Rocket Lab Aktie: Wartet der Markt auf den dritten Fehlschlag?

Rocket Lab-Aktie fällt nach erneuter Neutron-Verschiebung um 36 Prozent. Analysten sehen trotzdem Potenzial, während der Markt auf den Q2-Bericht wartet.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert 36 Prozent in 30 Tagen
  • Neutron-Erstflug erneut verschoben
  • Auftragsbuch wächst auf 2,2 Milliarden Dollar
  • Q2-Zahlen am 10. August erwartet

Rocket Lab schloss am Freitag bei 56,30 Euro. Das ist ein Minus von 36 Prozent binnen 30 Tagen — trotz eines Zwölf-Monats-Plus von knapp 40 Prozent. Der Grund für den Absturz sitzt nicht in der Bilanz, sondern in der Fabrikhalle: Der Erstflug der Neutron-Rakete verschiebt sich zum zweiten Mal.

Die Ausgangslage: Ein Programm, das nicht in die Luft kommt

Ursprünglich sollte Neutron Ende 2025 abheben. Dann wurde daraus das erste Quartal 2026. Nach einem Hardware-Defekt heißt das neue Ziel nun: frühestens viertes Quartal 2026.

Seither arbeitet Rocket Lab an der Qualifikation weiter. Vor Kurzem absolvierte das Unternehmen einen vollständigen Brenntest des Archimedes-Triebwerks für die zweite Stufe. Die Vakuum-Version liefert etwa das 1,2-Fache des Schubs der Erststufen-Variante auf Meereshöhe — ein technischer Fortschritt, der die Ingenieure zuversichtlich stimmt. Am offiziellen Zeitplan für das vierte Quartal 2026 hält das Unternehmen fest. Nur: Dieses Ziel ist bislang eine Ansage, keine Tatsache. Zweimal ist es schon gerissen.

Die entscheidende Frage: Hält der Termin diesmal?

Für den Kurs zählt im Moment nur eines: Erreicht Neutron die Startrampe im vierten Quartal, oder gibt es einen dritten Rückschlag? Der erfolgreiche Triebwerkstest ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Trotzdem hatte das Programm im Jahresverlauf bereits Rückschläge, darunter den Verlust von Bauteilen, die eigentlich für den ersten Flug vorgesehen waren.

Der scharfe 30-Tage-Einbruch der Aktie zeigt: Der Markt preist inzwischen erhebliche Unsicherheit über diesen Zeitplan ein.

Das bullische Szenario: Auftragsbuch wächst, auch ohne Erstflug

Wer an die Aktie glaubt, verweist auf ein Auftragsbuch, das sich füllt, obwohl Neutron noch nie geflogen ist. Im ersten Quartal 2026 unterschrieb Rocket Lab 36 neue Launch-Verträge — 31 für Electron und HASTE, fünf direkt für Neutron. Bemerkenswert ist der Kontrast: Fünf kommerzielle Neutron-Missionen stehen im Buch, während öffentliche Details zum Hardware-Status seit Januar rar bleiben.

Finanziell steht der Konzern solide da. Zum Ende des ersten Quartals meldete Rocket Lab einen Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar und mehr als 2 Milliarden Dollar an verfügbarer Liquidität. Das verschafft Spielraum für die zusätzliche Qualifikationsarbeit, die Firmengründer Peter Beck vor dem Start noch für nötig hält.

Electron liefert unterdessen ab: Die kleinere Trägerrakete verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 eine Rekordserie an Starts, was Umsatz und Auftragseingang deutlich antreibt — während Neutron weiter auf seinen verzögerten Erstflug zusteuert. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 99,22 Euro. Das entspräche einem Aufschlag von über 76 Prozent zum aktuellen Niveau, wenngleich solche Ziele Erwartungen widerspiegeln und keine Garantie sind.

Das bärische Szenario: Zwei Verzögerungen sind bereits Realität

Das Gegenargument braucht keine Spekulation. Es ist bereits eingetreten — zweimal. Ein Tank-Defekt im Januar kostete das Unternehmen das verbliebene Zeitfenster für Anfang 2026.

Terminverschiebungen sind in der Raumfahrtbranche kein Einzelfall. Auch Falcon 9, New Glenn, Vulcan und Ariane 6 flogen alle später als ursprünglich geplant. Das nimmt Rocket Lab jedoch nicht das unternehmensspezifische Risiko: Strukturprobleme, Antriebsdefekte oder Lieferkettenengpässe während der Qualifikationstests sind bei neuen Trägerraketen die Regel, nicht die Ausnahme. Eine dritte Verzögerung — oder ein gescheiterter Erstflug — dürfte die Stimmung weiter belasten, die sich bereits im Absturz von einstigen 133,80 Euro auf aktuell 56,30 Euro zeigt.

Der Wettbewerbsdruck kommt hinzu. Rocket Lab positioniert Neutron als Alternative zur Falcon 9, die 2025 allein 165 Mal startete — sechsmal mehr als sämtliche anderen US-Anbieter zusammen. Ein Branchenanalyst brachte es auf den Punkt: Neutron konkurriere „mit vermutlich der erfolgreichsten Trägerrakete aller Zeiten“.

Ausblick: Zwei Termine entscheiden über die nächsten Wochen

Solange die Qualifikation ohne neuen strukturellen oder antriebstechnischen Rückschlag voranschreitet, dürfte das bullische Szenario aus wachsendem Auftragsbuch und solider Liquidität Rückhalt finden. Kommt es dagegen zu einer dritten Verschiebung — insbesondere wegen eines neuen Hardware-Defekts statt reiner Testvorsicht —, könnte sich die charttechnische Schwäche unter den gleitenden Durchschnitten weiter verschärfen.

Der nächste konkrete Prüfstein kommt schnell: Rocket Lab meldet seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am Montag, den 10. August, nach Börsenschluss. Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von rund 17 Prozent in beide Richtungen ein — deutlich mehr als der durchschnittliche Ausschlag von 10,4 Prozent nach den vergangenen vier Quartalsberichten. Über den Bericht hinaus bleibt das vierte Quartal 2026 der eigentliche Fixpunkt. Jeder Kommentar zum Qualifikationsfortschritt beim Earnings Call dürfte maßgeblich mitbestimmen, wie der Markt die Risikoprämie der Aktie künftig bewertet.

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