Rocket Lab Aktie: Archimedes-Test am 14. Juli bestanden

Rocket Lab gelingt entscheidender Test des Archimedes-Triebwerks für die Neutron-Rakete. Die Aktie reagiert mit Kursgewinnen, Analysten bleiben gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Langzeittest des Archimedes-Triebwerks bestanden
  • Aktie steigt um 2,81 Prozent
  • NASA erteilt drei neue Electron-Starts
  • Analysten sehen durchschnittliches Kursziel bei 113 Dollar

Juli 2026 absolvierte das Unternehmen einen vollständigen Langzeitbrenntest des Archimedes-Vakuumtriebwerks, das die zweite Stufe der neuen Neutron-Rakete antreiben soll. CEO Peter Beck bezeichnete den Test als entscheidende Vorbereitung für den Erstflug von Neutron, der weiterhin für das vierte Quartal 2026 anvisiert wird.

Die Aktie reagierte deutlich: Sie notiert aktuell bei 69,50 Euro und legt am Tag um 2,81 Prozent zu, nachdem sie am Montag noch bei 67,60 Euro geschlossen hatte. Der positive Impuls kommt nach einer schwierigen Phase. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 4,92 Prozent, über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 26,38 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt Rocket Lab dennoch mit 6,92 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 86,83 Prozent.

Neutron als Kern der Wachstumsstrategie

Die Neutron-Rakete misst 141 Fuß, soll bis zu 13.000 Kilogramm Nutzlast in die niedrige Erdumlaufbahn bringen und verfügt über eine wiederverwendbare erste Stufe. Der Start soll vom Launch Complex 3 der Wallops Flight Facility in Virginia erfolgen. Das nun getestete Archimedes-Vakuumtriebwerk liefert nach Angaben aus dem Umfeld des Tests spürbar mehr Schub als frühere Iterationen. Rocket Lab verfolgt mit Neutron und der milliardenschweren Übernahme von Iridium für rund 8 Milliarden US-Dollar ein Modell der vertikalen Integration, das dem Vorbild von SpaceX ähnelt, wenn auch auf einer früheren Entwicklungsstufe. Ein Vergleich von The Motley Fool ordnet SpaceX als bewährter im großen Maßstab ein, sieht bei Rocket Lab aber das größere prozentuale Aufwärtspotenzial – allerdings ausdrücklich als spekulative Position.

Ergänzend meldete das Unternehmen einen Zuschlag der NASA für drei Electron-Starts: Die Satelliten PolSIR und TSIS-2 sollen 2027 vom neuseeländischen Startgelände LC-1 ins All gebracht werden, zusätzlich zur bereits geplanten Aspera-Mission. Der finanzielle Umfang des VADR-Vertrags wurde nicht beziffert.

Analysten uneins, Kursziel deutlich über aktuellem Niveau

Die Wall Street bleibt trotz der jüngsten Kursschwankungen mehrheitlich positiv gestimmt. Von 13 Analysten empfehlen laut einer Übersicht 13 den Kauf und drei eine Halteposition, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 113 US-Dollar, die Spanne reicht von 60 bis 135 US-Dollar. Morgan Stanley votiert mit Kaufen und einem Ziel von 105 US-Dollar, Goldman Sachs bleibt mit Halten und einem Ziel von 76 US-Dollar zurückhaltender. Die Skepsis speist sich unter anderem aus der fehlenden Profitabilität: Auf Basis der letzten zwölf Monate weist Rocket Lab einen operativen Verlust von 226 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von 182,6 Millionen US-Dollar aus, bei einem Umsatzwachstum von 45,8 Prozent.

Institutionelle Investoren zeigen sich unterdessen unbeeindruckt vom Rücksetzer: Y.D. More Investments Ltd erwarb im ersten Quartal 2026 rund 10.000 Aktien im Wert von etwa 642.000 US-Dollar. Die institutionelle Eigentümerquote liegt bei 71,78 Prozent.

Rückenwind aus der Rüstungsbranche

Zusätzliche Fantasie liefert ein Auftrag für Kratos: Der Zulieferer erhielt im Juli 2026 rund 400 Millionen US-Dollar vom US-Verteidigungsministerium für hypersonische Systeme. Die Analysten von Stifel sehen darin einen positiven Nebeneffekt für Rocket Lab, da eine Zulieferbeziehung zwischen beiden Unternehmen besteht und zusätzliche HASTE-Testlanceringen möglich erscheinen. Stifel bestätigte parallel die Kaufempfehlung für Kratos.

Der breitere Raumfahrtsektor stand zuletzt unter Druck: Ein von China erfolgreich auf einer Seeplattform geborgener Raketenbooster der Trägerrakete Long March 10B sowie ein Ölpreissprung wegen Spannungen in der Straße von Hormus belasteten Weltraumwerte branchenweit. In einer Stocktwits-Umfrage mit 1.600 Stimmen votierten Kleinanleger dennoch für Rocket Lab als drittbeliebtesten Kandidaten für Kursrücksetzer-Käufe, mit 29 Prozent der Stimmen hinter SpaceX und AST SpaceMobile mit je 33 Prozent.

Mit Blick auf die technischen Marken zeigt sich das Ausmaß der jüngsten Volatilität: Rocket Lab notiert 48,06 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro vom 27. Mai 2026, aber 113,19 Prozent über dem Jahrestief von 32,60 Euro vom 21. November 2025. Der Relative-Stärke-Index von 36,6 signalisiert keine überkaufte Lage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 95,51 Prozent die Schwankungsbreite der Aktie unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 44,36 Milliarden Euro. Die nächsten Quartalszahlen werden für den 6. August 2026 erwartet und dürften zeigen, wie belastbar das Wachstumsversprechen jenseits des Neutron-Fortschritts tatsächlich ist.

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