Rocket Lab Aktie: SpaceX fordert Iridium-Prüfung

Rocket Lab meldet starkes Wachstum und neue Aufträge, während SpaceX den Iridium-Deal prüfen lässt und die Aktie deutlich nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • SpaceX fordert genauere FCC-Prüfung
  • 94. Electron-Mission erfolgreich gestartet
  • Umsatz steigt im zweiten Quartal
  • Aktie verliert seit Mai fast sechzig Prozent

Es gibt eine besondere Ironie im Raumfahrtgeschäft: Wer am lautesten „Wettbewerb“ ruft, meint oft genau das Gegenteil. SpaceX hat sich vergangene Woche an die US-Regulierungsbehörde FCC gewandt und verlangt, Iridiums Geschäftspraktiken im Zuge der geprüften Rocket-Lab-Übernahme genauer zu untersuchen.

Die Begründung: Iridium habe eine „wohldokumentierte Geschichte wettbewerbsfeindlicher Angriffe gegen Konkurrenten und amerikanische Verbraucher“, die wie eine Wolke über der Transaktion hänge. Klingt nach Verbraucherschutz. Ist aber vor allem ein Baustein im großen Ringen um die Vorherrschaft im All.

Für Rocket-Lab-Aktionäre ist das keine akademische Frage. Die Übernahme von Iridium Communications für rund 8 Milliarden Dollar, zur Hälfte in bar, zur Hälfte in Aktien, sieht einen variablen Umtauschkurs vor: Wie viele Rocket-Lab-Aktien die Iridium-Anteilseigner am Ende erhalten, hängt vom durchschnittlichen Rocket-Lab-Kurs kurz vor Vollzug ab.

Jede Verzögerung durch regulatorisches Geplänkel, jede Schwäche der Aktie wirkt sich damit unmittelbar auf die Konditionen des größten Deals der Firmengeschichte aus. Regulierung und Kursverlauf füttern sich gegenseitig – ein Mechanismus, der Anleger in den kommenden Monaten begleiten wird.

Ein Geschäft, das trotz allem läuft

Während sich Juristen und Lobbyisten um die Übernahme streiten, dreht sich das operative Geschäft weiter, fast trotzig. Am Mittwoch startete die 94. Electron-Rakete von der neuseeländischen Startrampe Launch Complex 1 und brachte einen weiteren Erdbeobachtungssatelliten für den japanischen Kunden Synspective ins All – bereits die 15. Mission des Jahres.

Dazu kommen frische Aufträge vom US-Space Force: ein Platz im „Space Data Network Consortium“ mit ersten Bestellungen über 12 Millionen Dollar, sowie die Aufnahme in das milliardenschwere IDIQ-Rahmenprogramm NITE-STAR. Viasat wählte Rocket Lab zudem als Lieferant für einen Satellitenbus im Rahmen eines Militärprogramms.

Diese Nachrichtenflut zeigt, wie breit sich Rocket Lab inzwischen aufgestellt hat – vom kleinen Trägerraketen-Anbieter zum Systemhaus, das Behörden, Militär und kommerzielle Betreiber gleichermaßen bedient.

Genau diese Diversifikation ist das eigentliche strategische Argument für die Iridium-Übernahme: Ein Satellitenbetreiber mit 66 aktiven L-Band-Satelliten und rund 2,55 Millionen Abonnenten würde Rocket Lab aus der reinen Trägerraketen-Rolle heraus in ein integriertes Raumfahrt- und Kommunikationsunternehmen verwandeln.

Zahlen, die den Übergang stützen – und Manager, die verkaufen

Die Bilanz zum zweiten Quartal lieferte dafür durchaus Rückenwind: 234 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ein Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar, mehr als verdoppelt binnen eines Jahres. Der operative Verlust fiel mit 8,8 Millionen Dollar deutlich geringer aus als die eigene Prognose. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar in Aussicht.

Auffällig ist trotzdem, dass mehrere Führungskräfte in den vergangenen Wochen Aktien verkauft haben – Betriebschef Frank Klein, Chefjustiziar Arjun Kampani und Präsident Marvin Bradford Clevenger, größtenteils im Rahmen vorab festgelegter Handelspläne oder zur Deckung von Steuerpflichten aus vestenden Aktienpaketen.

Solche automatisierten Verkäufe sind für sich kein Alarmsignal, doch sie fallen in eine Phase, in der Rocket Lab parallel ein rund 1,94 Milliarden Dollar schweres Aktienprogramm aufgesetzt hat, um den Bar-Anteil der Iridium-Übernahme zu finanzieren und die zugesagte Brückenfinanzierung von 3,6 Milliarden Dollar zu reduzieren – zusätzliches Angebot an Aktien, das auf den Kurs drücken kann.

Am Kapitalmarkt zeigt sich diese Gemengelage in nervöser Bewegung: Seit dem Hoch im Mai hat die Aktie fast sechzig Prozent verloren, notiert klar unter allen gängigen gleitenden Durchschnitten, der Relative-Stärke-Index deutet mit rund 35 auf eine überverkaufte Lage hin.

Die geplante Sonderaktionärsversammlung von Iridium am 24. September wird zeigen, ob die Anteilseigner des Übernahmeziels dem Deal zustimmen – ein Termin, den der Markt vermutlich genauer beobachten wird als jede einzelne Electron-Mission.

Bank of America senkte am 1. September ihr Kursziel von 115 auf 110 Dollar, beließ die Kaufempfehlung aber unverändert – ein Hinweis darauf, dass die fundamentale Wachstumsstory intakt bleibt, auch wenn der Weg zur Iridium-Integration steiniger wird als erhofft.

Wer auf die kommenden Monate blickt, sollte weniger auf einzelne Raketenstarts schauen als auf die Frage, wie schnell sich die regulatorische Wolke über dem größten Deal der Firmengeschichte lichtet.

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