichen das Bild eines wachsenden Geschäfts: 234 Millionen Dollar Umsatz im zweiten Quartal, ein Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar und mehr als eine Milliarde Dollar an neuen Verträgen, die während und nach dem Quartal unterzeichnet wurden. Für das dritte Quartal stellte das Management eine Umsatzspanne von 250 bis 265 Millionen Dollar in Aussicht.

Der größte Strukturwandel im Rocket-Lab-Kosmos ist derzeit aber nicht operativer, sondern strategischer Natur: Die geplante Übernahme von Iridium Communications.

Genau dieser Schritt, verbunden mit der Frage, wie viel Kapital und Aufmerksamkeit er bindet, dürfte die Nervosität am Aktienmarkt mit befeuern – ein Unternehmen, das gleichzeitig eine Trägerrakete entwickelt, ein Satellitengeschäft hochfährt und eine milliardenschwere Übernahme stemmen will, verlangt Anlegern viel Vertrauen in die Kapazitäten des Managements ab.

Neutron als Nadelöhr

Der zweite Spannungsbogen ist die Neutron-Rakete, Rocket Labs Antwort auf die wachsende Konkurrenz im Bereich mittelschwerer Trägerraketen. Die Produktion der ersten Stufentanks liegt laut Unternehmen weiterhin im Zeitplan für eine Anlieferung zur Startrampe im vierten Quartal 2026 – doch das Zeitfenster zum Jahresende wird enger, wie das Unternehmen selbst einräumt.

CEO Peter Beck hat Investoren kürzlich dazu aufgefordert, sich weniger auf das genaue Debütdatum von Neutron zu fixieren als vielmehr darauf, wie schnell das Unternehmen nach dem Erststart den zehnten Flug erreichen kann – ein Hinweis darauf, dass die Kadenz, nicht das Debüt selbst, der eigentliche Werttreiber sein wird.

Ergänzt wird das Bild durch technologische Nebenschauplätze: Optische Kommunikationsterminals von Rocket Lab werden derzeit auf dem Hyperion-Satelliten von KSAT im Rahmen von Orbit-Tests des hybriden HYPER-Netzwerks erprobt, das Funk- und Optikverbindungen kombiniert.

Was bleibt

Der Kurs notiert derzeit rund 18 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt und 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein technisches Bild, das die operative Dynamik der vergangenen Wochen kaum widerspiegelt.

Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 35 Prozent, ein Erinnerung daran, dass kurzfristige Volatilität – aktuell bei 73 Prozent annualisiert – und langfristige Substanz zwei verschiedene Geschichten erzählen können.

Ob sich diese Schere zwischen operativem Fortschritt und Kursverlauf schließt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie überzeugend Rocket Lab die Neutron-Startkampagne und die Iridium-Integration gleichzeitig stemmt.

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