Rocket Lab Aktie: Space-Force-Verträge auf 17 Milliarden aufgestockt
Rocket Lab positioniert sich mit Iridium-Übernahme im L-Band-Spektrum, während politischer Rückenwind und Rekordaufträge die langfristigen Aussichten stützen.

- Iridium-Deal ohne Starlink-Konfrontation
- Rekordaufträge und Milliarden-Backlog
- Aktie trotz positiver Nachrichten gefallen
- Neutron-Erststart als entscheidender Meilenstein
Peter Beck hat sich am Freitag zu Wort gemeldet, um Bedenken zu zerstreuen. Der geplante Acht-Milliarden-Dollar-Deal für Iridium solle Starlink nicht direkt herausfordern, sagte der Rocket-Lab-Chef – stattdessen gehe es um etwas, „das es so noch nicht gegeben hat“.
Für mich klingt das nach einer Beruhigungspille für Anleger, die sich fragen, ob Rocket Lab sich mit der Übernahme finanziell übernimmt. Die Botschaft ist klar: Kein Frontalangriff auf Elon Musks Satellitenimperium, sondern ein eigener Weg über das L-Band-Spektrum von Iridium, das wetterfeste und gebäudedurchdringende Dienste ermöglichen soll.
Unterm Strich ist das genau die Art von Differenzierung, die Rocket Lab braucht. Wer im Schatten von SpaceX operiert – und das tut praktisch jeder in der Branche –, muss eine eigene Nische finden. Die Ankündigung fällt zudem in eine Woche, in der die politische Großwetterlage für die gesamte US-Raumfahrtindustrie günstiger kaum sein könnte.
Politischer Rückenwind, aber Kurs bleibt skeptisch
Am Freitag unterzeichnete das Weiße Haus ein neues nationales Raumfahrt-Memorandum mit dem Ziel, bis 2030 mehr als 1.000 US-Starts pro Jahr zu ermöglichen – die erste grundlegende Überarbeitung der Politik seit 2013. Die Space Force hat parallel ihre Phase-3-Lane-1-Verträge um 11,4 Milliarden Dollar auf 17 Milliarden Dollar aufgestockt. Das ist ein strukturelles Signal, kein einmaliger Ausreißer: Der Staat baut seine Nachfrage nach kommerziellen Startkapazitäten massiv aus, und Rocket Lab sitzt mit seinen Verträgen mitten in dieser Entwicklung.
Konkret hat das Unternehmen zuletzt einen Rekordauftrag der Space Force über 266 Millionen Dollar für rund zwölf suborbitale Starts erhalten, dazu einen 190-Millionen-Dollar-Pentagon-Vertrag für Hyperschalltests und ist Teil des NITE-STAR-Programms mit einem Volumen von 981 Millionen Dollar.
Das Backlog liegt bei 2,36 Milliarden Dollar, der Quartalsumsatz bei 234 Millionen Dollar – ein Rekordwert für das Unternehmen. Am Mittwoch startete zudem die 93. Electron-Mission, diesmal mit einem SAR-Satelliten für den japanischen Kunden QPS.
Trotz dieser Nachrichtendichte hat die Aktie in den vergangenen sieben Tagen zehn Prozent verloren und notiert bei 62,40 Euro rund 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Der RSI von 42 signalisiert keine Überverkauftheit, sondern eher Orientierungslosigkeit. Für mich ist das ein Widerspruch, der zum Nachdenken zwingt: Warum bewegt sich der Kurs so gegenläufig zur fundamentalen Newsflut?
Warum die Lücke zwischen Nachrichten und Kurs mich nicht überrascht
Ein Blick auf die Zahlen liefert die Antwort. Der freie Cashflow im zweiten Quartal war mit minus 110,1 Millionen Dollar deutlich negativ. Die Iridium-Übernahme, so vielversprechend sie strategisch klingen mag, bindet Kapital und schließt erst Mitte 2027 ab – ein langer Zeitraum, in dem sich viel ändern kann.
Und der für das vierte Quartal geplante Erststart der Neutron-Rakete bleibt der eigentliche Prüfstein: Solange dieser Meilenstein nicht erreicht ist, bleibt jede Wachstumsstory Theorie.
Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck. SpaceX dominierte 2025 mit 85 Prozent aller US-Orbitalstarts, testet inzwischen bereits alle sechs Raptor-3-Triebwerke seines Starship-Oberstufenschiffs für den ersten Orbitalflug. Auch chinesische Anbieter wie Landspace holen mit wiederverwendbaren Boostern auf. Rocket Lab bewegt sich also in einem Feld, das sich rasant professionalisiert – der politische Rückenwind hilft allen Playern, nicht nur Rocket Lab.
Die hohe Volatilität von 78 Prozent auf Jahresbasis und ein Short-Interest von 8,65 Prozent des Streubesitzes zeigen: Der Markt ist gespalten. Auf der einen Seite stehen Hedgefonds wie Marshall Wace, die ihre Position massiv – um über 1.200 Prozent – aufgestockt haben. Auf der anderen Seite bleibt eine beträchtliche Zahl von Investoren skeptisch positioniert.
Mein Fazit: Die Auftragslage und der politische Rückenwind sprechen für das langfristige Potenzial von Rocket Lab. Die kurzfristige Kursschwäche halte ich aber für nachvollziehbar, solange der negative Cashflow anhält und der Neutron-Erststart noch aussteht. Bis dieser Beweis erbracht ist, dürfte die Aktie eher ein Spielfeld für Spekulation als für Überzeugung bleiben.
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