Rüstungsaktien: DroneShield und Red Cat trotz Rekordzahlen unter Druck

Trotz Rekordumsätzen und Millionenaufträgen brechen die Kurse von DroneShield und Red Cat ein. Renk und Kratos zeigen sich stabiler.

Die Kernpunkte:
  • DroneShield mit Rekordumsatz, Kurs stürzt ab
  • Renk gelingt milliardenschwere Refinanzierung
  • Red Cat: Technikfortschritt trifft auf Führungskrise
  • Kratos erhält Aufträge über 500 Millionen Dollar

Rekordumsätze, neue Millionenaufträge und eine grundsanierte Bilanz – der Rüstungssektor hat in diesen Tagen operativ einiges zu bieten. Die Kursreaktionen fallen trotzdem alles andere als einheitlich aus. Während sich Renk und Kratos Defense stabilisieren, geraten DroneShield, Red Cat und Electro Optic Systems Holdings unter Verkaufsdruck. Ein Widerspruch, der zeigt, wie unterschiedlich der Markt operative Erfolge derzeit belohnt.

DroneShield: Rekordauftrag verpufft, Kurs fällt weiter

DroneShield sicherte sich neue europäische Militäraufträge im Volumen von 23,2 Millionen australischen Dollar und meldete vorläufige Erlöse für das erste Halbjahr 2026 von 125,8 Millionen australischen Dollar – ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel stellte das Unternehmen RfAI-3 vor, die dritte Generation seiner Funkaufklärungstechnologie.

Für das Gesamtjahr rechnet DroneShield nun mit Erlösen zwischen 250 und 270 Millionen australischen Dollar, ein Zuwachs von 15 bis 25 Prozent gegenüber dem bereits rekordstarken Jahr 2025. Der neue CEO Angus Bean verwies darauf, dass das bereits gesicherte Umsatzvolumen für das laufende Jahr nahezu an das gesamte Vorjahresergebnis heranreicht.

Etwas getrübt wird das Bild durch die Marge: Sie dürfte im ersten Halbjahr bei rund 60 Prozent liegen, nach 65 Prozent im Vorjahr. Verantwortlich dafür sind der Produktmix zwischen Eigenentwicklungen und Fremdhardware, Wechselkurseffekte und Abschreibungen im Zuge des Umzugs in eine neue Produktionsstätte.

An der Börse kam von den Rekordzahlen wenig an: Die Aktie brach heute um 11,18 Prozent auf 1,14 Euro ein. Auf Wochensicht steht ein Minus von 14,31 Prozent, auf Monatssicht von 22,78 Prozent – seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als ein Drittel verbilligt. Der RSI von 27 signalisiert eine deutlich überverkaufte Aktie, die sich nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief bei 0,82 Euro bewegt, vom Hoch bei 3,65 Euro aus dem Oktober aber weit entfernt bleibt. Fünf von Analysten befragte Experten bewerten den Titel im Schnitt mit „Kaufen“ und einem Kursziel von 3,58 Dollar, wobei die Schätzungen von 2,05 bis deutlich darüber streuen.

Renk: Refinanzierung beseitigt altes Störfeuer

Renk hat seine Finanzierungsstruktur neu aufgestellt und die bisherigen syndizierten Kreditverträge durch ein unbesichertes Paket über 1,05 Milliarden Euro ersetzt. Es setzt sich aus einem langfristigen syndizierten Kredit über 450 Millionen Euro, einer revolvierenden Kreditlinie über 225 Millionen Euro und einer Garantielinie über 375 Millionen Euro zusammen.

CFO Anja Mänz-Siebje bezeichnete die erfolgreiche Refinanzierung als klares Signal dafür, dass der Kapitalmarkt die strategische Stärke und den Wachstumspfad des Unternehmens anerkennt. Entscheidend ist vor allem eines: Die frühere, aus dem Leverage-Buyout stammende Finanzierungsstruktur mit Sicherheitenkonzept entfällt – Renk gewinnt dadurch unternehmerische Freiheit und kann strategische Entscheidungen künftig unabhängiger von Kreditgebern treffen.

Die Aktie honorierte den Schritt: Der Kurs legte heute um 0,76 Prozent auf 47,65 Euro zu und hat sich binnen einer Woche bereits um 6,89 Prozent verteuert. Auf Monatssicht steht ein Plus von 10,73 Prozent, wenngleich der Titel seit Jahresbeginn noch immer 11,69 Prozent im Minus liegt. Der RSI von 58,3 zeigt weder eine über- noch eine unterkaufte Situation. Acht Analysten sehen im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 69,75 Euro – gestützt auch durch den nach eigenen Angaben besten Jahresstart beim Auftragseingang in der Firmengeschichte.

Red Cat: Technologiefortschritt trifft auf Führungskrise

Red Cat hat die Integration seines kleinen Drohnensystems Black Widow mit dem taktischen Feuerleitnetzwerk von C3A Solutions abgeschlossen. Black Widow soll künftig als vorgeschobener ISR-Sensor fungieren und Aufklärungsdaten direkt in taktische Feuerleit-Workflows einspeisen. Vizepräsident Jason Gunter betonte, der Vorteil auf dem modernen Gefechtsfeld hänge davon ab, wie schnell Erkenntnisse von der Detektion zur Entscheidung gelangen.

Dem technologischen Fortschritt steht personelle Unruhe gegenüber. Der Vorstand entschied am 17. Juli, Chief Revenue Officer Geoffrey Hitchcock zu entlassen – kurz darauf folgte eine zivilrechtliche Klage, zusätzlich läuft ein separater Rechtsstreit um mutmaßliche Vergeltungsmaßnahmen gegen eine Führungskraft.

Finanziell bleibt Red Cat ein Unternehmen im Umbau: Bei einer Marktbewertung von rund 1,6 Milliarden Dollar wächst der Umsatz von einem niedrigen Niveau aus rasant, operativ schreibt das Unternehmen aber weiterhin deutliche Verluste. Der Aktienkurs spiegelt diese Unsicherheit: Heute ging es um 1,07 Prozent auf 6,76 Euro nach unten, binnen einer Woche beträgt das Minus 10,27 Prozent. Auf Monatssicht hat sich der Kurs um 25,09 Prozent verbilligt, während seit Jahresanfang noch ein leichtes Plus von 0,88 Prozent steht. Der RSI von 38,3 deutet auf nachlassenden Verkaufsdruck hin. Sechs Analysten sehen im Konsens ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 22 Dollar, Northland Securities bestätigte zuletzt seine Kaufempfehlung.

Electro Optic Systems: Auftragsbestand auf Rekordniveau, Kurs bricht ein

Der Auftragsbestand von Electro Optic Systems kletterte zum 30. Juni 2026 auf umgerechnet rund 846 Millionen australische Dollar – ein Plus von 84 Prozent gegenüber Ende 2025 und der höchste Wert in der Firmengeschichte. Liquide Mittel und ungenutzte Kreditlinien summieren sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag an verfügbarer Finanzierung.

Das Unternehmen hob seine Umsatzprognose auf 280 bis 300 Millionen australische Dollar an, nachdem der Umsatz im ersten Halbjahr um 284 Prozent auf rund 169 Millionen australische Dollar gesprungen war. Getragen wurde das Wachstum von einer breiten Auftragswelle: einem rund 175 Millionen Dollar schweren Vertrag für das Counter-Drone-System Slinger, weiteren Aufträgen über die neu übernommene MARSS-Sparte sowie der Auswahl des Kommandosystems NiDAR durch BAE Systems für dessen neue Counter-Drone-Plattform BATS.

An der Börse kam die Rekordmeldung trotzdem nicht gut an: Die Aktie fiel heute um 6,63 Prozent auf 4,24 Euro, nach 4,54 Euro am Vortag. Auf Monatssicht steht ein Minus von 27,44 Prozent, der RSI von 35,9 deutet auf beginnende Überverkauftheit hin – ein weiteres Beispiel dafür, wie stark sich Auftragslage und Kursreaktion im Sektor derzeit auseinanderbewegen.

Kratos Defense: Auftragsserie hält an, Analysten uneins beim Kursziel

Kratos hat die Entwicklung, Erprobung und Auslieferung von Turbomaschinen für das fortschrittliche Ramjet-Antriebssystem von Lockheed Martin abgeschlossen – ein weiterer Baustein in einer Serie von Vertragsgewinnen, die den Sommer des Unternehmens geprägt hat. Erst kurz zuvor hatte Kratos einen Auftrag über 156 Millionen Dollar für mobile Anti-Drohnen-Systeme eingefahren. In Summe kommen die jüngsten Programmvergaben auf rund 500 Millionen Dollar, verteilt über Antriebstechnik, Raumfahrtüberwachung und Hyperschall. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 stehen am 4. August an.

Der Kurs pendelte heute mit 43,46 Euro nahezu unverändert, hat sich binnen einer Woche aber um 2,61 Prozent und binnen eines Monats um 5,75 Prozent erholt. Vom 200-Tage-Durchschnitt bei 64,71 Euro bleibt die Aktie mit einem Abstand von 32,83 Prozent trotzdem weit entfernt – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erholung erst einen kleinen Teil der vorherigen Verluste wettgemacht hat.

Die Analystengemeinde bleibt trotz gemischter Kurszielanpassungen mehrheitlich optimistisch: Von 21 Analysten rät die deutliche Mehrheit zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 109,33 Dollar. Goldman Sachs senkte sein Kursziel zuletzt von 100 auf 89 Dollar, während Wedbush die Coverage mit der Einstufung „Outperform“ und einem Kursziel von 85 Dollar aufnahm und Kratos als freien Rüstungszulieferer für den gesamten US-Verteidigungskomplex bezeichnete.

Sektordynamik: Drei Geschichten, ein Zyklus

Die fünf Werte lassen sich derzeit in drei Erzählstränge einordnen, die alle auf denselben Verteidigungsausgaben-Zyklus zurückgehen:

  • Bilanzstärkung: EOS und Renk nutzen die aktuelle Nachfragephase, um ihre finanzielle Basis zu festigen – EOS über den Rekord-Auftragsbestand, Renk über die Refinanzierung mit längeren Laufzeiten und mehr Flexibilität.
  • Momentum durch Vertragsserien: Kratos übersetzt eine Welle von Aufträgen in Antriebstechnik, Raumfahrt und Anti-Drohnen-Systemen in das, was Analysten als stabile Umsatzsichtbarkeit werten – auch wenn einzelne Kursziele aus Bewertungsgründen gekappt werden.
  • Ausführungslücke: DroneShield und Red Cat zeigen, dass starke operative Kennzahlen nicht automatisch Kursunterstützung bedeuten. Bei DroneShield überwog die Enttäuschung über die Auftragsgröße, bei Red Cat konkurriert der technologische Fortschritt mit einer Führungskrise.

Auffällig ist ein gemeinsamer Nenner: In allen fünf Fällen wachsen Auftragsbücher schneller als die tatsächliche Umsatzrealisierung. Das belohnt Geduld, erhöht aber gleichzeitig den Druck, die anstehenden Quartalsberichte – Kratos am 4. August, Renk am 6. August – mit belastbaren Zahlen zu unterlegen.

Rüstungsaktien vor der nächsten Bewährungsprobe

Die kommenden Wochen bündeln mehrere Katalysatoren. Kratos legt am 4. August Quartalszahlen vor, Renk folgt am 6. August – beide Termine zeigen, ob sich Vertragsmomentum und Refinanzierungserfolg tatsächlich in harten Zahlen niederschlagen. Electro Optic Systems hat für August eine aktualisierte Umsatzprognose für die MARSS-Sparte angekündigt, die angesichts ihres hohen Anteils am aktuellen Auftragsbestand genau beobachtet werden dürfte. Bei DroneShield und Red Cat rückt vor allem die Frage in den Fokus, ob Hardware-Lieferungen und neue Plattformintegrationen die Stimmung drehen können, die sich zuletzt von den eigentlichen Auftragsmeldungen abgekoppelt hat. Die strukturelle Nachfrage aus Europa und dem NATO-Raum bleibt für alle fünf Werte intakt – wie stark sie sich in den einzelnen Kursen niederschlägt, entscheidet sich jedoch von Fall zu Fall.

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