Ryanair Aktie: Berlin verliert die Hälfte

Ryanair verlagert Flugzeuge ins EU-Ausland und kürzt in Deutschland rund 700.000 Winterplätze; kleinere Standorte gewinnen an Bedeutung.

Die Kernpunkte:
  • Rund 700.000 Sitzplätze weniger
  • Berliner Basis schließt am 24. Oktober
  • Zwölf Verbindungen ab Berlin entfallen
  • Ausbau in Memmingen und Köln

Ryanair dreht an der Kostenschraube und lässt die deutsche Hauptstadt die Rechnung zahlen. Im kommenden Winterflugplan streicht der Billigflieger in Deutschland rund 700.000 Sitzplätze. Das entspricht einem Rückgang von 10 Prozent gegenüber dem Winter 2025/26.

Die Aktie gab in Dublin zeitweise 1,54 Prozent auf 23,61 Euro nach. Eine Kursbewegung im Rahmen, die Nachricht selbst ist eher strategischer Natur.

Berlin trägt die Hauptlast

Den größten Einschnitt erlebt der Flughafen Berlin-Brandenburg, den Ryanair als „erfolglosesten Flughafen Europas“ bezeichnet. Zum 24. Oktober schließt die Airline dort ihre Basis mit sieben Flugzeugen und den dazugehörigen Crews. Zwölf Strecken fallen komplett weg, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki. Andere Routen werden ausgedünnt.

Insgesamt verliert Berlin rund die Hälfte des bisherigen Angebots. „Berlin ist mit Abstand der größte Verlierer“, sagt Konzernchef Eddie Wilson. Passagiere hätten weniger Auswahl und müssten mit höheren Preisen rechnen.

Gebühren und Steuer als Begründung

Als Ursache nennt Ryanair die hohen staatlichen Zugangskosten sowie die aus ihrer Sicht „exorbitante“ deutsche Luftverkehrsteuer. Die Flugzeuge wandern an Standorte in anderen EU-Staaten, wo die Steuer abgeschafft und die Gebühren gesenkt wurden.

Der Streit ist nicht neu. Der Konzern liegt seit Längerem mit Flughäfen und Politik über die Standortkosten im Clinch und hat in der Vergangenheit mehrfach Kapazitäten abgezogen, wenn er keine Zugeständnisse erhielt. Die aktuelle Ankündigung folgt diesem Muster.

Nicht überall wird gekürzt. In Hamburg fallen rund 5 Prozent der Kapazität weg, in Memmingen und Köln baut Ryanair dagegen aus. Neu im Winterflugplan sind Saarbrücken und Friedrichshafen. Die Airline verschiebt ihr Deutschland-Geschäft damit in Richtung kleinerer, günstigerer Standorte.

Ab dem 24. Oktober zeigt sich, wie stark Berlin die Streichungen tatsächlich spürt: Dann endet der Betrieb der dortigen Basis, und die sieben Jets starten künftig von anderen europäischen Flughäfen.

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