Rocket Lab vor der Iridium-Abstimmung: Wird der SpaceX-Einwand zum Stolperstein?
Rocket Lab meldet neue Aufträge, doch SpaceX’ FCC-Antrag belastet den geplanten Iridium-Deal und erhöht die Unsicherheit vor der Abstimmung.

- 397-Millionen-Dollar-Auftrag der US Space Force
- SpaceX beantragt FCC-Prüfung des Iridium-Prozesses
- Aktionärsvotum für 24. September angesetzt
- Neutron-Pad-Lieferung im vierten Quartal 2026
Ausgangslage: Sieben schwache Wochen, ein wachsendes Auftragsbuch
Rocket Lab durchlebt eine ungewöhnliche Phase: Operativ läuft es rund, an der Börse nicht. Die Aktie notiert bei 57,40 Euro und damit rund 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 67,86 Euro – ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend seit Wochen nach unten zeigt.
Zugleich meldete das Unternehmen binnen weniger Tage einen Vertrag mit der US Space Force über 397 Millionen Dollar für ein Satellitennetz zur Luft- und Raketenverfolgung, einen erfolgreichen Start für den japanischen Radarsatellitenbetreiber iQPS und die termingerechte Durchführung der Mission „Victus Haze“ binnen weniger als 17 Stunden nach Benachrichtigung.
Die Schere zwischen operativer Nachrichtenlage und Kursverlauf ist damit weit geöffnet – und sie schließt sich erst, wenn Anleger eine offene Frage beantwortet sehen.
Die entscheidende Frage: Kippt SpaceX die Iridium-Übernahme?
Im Zentrum steht die geplante Übernahme von Iridium mit einem Enterprise Value von 8,1 Milliarden Dollar und einem Eigenkapitalwert von 6 Milliarden Dollar.
SpaceX hat nun bei der US-Regulierungsbehörde FCC eine Prüfung des Verhaltens von Iridium im Übernahmeprozess beantragt. Das ist noch keine Blockade, aber ein ernstzunehmender regulatorischer Einwand, der Unsicherheit in die für den 24. September angesetzte Aktionärsabstimmung trägt.
Für Rocket Lab hängt an dieser Transaktion viel: Sie würde das Unternehmen von einem reinen Launch- und Satellitenanbieter zu einem Betreiber mit etablierter Konstellation machen. Ob die Abstimmung wie geplant stattfindet und ohne regulatorische Verzögerung zum Abschluss kommt, ist damit die Kennzahl, an der sich in den kommenden Wochen entscheidet, ob der Kurs seine Talfahrt beendet.
Bullisches Szenario: Diversifizierung trägt, Neutron liefert
Sollte die FCC-Prüfung ohne Verzögerung verlaufen und die Aktionäre im September zustimmen, hätte Rocket Lab einen strategischen Sprung geschafft – parallel zu einer soliden Auftragslage im bestehenden Geschäft. Der neue Space-Force-Vertrag über 397 Millionen Dollar zeigt, dass das Unternehmen neben SpaceX als zweite verlässliche Option für nationale Sicherheitsmissionen wahrgenommen wird.
Gleichzeitig nähert sich die Neutron-Rakete einem wichtigen Meilenstein: Die „Hungry Hippo“-Fairing ist am Wallops Island eingetroffen, die Fairing-Tests sind abgeschlossen, und die Auslieferung an das Startpad soll im vierten Quartal 2026 erfolgen.
Das Archimedes-Triebwerk mit 1,5 Millionen Pfund Schub soll der Neutron eine Nutzlastkapazität von 13.000 Kilogramm verschaffen – ein Sprung, der Rocket Lab technisch näher an SpaceX heranrücken würde. Mit dem tragbaren Startsystem GHOST für Electron und HASTE zeigt das Unternehmen zudem, dass es sein bestehendes Kerngeschäft weiter ausbaut, während Neutron noch in der Entwicklung steckt.
Bärisches Szenario: Regulatorische Verzögerung und Ausführungsdruck
Der SpaceX-Einwand bei der FCC ist kein Randdetail. Wird die Übernahme verzögert oder gar in Frage gestellt, verpufft ein zentraler Wachstumshebel, auf den Investoren seit Wochen setzen. Hinzu kommt operativer Druck: Der iQPS-Start für QPS-SAR-13 verzögerte sich um über einen Monat gegenüber der ursprünglichen Planung, und das Neutron-Debüt wurde bereits mehrfach verschoben, zuletzt auf die erste Jahreshälfte 2026 nach einer Tankruptur im Januar.
Solche Verzögerungen nähren Zweifel, ob Rocket Lab seine ambitionierten Zeitpläne halten kann, während der Aktienkurs bereits unter Druck steht: Mit einem RSI von 37 und einem Abstand von 57 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro zeigt sich, dass der Markt Wachstumsversprechen derzeit skeptisch beäugt. Jede weitere Verzögerung bei Iridium oder Neutron dürfte diese Skepsis verstärken.
Ausblick: Der 24. September als Weichenstellung
Solange die FCC-Prüfung nicht zu einer formellen Verzögerung des Iridium-Deals führt, bleibt das Bild für Rocket Lab intakt: ein Unternehmen mit breiter werdendem Auftragsportfolio bei Militär und kommerziellen Kunden, das zusätzlich auf einen transformativen Zukauf hofft.
Kippt der SpaceX-Einwand jedoch in eine handfeste regulatorische Hürde, droht die Aktionärsabstimmung am 24. September verschoben zu werden oder gar zu scheitern – ein Szenario, das die Wachstumsstory empfindlich träfe. Anleger sollten deshalb zwei Termine im Blick behalten: die Entscheidung der FCC zum Antrag von SpaceX und die Abstimmung selbst.
Parallel bleibt der Fortschritt der Neutron-Rakete, deren für das vierte Quartal 2026 geplante Pad-Lieferung als nächster technischer Meilenstein gilt, ein wichtiger Indikator dafür, ob Rocket Lab sein operatives Versprechen tatsächlich einlöst.
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