RWE: Riesen-Batteriespeicher in Gundremmingen im Bau

RWE startet Bau des größten deutschen Batteriespeichers mit 400 MW am ehemaligen Atomstandort Gundremmingen. Die Anlage soll 2027 ans Netz gehen.

Die Kernpunkte:
  • 400 MW Leistung auf altem AKW-Gelände
  • Inbetriebnahme für Anfang 2027 geplant
  • Barclays bestätigt Overweight-Rating mit 66 Euro
  • Aktie trotz Tagesminus auf Jahressicht stark

Am ehemaligen Kernkraftwerksstandort Gundremmingen entsteht gerade Deutschlands größter Batteriespeicher — und RWE macht damit deutlich, wohin die Reise geht. Nicht mehr nur Strom erzeugen, sondern Strom beherrschbar machen.

400 Megawatt auf altem Atomgelände

Der Bau hat begonnen. RWE errichtet in Bayern eine Anlage mit 400 Megawatt Leistung und 700 Megawattstunden Speicherkapazität — verteilt auf über 200 Container mit rund 850.000 Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2027 geplant.

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Der Standort ist dabei mehr als Zufall. Noch im vergangenen Oktober wurden die Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks gesprengt. Jetzt wächst an gleicher Stelle Technologie heran, die das Gegenteil von Grundlast verkörpert: flexible, schnell abrufbare Speicherkapazität für ein Netz, das immer volatiler wird.

Warum Speicher jetzt dringlicher werden

Die Notwendigkeit solcher Projekte zeigt sich in einem paradoxen Befund: Deutschlands Onshore-Windkraft produzierte 2025 trotz eines Kapazitätszubaus von 14 Gigawatt seit 2020 kaum mehr Strom als damals — insgesamt 106 Terawattstunden, laut Daten des RWI Leibniz-Instituts vom 29. Mai 2026.

Der Grund: Der rasante Solarboom seit 2022 sättigt die Netze in den Mittagsstunden so stark, dass Windkraftanlagen abgeregelt werden müssen. Energie wird produziert, aber nicht genutzt — ein Effekt, den Fachleute als „Kannibalisierung“ bezeichnen. Batteriespeicher können diesen überschüssigen Strom aufnehmen und bei Flaute oder Dunkelheit wieder einspeisen. Für RWE ist das kein Nebenprojekt, sondern Kernstrategie.

Kurs unter Druck, langfristiger Trend intakt

Die RWE-Aktie schloss am Freitag bei 54,20 Euro, ein Minus von 0,37 Prozent auf Tagesbasis. Auf Monatssicht beläuft sich das Minus auf gut zehn Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 61,70 Euro ist auf rund zwölf Prozent angewachsen. Auf Jahressicht steht der Titel dennoch mit über 65 Prozent im Plus.

Barclays Capital bestätigte zuletzt am 29. Mai sein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 66 Euro. Die Analysten sehen den möglichen Ausbau von Netzanteilen und die konsequente Expansion im Erneuerbaren-Bereich als zentrale Wachstumstreiber — Gundremmingen fügt sich da nahtlos ein.

Während Wettbewerber wie TotalEnergies offenbar den Rückzug aus bestimmten deutschen Offshore-Windprojekten erwägen, setzt RWE auf die Kombination aus Erzeugung und Flexibilität. Der Fortschritt der Bauarbeiten in Bayern und mögliche weitere Speicherprojekte werden zeigen, ob diese Wette aufgeht — spätestens wenn die Anlage Anfang 2027 ans Netz geht.

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