Rocket Lab Aktie: NASA-Auftrag geht an Blue Origin
Rocket Lab steigert den Quartalsumsatz, bleibt defizitär und verliert einen NASA-Auftrag, während Analysten die Aktie unterschiedlich beurteilen.

- 94. Electron-Start für Synspective
- 16 weitere Missionen bis 2030 gebucht
- NASA vergibt Mars-Auftrag an Blue Origin
- Umsatz steigt, Verlust bleibt bestehen
Manche Firmen liefern Zuverlässigkeit, bis sie zur Selbstverständlichkeit wird – und genau das ist derzeit das Problem von Rocket Lab. Am heutigen Donnerstag startete das Unternehmen zum 94. Mal seine Electron-Rakete, diesmal vom Launch Complex 1 in Mahia, Neuseeland.
An Bord: ein StriX-SAR-Satellit für den japanischen Kunden Synspective, bereits die elfte dedizierte Mission für diesen Auftraggeber. Für Rocket Lab ist das Routine geworden. Und Routine ist an der Börse selten das, was Kurse treibt.
Der Widerspruch zwischen operativer Verlässlichkeit und Kursschwäche ist derzeit das eigentliche Thema der Aktie. Während die Electron-Flotte fast im Wochentakt Satelliten ins All bringt und mit Synspective bereits 16 weitere Missionen bis 2030 gebucht hat, notiert das Papier bei 55,30 Euro rund 59 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Der 30-Tage-Rückgang von 14 Prozent zeigt: Der Markt bewertet die Story derzeit skeptischer als noch vor wenigen Monaten.
Verlorene Mars-Ausschreibung als Sinnbild
Ein Ereignis erklärt diese Nervosität besser als jede Chartlinie: Die NASA vergab Anfang der Woche einen Auftrag über rund 700 Millionen Dollar für das Mars Telecommunications Network – nicht an Rocket Lab, sondern an Blue Origin.
Lieferung bis Ende 2028, Betrieb ab 2030. Für ein Unternehmen, das sich als vielseitigen Raumfahrt-Dienstleister positioniert, ist eine verlorene Großausschreibung mehr als eine Randnotiz. Sie zeigt, dass der Wettbewerb um die lukrativen Behördenaufträge härter geworden ist, seit auch Blue Origin und SpaceX aggressiv um NASA-Budgets konkurrieren.
Genau hier liegt der größere Trend, den die Rocket-Lab-Aktie derzeit widerspiegelt: Die Raumfahrtbranche wächst rasant, aber die Gewinne verteilen sich zunehmend ungleich.
Bernstein sieht SpaceX mit einem Kursziel von 248 Dollar, Oppenheimer sogar bei 280 Dollar – getrieben von Starlink, Starship und neuerdings auch von KI-Rechenzentren im Orbit. Neben solchen Größenordnungen wirkt Rocket Lab wie ein solider, aber kleinerer Player, der sich seinen Platz in einem zunehmend konsolidierten Markt hart erarbeiten muss.
Zwischen Insider-Verkäufen und frischen Kaufempfehlungen
Dass CFO Adam Spice den geplanten Verkauf von 140.157 Aktien im Wert von etwa 8,8 Millionen Dollar über einen automatisierten 10b5-1-Plan angekündigt hat, sorgte an der Börse kaum für Verwerfungen – die Aktie legte am Mittwoch trotzdem um ein Prozent zu.
Auch Präsident Marvin Bradford Clevenger trennte sich zuletzt von 15.051 Aktien für gut eine Million Dollar. Insgesamt verkaufen von 78 erfassten Insidern deutlich mehr als kaufen. Das muss kein Alarmsignal sein, planmäßige Verkaufsprogramme sind in der Techbranche üblich, doch es passt zum Bild einer Aktie, die auf Sicht fährt.
Auf der Analystenseite zeichnet sich unterdessen ein differenziertes Stimmungsbild ab. Berenberg Bank nahm die Coverage frisch mit einem Buy-Rating und Kursziel 83 Dollar auf, Bank of America (Analyst Ronald Epstein) bestätigte Ende August ebenfalls Buy. BTIG bleibt dagegen bei Hold.
Die Skepsis der einen und der Optimismus der anderen treffen auf ein Unternehmen, das im zweiten Quartal 2026 seinen Umsatz von 144,5 auf 234,07 Millionen Dollar steigerte, den Nettoverlust aber immer noch bei knapp 49,3 Millionen Dollar hielt – besser als im Vorjahr, aber noch weit von Profitabilität entfernt.
Ein Sektor unter Strom
Der breitere Weltraum-Sektor selbst liefert Kontext für die Kursbewegungen: Laut Berenberg fiel er seit Mai um 53 Prozent, bevor zuletzt wieder Käufe einsetzten – etwa bei AST SpaceMobile, das nach einem Insiderkauf und einer neuen Kaufempfehlung um 10 Prozent sprang. Rocket Lab bewegt sich in diesem volatilen Umfeld mit, wie die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 68 Prozent unterstreicht.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Rocket Lab Raketen zuverlässig startet – das tut das Unternehmen inzwischen fast wöchentlich. Sie lautet, ob operative Exzellenz allein reicht, um in einem Markt zu bestehen, in dem die größten Verträge zunehmend an noch größere Konkurrenten gehen.
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