Rocket Lab Aktie: Auftragsbestand springt auf 2,36 Milliarden

Rocket Lab meldet starkes Umsatzwachstum und treibt die Iridium-Übernahme voran. Analysten sehen in der Neutron-Rakete den entscheidenden Katalysator.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt um 62 Prozent
  • Iridium-Übernahme nimmt regulatorische Hürde
  • Analysten sehen Neutron als Schlüssel
  • Insider verkaufen Aktienanteile

Es gibt Momente, in denen eine Aktie mehr über den Zustand einer ganzen Industrie erzählt als über sich selbst. Rocket Lab ist gerade so ein Fall. Das Unternehmen, das vor Jahren als kleinerer Electron-Anbieter neben SpaceX auftrat, verwandelt sich gerade in einen diversifizierten Raumfahrtkonzern mit eigenem Satellitengeschäft, Kommunikationstechnik und bald auch einer milliardenschweren Übernahme. Wer verstehen will, wohin sich die New-Space-Branche insgesamt bewegt, kommt an diesem Papier derzeit nicht vorbei.

Zahlen, die den Wandel belegen

Am Montag legte Rocket Lab seine Zweitquartalszahlen vor, und sie fielen deutlich aus: 234,1 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 34 Millionen Dollar mehr als im bereits rekordträchtigen ersten Quartal.

Der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden Dollar, 137 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allein im laufenden dritten Quartal kamen bereits neue Aufträge von über einer Milliarde Dollar hinzu. Der Nettoverlust schrumpfte von 66,4 auf 49,3 Millionen Dollar.

Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen erneut einen Rekordumsatz in Aussicht, zwischen 250 und 265 Millionen Dollar, bei einer GAAP-Bruttomarge von 29 bis 31 Prozent. Das ist die Art von Wachstum, die eine Aktie eigentlich beflügeln sollte.

Und doch notierte das Papier am Freitag bei 69,30 Euro, nur leicht im Minus zum Vortag, aber rund 48 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro aus dem Mai. Der Markt preist die Wachstumsstory längst nicht mehr euphorisch ein — er wartet ab, was aus den vielen offenen Baustellen wird.

Die Iridium-Wette

Die größte dieser Baustellen heißt Iridium Communications. Anfang Juli hatte Rocket Lab eine Übernahme des Satellitenkommunikationsanbieters für 54 Dollar je Aktie in bar und in Aktien vereinbart, ein Deal mit einem Unternehmenswert von rund 8 Milliarden Dollar. In dieser Woche fiel die kartellrechtliche Wartefrist in den USA, ein wichtiges regulatorisches Hindernis ist damit aus dem Weg.

Parallel reichte das Unternehmen eine S-4-Registrierung bei der US-Börsenaufsicht ein und stellte FCC-Anträge zur Übertragung der Iridium-Lizenzen. Der Zeitplan bleibt ambitioniert: Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Iridium-Aktionäre und weiterer Genehmigungen.

Um die Finanzierung zu sichern, hat Rocket Lab sein Aktienangebot neu aufgesetzt: Mit Deutsche Bank Securities und Wells Fargo Securities als Partnern kann das Unternehmen künftig Aktien im Volumen von bis zu 1,94 Milliarden Dollar am Markt platzieren.

Das Geld soll direkt in die Cash-Komponente der Iridium-Übernahme fließen und Verbindlichkeiten aus einer Brückenfinanzierung reduzieren. Eine Aktienausgabe dieser Größenordnung verwässert bestehende Anteile — ein Preis, den Rocket Lab offenbar zu zahlen bereit ist, um aus einem Launch-Anbieter einen integrierten Raumfahrt- und Kommunikationskonzern zu formen.

Neutron als Kernwette der Analysten

Während die Iridium-Fusion die Schlagzeilen dominiert, richten viele Analysten den Blick auf ein anderes Projekt: die mittelschwere Trägerrakete Neutron.

Cantor-Fitzgerald-Analyst Andres Sheppard hob am Dienstag sein Kursziel von 96 auf 122 Dollar an und bezeichnete Neutron als den „materiellsten Katalysator“ für das Unternehmen — eine Rakete, die Umsatzbasis, Margen und Wettbewerbsposition gegenüber SpaceX spürbar verändern könnte.

Stifel bekräftigte am selben Tag eine Kaufempfehlung mit Kursziel 132 Dollar, während Roth Capital sein Ziel nach den Quartalszahlen von 130 auf 110 Dollar senkte, die Kaufempfehlung aber beibehielt.

Piper Sandler startete die Coverage mit einer neutralen Einstufung. Die Spanne der Einschätzungen zeigt: Niemand bestreitet das Wachstum, aber die Bewertung der vielen parallelen Wetten bleibt umstritten.

Ein Konzern, der sich selbst neu erfindet

Fast nebenbei baut Rocket Lab weiter an seiner globalen Infrastruktur. Mit GHOST stellte das Unternehmen ein containerisiertes Startsystem vor, das suborbitale und orbitale Starts von praktisch jedem Ort der Welt ermöglichen soll.

In München entsteht mit Rocket Lab Germany eine neue Tochtergesellschaft, die auf der 2025 übernommenen Mynaric-Technologie für optische Laserkommunikation aufbaut und künftig auch Satelliten und Nutzlasten fertigen soll.

Das US Space Force vergab zudem einen Auftrag über 397 Millionen Dollar für ein Satellitenprogramm zur Bewegtzielerfassung, zusätzlich zu einem bereits im Juli gesicherten Mehrfachstart-Vertrag über 266 Millionen Dollar.

Auffällig ist dabei, wie viele Insider zuletzt verkauft haben, darunter CEO Peter Beck mit Aktienverkäufen im dreistelligen Millionenbereich in den vergangenen sechs Monaten. Das muss kein Alarmsignal sein, mahnt aber zur Nüchternheit angesichts der Kursvolatilität von 82 Prozent auf Jahresbasis.

Rocket Lab wettet gerade auf mehreren Feldern gleichzeitig — Launch, Satellitenkommunikation, Bodeninfrastruktur. Ob aus dieser Kombination ein kohärenter Konzern wird oder ein überdehntes Konglomerat, wird sich erst zeigen, wenn Iridium tatsächlich unter dem eigenen Dach angekommen ist.

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