RWE: War es das jetzt für die Erholung?

Die Geschäftszahlen, die der Versorger RWE für das vergangene Jahr vorgelegt hat, fielen auf den ersten Blick denkbar schlecht aus. Denn das Unternehmen musste einen milliardenschweren Verlust verkraften. Allerdings: Hinter den Kulissen scheint RWE deutliche Fortschritte zu machen.

© RWE

Nachdem der Versorger im Jahr zuvor nur einen Fehlbetrag von 200 Millionen Euro melden musste, summierte sich in 2016 der Verlust auf sage und schreibe 5,7 Milliarden Euro. Dies war das Resultat von umfangreichen Abschreibungen sowie zusätzlichen finanziellen Belastungen aus den vereinbarten Zahlungen an den staatlichen Atomfonds, der sich in Zukunft um die Endlagerung von Atommüll kümmern soll.

RWE mit milliardenschweren Abschreibungen

Insgesamt musste RWE auf seinen eigenen Kraftwerkspark rund 4,3 Milliarden Euro abschreiben. Denn durch die staatlich verordnete Energiewende ist absehbar, dass die konventionellen Kraftwerke in Zukunft deutlich weniger Geld verdienen werden. Den Großteil der Abschreibung musste RWE deshalb auch in Deutschland vornehmen. Hier summierte sich die Abschreibung auf 3,7 Milliarden Euro, der Rest entfiel auf Anlagen in Großbritannien, den Niederlanden und der Türkei. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelten sich diesbezüglich die Gesamt-Abschreibungen.

Das Ergebnis wurde weiterhin auch durch die Zahlungen an den öffentlich-rechtlichen Atomfonds belastet. Wie das Unternehmen schon vor einiger Zeit mitteilte, will man den Gesamtbetrag von 6,8 Milliarden Euro auf einen Schlag zum 1. Juli entrichten. Dafür mussten entsprechende Rückstellungen gebildet werden, die das Ergebnis belasteten.

Dividende für Stammaktien fällt aus

Direkte Folge des Milliardenverlustes: Die Inhaber der Stammaktien sollen bei der Dividende für das vergangene Jahr leer ausgehen. Die Vorzug-Aktionäre sollen immerhin eine Dividende von 0,13 Euro und damit auf Vorjahresniveau erhalten. Diese unangenehme Nachricht versucht RWE mit dem Ausblick abzumildern, dass sowohl für Stamm- als auch Vorzugsaktien im laufenden Geschäftsjahr eine Dividende von jeweils 0,50 Euro je Aktie geplant ist.

Allerdings natürlich nur, wenn auch die Wachstumsziele erreicht werden. Schaut man auf die operativen Ergebnisse im vergangenen Jahr, bestehen hier zumindest gewisse Chancen, dass RWE tatsächlich wieder eine Dividende ausschüttet. Denn im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen ein bereinigtes EBITDA von 5,4 Milliarden Euro erwirtschaften. Das bereinigte EBIT betrug 3,1 Milliarden Euro, woraus sich unter dem Strich dann ein bereinigtes Nettoergebnis von 0,8 Milliarden Euro errechnet.

Aktie in der “Twilight“-Zone

Am Markt werden die neuen Zahlen erst einmal negativ bewertet. Die Aktie von RWE gehört heute mit zu den größten Verlierern im DAX, was auch durch den avisierten Ausfall der Dividende für die Stammaktien zu erklären ist. Allerdings haben sich im Tagesverlauf die Gemüter etwas beruhigt, was für die Aktie besonders wichtig ist.

Denn sie kämpft derzeit mit einem der mittelfristigen Abwärtstrends. Würde sie hier scheitern, würde ein Rückfall in den Bereich von 12 Euro bis 12,50 Euro drohen. Gelänge hier ein Widerstehen, würde man sich die Chance auf eine weitere Erholung in Richtung 14,40 Euro erhalten.

In dieser Konstellation sollten Anleger eher im Standby-Modus bleiben. Wer investiert ist, sollte hier sicherlich je nach Einstiegskurs über eine entsprechende Stopp-Loss-Absicherung nachdenken. Sollten sich die Verluste in Grenzen halten, kämen tendenziell wieder neue Käufe infrage, da aus dem Langfrist-Chart ersichtlich ist, dass RWE hier noch viel Luft nach Boden hätte, selbst unter der Beachtung, dass man ja inzwischen das Geschäft mit erneuerbaren Energien (Innogy) ausgelagert hat.

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