RWE Aktie: Netz vor Rendite

RWE übernimmt Mehrheit an Amprion, finanziert den Deal via Kapitalerhöhung. Die Aktie fällt, Analysten sehen aber langfristig Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Mehrheitsbeteiligung an Amprion übernommen
  • Kapitalerhöhung belastet Aktienkurs
  • Analysten bewerten Kaufpreis als günstig
  • Gewinnziel je Aktie für 2031 angehoben

Der Einstieg ins Übertragungsnetz ist strategisch nachvollziehbar — die Art der Finanzierung hat Anleger kalt erwischt. RWE übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung am Netzbetreiber Amprion und stemmt den Kaufpreis von rund 3,6 Milliarden Euro durch eine blitzschnelle Kapitalerhöhung. Das Ergebnis: Die Aktie verliert am Dienstag rund zwei Prozent.

Warum der Deal trotzdem Sinn ergibt

Amprion betreibt ein 11.000 Kilometer langes Hochspannungsnetz zwischen Nordsee und Alpen. Im Zuge der Energiewende werden hier in den kommenden Jahren enorme Investitionen nötig — an denen RWE künftig als Mehrheitseigentümer partizipiert. Bislang hielt der Konzern indirekt 25,1 Prozent, nach Abschluss des Deals sollen es 55 Prozent sein. Vollzogen werden soll die Transaktion bis Ende September.

UBS-Analystin Wanda Serwinowska stuft den Kaufpreis als günstig ein — gemessen an der Bewertung des belgischen Wettbewerbers Elia. RBC-Analyst Alexander Wheeler sieht starkes langfristiges Wachstumspotenzial. Jefferies-Analyst Ahmed Farman erwartet einen Ergebnisbeitrag von ein bis drei Prozent — war aber von der Finanzierungsform überrascht.

Kapitalerhöhung als Kursbelastung

Genau das ist der Knackpunkt. RWE platzierte über Nacht rund 74,4 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren — zu 54 Euro je Aktie, einem Abschlag auf den Vortagesschluss. Rund die Hälfte stammte aus einer echten Kapitalerhöhung, die andere Hälfte aus dem eigenen Bestand. Bestandsaktionäre wurden übergangen, ihr Bezugsrecht war ausgeschlossen.

Der Bruttoerlös beläuft sich auf rund vier Milliarden Euro. Als Ankerinvestoren traten der Qatar Investment Authority und Norges Bank auf, die zusammen etwa eine Milliarde Euro beisteuerten — ein Signal für institutionelles Vertrauen, das den Kursrückgang aber nicht verhinderte.

Was CEO Krebber verspricht

RWE-Chef Markus Krebber bezeichnet den Deal als sofort ergebniswirksam. Das Gewinnziel je Aktie für 2031 hebt er von 4,40 auf 4,55 Euro an. Die Dividende für 2026 bleibt bei 1,32 Euro, mit weiterhin angestrebtem jährlichem Wachstum von zehn Prozent. Parallel hält RWE am milliardenschweren Investitionsprogramm für erneuerbare Energien und Speicher fest — 35 Milliarden Euro netto bis 2031.

Amprion selbst bleibt laut Konzernchef Christoph Müller operativ unabhängig, gemäß den gesetzlichen Entflechtungsregeln. RWE bilanziert die Beteiligung weiter nach der At-Equity-Methode — eine Vollkonsolidierung findet nicht statt. Für Anleger bedeutet das: Die erhofften Ergebnisbeiträge fließen langsam, die Verwässerung durch die Kapitalerhöhung schlägt sofort an. Erst wenn die Netzinvestitionen ab Mitte der 2020er Jahre Früchte tragen, dürfte sich die Rechnung aufgehen — Krebbers Ziele für 2031 sind der eigentliche Maßstab.

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