RWE Aktie: Speicher als Gewinnbringer
RWE baut Speicherprojekte aus; Marktchancen treffen auf mögliche Gewinnrückgänge durch zunehmende Konkurrenz und geglättete Strompreise.

- Rund 1,7 Gigawatt in Deutschland im Bau
- Hambacher Großspeicher soll 2027 starten
- Modo Energy hebt Erlösprognose um rund 20 Prozent
- EEG-Pachtdeckel bleibt Bundestagsentscheidung
Batteriespeicher könnten für RWE zum Winter-Geschäft werden. Die Strompreise schwanken binnen Stunden stark, und der Essener Konzern baut seine Kapazitäten in Deutschland gerade massiv aus. Wer billigen Mittagsstrom speichert und abends teuer verkauft, verdient an der Differenz.
Hambach und Hamm als Vorzeigeprojekte
Allein in Deutschland befinden sich Anlagen mit rund 1,7 Gigawatt Leistung im Bau. Am ehemaligen Braunkohletagebau Hambach entsteht ein Großspeicher mit 236 Megawatt Leistung und 470 Megawattstunden Kapazität. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen.
Noch größer fällt das Projekt am früheren Steinkohlekraftwerk Westfalen in Hamm aus. Dort sind zusätzliche Speicher mit rund 600 Megawatt Leistung geplant. Wo früher Kohle verbrannt wurde, soll künftig Strom gespeichert und bei Bedarf wieder eingespeist werden.
Einen Vorteil hat RWE gegenüber reinen Speicherbetreibern: Mit RWE Supply & Trading besitzt der Konzern ein umfangreiches Energiehandelsgeschäft. Die Kapazitäten lassen sich damit an verschiedenen Strommärkten vermarkten.
Rückenwind und Risiken
Das Marktumfeld ist kurzfristig günstig. Hohe Gaspreise infolge des Iran-Krieges, der wachsende Anteil erneuerbarer Energien und erwartete Preisschwankungen im Winter stützen das Modell. Der Energieanalyst Modo Energy hob seine Erlösprognose für deutsche Batteriespeicher mit zweistündiger Speicherdauer für 2027 zuletzt um rund 20 Prozent an.
Langfristig gibt es allerdings ein strukturelles Problem. Je mehr Speicher entstehen, desto stärker glätten sie die Preisschwankungen, von denen sie leben. Dieser Kannibalisierungseffekt könnte die Gewinne drücken. Sinkende Batteriepreise erleichtern zudem neuen Wettbewerbern den Einstieg.
Politischer Gegenwind bei der Windkraft
Auch an anderer Stelle bewegt sich die Politik. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant im Rahmen der EEG-Reform, die Pachterlöse für Windräder an Land auf 3,5 Prozent der jährlichen Stromerlöse zu deckeln. Der Verband der Waldeigentümer warnt, das mindere die Akzeptanz für den Ausbau. Der Verband kommunaler Unternehmen begrüßt den Deckel dagegen, weil niedrigere Pachten die Projektkosten senken würden.
Für Windprojektierer wie RWE könnten geringere Pachtkosten die Kalkulation verbessern. Ob der Deckel kommt, entscheidet der Bundestag, der die EEG-Reform derzeit berät.
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