Rocket Lab Aktie: Iridium-Deal bis Mitte 2027
Rocket Lab verliert deutlich an Wert. Die geplante Milliardenübernahme von Iridium und Analystenstimmen sorgen für anhaltende Verunsicherung.

- Aktie verliert fast 19 Prozent in einer Woche
- Piper Sandler startet mit neutraler Bewertung
- Milliardenschwere Iridium-Übernahme verunsichert Anleger
- Charttechnische Unterstützung bei 65 US-Dollar
Rocket Lab kommt nicht zur Ruhe. Die Aktie fällt am Freitag um 2,54 Prozent auf 57,60 Euro. Innerhalb einer Woche hat das Papier fast 19 Prozent verloren, binnen eines Monats fast 39 Prozent. Im Zentrum der Verkaufswelle steht die geplante Übernahme von Iridium Communications — ein Deal, der Anleger eher nervös als euphorisch macht.
Piper Sandler gießt Öl ins Feuer
Neue Bewegung kam durch die Investmentbank Piper Sandler. Sie startet die Coverage von Rocket Lab mit „Neutral“ und einem Kursziel von 83 US-Dollar. Ihre Einordnung der Branche ist eindeutig: AST SpaceMobile erhält ein „Overweight“, während SpaceX und Rocket Lab als bereits hoch bewertete Raketenbauer gelten, deren Kurspotenzial für die nächsten Jahre größtenteils eingepreist ist.
Andere Analysten sehen das differenzierter. Morgan Stanley bestätigte Anfang Juli ein „Overweight“, Cantor Fitzgerald hält ebenfalls an „Overweight“ fest und nennt ein Kursziel von 96 US-Dollar. KGI Securities startete die Coverage im Juni mit „Neutral“ und 105 US-Dollar Kursziel. Die kritischste Stimme kommt von Weiss Ratings, die im April ein „Sell (D-)“ bestätigte.
Der Iridium-Deal als Belastung
Rocket Lab will Iridium für rund 8 Milliarden US-Dollar übernehmen. Finanziert wird die Barkomponente über eine Brückenfinanzierung von 3,6 Milliarden US-Dollar, bereitgestellt von Deutsche Bank und Wells Fargo. Der Rest des Kaufpreises fließt in Aktien — und verwässert damit die bestehenden Anteilseigner.
Diese Kombination macht Anleger skeptisch. Ein Unternehmen, das zuletzt einen Jahresnettoverlust auswies, stemmt hier Milliardenschulden für eine strategische Wette. Der Deal soll erst Mitte 2027 abgeschlossen werden, vorausgesetzt Iridiums Aktionäre und die Aufsichtsbehörden stimmen zu.
Hinzu kommt ein Signal aus der Chefetage. Insider, darunter der Finanzchef, verkaufen seit Monaten kontinuierlich Aktien. Käufe von Führungskräften am freien Markt gab es in den vergangenen sechs Monaten keine.
Technisches Bild spricht für Vorsicht
Charttechnisch hat sich die Lage verschlechtert. Die 50-Tage-Linie liegt bei 93,61 Euro, die 200-Tage-Linie bei 67,32 Euro — der aktuelle Kurs liegt also deutlich unter beiden Marken. Der RSI von 28,9 signalisiert eine überverkaufte Aktie.
Marktbeobachter sehen 65 US-Dollar als Unterstützung, die Bullen verteidigen müssen. Die Zone zwischen 75 und 86 US-Dollar gilt als Widerstand, der zurückerobert werden müsste, damit sich das Bild dreht.
Die Schwäche bei Rocket Lab ist kein Einzelfall. Auch Planet Labs verlor zuletzt fast 45 Prozent, nachdem eine Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden US-Dollar Verwässerungsängste auslöste. Wachstumswerte aus dem Weltraumsektor geraten derzeit generell unter Druck, während Anleger aus spekulativen Themen abziehen.
Strategische Logik bleibt bestehen
Trotz des Kursverfalls hat sich an der Grundidee des Deals nichts geändert. Rocket Lab würde mit Iridium ein globales Satellitenkommunikationsnetz erwerben und wiederkehrende Umsätze, Frequenzressourcen sowie Zugang zu Verteidigung, Luftfahrt, Schifffahrt und IoT-Märkten gewinnen. Das Ziel: ein vertikal integriertes Raumfahrtunternehmen näher am Vorbild SpaceX.
Nicht alle Analysten sehen nur Risiken. Roth-MKM-Analyst Suji DeSilva erhöhte sein Kursziel von 100 auf 130 US-Dollar und verweist auf die gestärkte Wettbewerbsposition durch den Zusammenschluss.
Die kommenden Handelstage dürften davon abhängen, ob das Management die offenen Finanzierungsfragen zum Iridium-Deal klarer beantwortet. Solange das nicht passiert, bleibt die Marke von 65 US-Dollar die Linie, die es zu verteidigen gilt.
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