Rüstungsaktien im Härtetest: DroneShield erholt sich, OHB bleibt gefangen

Verteidigungsaktien zeigen uneinheitliche Entwicklung: DroneShield legt kräftig zu, OHB leidet trotz Milliardenaufträgen unter charttechnischer Schwäche.

Die Kernpunkte:
  • DroneShield springt um 7 Prozent
  • OHB trotz SDAX-Aufnahme schwach
  • Renk profitiert von Übernahmegerüchten
  • Vincorion meldet Rekordauftragsbestand

Ein Kurssprung hier, ein zäher Abwärtstrend dort: Die Verteidigungsbranche zeigt diese Woche ihr ganzes Spektrum. Während Short-Seller bei DroneShield das Nachsehen haben, kämpft OHB trotz milliardenschwerer Aufträge weiter mit dem eigenen Chart. Renk sorgt derweil mit Übernahmefantasie für Schlagzeilen, Vincorion liefert still und leise Rekordzahlen.

DroneShield: Kräftige Erholung bringt Leerverkäufer in Bedrängnis

Die DroneShield-Aktie legte einen der stärksten Sprünge im gesamten Sektor hin. Das Papier kostet aktuell 1,22 Euro, ein Plus von 7,06 Prozent zum Vortag. Im 24-Stunden-Vergleich stand sogar ein Anstieg von 8,34 Prozent zu Buche. Der Erholung ging eine schmerzhafte Phase voraus— seit Ausbildung eines bärischen Musters hatte die Aktie zuvor mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Operativ wächst der australische Spezialist für Drohnenabwehr weiterhin rasant. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte DroneShield einen Umsatz von 216,55 Millionen australischen Dollar— ein Plus von 276 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Halbjahreszahlen bestätigten den Trend: Der Umsatz kletterte um 74 Prozent, wiederkehrende Erlöse sogar um 229 Prozent.

Unter dem Strich stand dennoch ein Verlust von 32,2 Millionen australischen Dollar, nach einem Gewinn im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür sind massive Investitionen in Expansion, Personal und neue Produkte, die sich in einem negativen EBITDA niederschlagen. Die Kassenlage bleibt mit 180 Millionen australischen Dollar komfortabel, das Unternehmen ist schuldenfrei und hat mittlerweile über 4.000 softwaregestützte Systeme im Feldeinsatz.

Produktseitig sorgte der Start des neuen RfRecon-Systems für Rückenwind— es erweitert die Funkaufklärung im Bereich Drohnenabwehr und ist Teil einer Pipeline weiterer Neuheiten, die ab der zweiten Jahreshälfte 2026 bis 2027 folgen sollen. Bei einem für 2026 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 69 bleibt die Bewertung ambitioniert. Die Analystenmeinungen gehen entsprechend auseinander: Jefferies hält an seiner Verkaufsempfehlung fest, während Bell Potter bei „Kaufen“ bleibt. Belastend wirkt zudem eine noch laufende Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC zu Vorgängen aus dem November 2025.

OHB: Auftragsflut kann den Abwärtstrend nicht brechen

Bei OHB prallen positive Nachrichten regelrecht am Kurs ab. Die jüngste Aufnahme in den SDAX sorgte kurzzeitig für Käufe durch Indexfonds— ein Effekt, der sich allerdings als wenig nachhaltig erwies. Mitte August wurde zudem bekannt, dass das Unternehmen den Zuschlag für den Bau von 18 Satelliten für das EU-Programm Iris2 erhalten soll. Das Auftragsvolumen liegt bei rund einer Milliarde Euro, die ersten Satelliten sollen 2029 starten.

Die Rally hielt trotzdem nicht lange. Der Kurs hatte im Frühjahr bereits eine steile Aufwärtsbewegung hingelegt, bevor eine ebenso scharfe Korrektur folgte— verstärkt durch eine große Kapitalerhöhung. Sowohl die SDAX-Aufnahme als auch die Iris2-Nachricht beflügelten die Aktie nur kurz, ehe die Gewinne wieder abgegeben wurden. Ein Muster, das aufhorchen lässt.

Anfang August zeigte sich das Analystenlager größtenteils konstruktiv. Mehrere Häuser nahmen die Coverage neu auf und riefen Kursziele zwischen 250 und 360 Euro aus, während die Aktie zu diesem Zeitpunkt um die 250-Euro-Marke notierte. Goldman Sachs bezog dabei eine neutrale Position und verwies auf Bewertungsfragen sowie Ausführungsrisiken.

Nur wenige Tage zuvor hatte die italienische Tochter OHB Italia den Zuschlag für die Mission PRISMA Second Generation erhalten— ein Programm zur hyperspektralen Erdbeobachtung mit Start bis Ende 2031. Auf klassischer Basis bleibt die Bewertung dennoch extrem: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bewegt sich im vierstelligen Bereich, ein Spiegelbild des noch sehr geringen laufenden Nettogewinns im Verhältnis zur Marktkapitalisierung.

Renk: Übernahmefantasie trifft auf Rekord-Auftragsbücher

Kaum eine deutsche Rüstungsaktie war zuletzt so volatil wie Renk— getrieben nicht von bestätigten Deals, sondern von Spekulation. Am 19. August zählte die Aktie zu den auffälligsten Gewinnern am deutschen Markt, nachdem JPMorgan das Unternehmen als attraktives Übernahmeziel bezeichnet hatte. Zeitweise ging es um fast 4 Prozent nach oben.

Ein konkretes Angebot gibt es nicht. Die Aussicht auf weitere Konsolidierung in der Branche reicht Investoren derzeit aber offenbar aus, um zu spekulieren. JPMorgan-Analyst David Perry stellte gleichzeitig klar, dass kein greifbares Übernahmeangebot vorliege— Renk sei lediglich als Ziel für einen größeren Industriekonzern denkbar.

Das Analysehaus bestätigte sein Kursziel von 75 Euro bei einer „Overweight“-Einstufung, was bei einem Kurs von rund 51,68 Euro einem Aufwärtspotenzial von etwa 45 Prozent entspräche. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 5,1 Milliarden Euro.

Die Spekulation trifft auf ein operativ starkes Fundament. Der Auftragseingang legte im ersten Halbjahr um rund 30 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro zu, allein im zweiten Quartal wurde mit über 600 Millionen Euro ein historischer Höchstwert erreicht. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,9 zeigt: Renk nimmt fast doppelt so viele neue Aufträge herein, wie derzeit abgearbeitet werden können. Die bereinigte EBIT-Marge kletterte auf 15,4 Prozent.

Flankiert wird das operative Geschäft von der geplanten Übernahme des britischen Getriebespezialisten David Brown Defence sowie einer erfolgreich abgeschlossenen Refinanzierung über rund eine Milliarde Euro. Barclays stufte die Aktie kürzlich auf „Kaufen“ hoch, Deutsche Bank bestätigte ihr Kursziel von 73 Euro.

Vincorion: Auftragsbestand nähert sich 1,2 Milliarden Euro

Leiser als die Konkurrenz, aber operativ kaum zu schlagen: Vincorion hat sich zu einer der stärksten Geschichten im Sektor entwickelt. Allein im Juni verbuchte der Hersteller von Energie- und Mechatronik-Lösungen für Verteidigung und Luftfahrt einen Auftragseingang von über 100 Millionen Euro.

Zwei Großaufträge stachen dabei besonders hervor: ein Auftrag über 54 Millionen Euro für Stabilisierungssysteme für gepanzerte Fahrzeuge sowie ein weiterer über 20 Millionen Euro für Stromgeneratoren für bodengestützte Luftabwehrsysteme. Der Gesamtauftragsbestand ist damit auf rund 1,2 Milliarden Euro gestiegen.

Damit sind bereits mehr als 90 Prozent des für 2026 angepeilten Konzernumsatzes durch feste Verträge abgesichert— eine Planungssicherheit, von der viele Industrieunternehmen nur träumen können. Die Halbjahreszahlen untermauerten die Dynamik: Der Auftragseingang im zweiten Quartal stieg von 33,9 Millionen Euro im Vorjahr auf 180,8 Millionen Euro. Das Unternehmen bestätigte seine Jahresziele und peilt nun das obere Ende seiner Umsatzprognose zwischen 280 und 320 Millionen Euro an, bei einer operativen Marge von weiterhin 18 bis 19 Prozent.

Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 44,5 Prozent, das bereinigte EBIT stieg um mehr als ein Drittel. Berenberg reagierte mit einer Anhebung des Kursziels auf 27 Euro von zuvor 26 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Ein Risiko bleibt allerdings die Abhängigkeit von Verteidigungsbudgets und Exportgenehmigungen, auf die ein Großteil der Erlöse entfällt.

Red Cat: Zoll-Rückenwind trifft auf heftige Kursschwankungen

Nach einem starken Sommerlauf schwankt die Red-Cat-Aktie zuletzt kräftig. Ein Rücksetzer von 7 Prozent wird vor allem Gewinnmitnahmen zugeschrieben, während neue Zollentscheidungen die Stimmung gegenüber US-Drohnenherstellern grundsätzlich gestützt haben. Zuletzt pendelte der Kurs zwischen 9,00 und 9,23 US-Dollar, bei einem Handelsvolumen deutlich unter dem Tagesdurchschnitt.

Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 1,4 Milliarden US-Dollar. Vom bisherigen Jahreshoch von 18,78 US-Dollar ist die Aktie damit weit entfernt, das 52-Wochen-Tief liegt bei 5,77 US-Dollar.

Operativ bleibt das Unternehmen auf mehreren Feldern aktiv. Die Meeres-Sparte Blue Ops kündigte Mitte August eine Partnerschaft mit Havoc an, um autonome Steuerungssoftware über das gesamte Portfolio unbemannter Überwasserfahrzeuge zu integrieren— darunter auch das Modell Variant 7. Ziel ist die koordinierte Mehrfahrzeug-Operation für US-amerikanische und alliierte Verteidigungskunden. Wenige Tage zuvor hatte Red Cat bereits eine mehrjährige Partnerschaft mit dem Football-Team Washington Commanders bekanntgegeben, die das US-Militärumfeld unterstützen soll.

Finanziell überzeugt das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 527 Prozent im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr, begleitet von deutlich steigenden Bruttomargen. Northland Securities und Clear Street bestätigten jeweils ihre Kaufempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 18,33 US-Dollar, die Bandbreite reicht von 15 bis 25 US-Dollar— sechs Analysten empfehlen den Kauf, keiner rät zum Verkauf.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich ein florierender Verteidigungszyklus in Kursbewegungen niederschlagen kann:

  • DroneShield und Red Cat: kleinere Pure-Plays im Bereich Drohnen/Drohnenabwehr mit der höchsten Volatilität, getrieben von Leerverkäufer-Druck, Zollnachrichten und Margenausblicken bei gleichzeitig explosivem Umsatzwachstum
  • Vincorion: das Gegenstück— stetige Auftragsmeldungen und ein robustes Verhältnis von Auftragsbestand zu Umsatz, allerdings mit vergleichsweise verhaltener Kursreaktion
  • Renk und OHB: Beispiele dafür, wie Unternehmensnachrichten kurzfristig die Fundamentaldaten überlagern können— bei Renk die Übernahmespekulation, bei OHB die anhaltende technische Schwäche trotz milliardenschwerer Aufträge

Der gemeinsame Nenner bleibt die europäische und US-amerikanische Aufrüstung, die branchenweit für Auftragsbücher sorgt, die Jahre in die Zukunft reichen. Die Unterschiede liegen im Ausführungsrisiko, in Governance-Fragen wie der laufenden Untersuchung bei DroneShield und in indexgetriebenen Sondereffekten wie der SDAX-Aufnahme bei OHB, die Kurse zeitweise von der eigentlichen Auftragsdynamik abkoppeln können.

Wohin die Reise für die fünf Werte geht

Bei DroneShield dürften der weitere Rollout neuer Produkte wie RfRecon sowie Fortschritte bei der laufenden Untersuchung die nächsten Kurstreiber sein. OHB muss zeigen, ob sich die Großaufträge Iris2 und PRISMA Second Generation tatsächlich in sichtbarer Ergebnisdynamik niederschlagen— und ob sich die indexbedingten Kapitalflüsse stabilisieren lassen.

Bei Renk richten sich die Blicke auf ein mögliches konkretes Übernahmeangebot sowie auf den Fortschritt bei der Integration von David Brown Defence. Vincorions Investoren dürften weiter genau auf die Umwandlungsrate der weichen Auftragspipeline und die Entwicklung des freien Cashflows schauen. Red Cats Kurs wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell sich das maritime Geschäft und der zollbedingte Wachstumsschub in nachhaltige Margenverbesserungen übersetzen lassen.

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