Ryanair: Befreiungsschlag für die Aktie?

An dem irischen Billigflieger Ryanair scheiden sich weiterhin die Geister. Für die einen bleibt die Fluglinie des Iren Michael O´Leary ein besonders krasses Beispiel des Raubtier-Kapitalismus, für andere ist Ryanair eines der gelungensten Beispiele dafür, wie man mit einer aggressiven Wettbewerbspolitik hochprofitabel werden kann.

© Ryanair
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Tatsache ist: Auch wenn Ryanair in den vergangenen Jahren immer wieder für einige Negativ-Schlagzeilen bei der Behandlung von Personal und Kunden sorgte (inzwischen nicht mehr ganz so häufig), so ist die Nachfrage nach Flugtickets der Airline ungebrochen. Was die Fluglinie auch mit dem nun vorgelegten Geschäftsbericht 2015 unter Beweis stellen konnte.

Ryanair liefert Rekordgewinn ab

Dank der niederen Kerosinpreise und steigender Passagierzahlen konnte die Airline im letzten Jahr einen Rekordgewinn von 1,24 Mrd. Euro einfahren oder besser einfliegen. Das entsprach einer Steigerung zum Vorjahr um 43%. Wobei hier schon Sonderfaktoren ausgeklammert wurden. Denn bezieht man den Erlös mit ein, den die Fluglinie durch den Verkauf ihrer Air-Lingus-Anteile im letzten Jahr vereinnahmte, lag der Nettogewinn sogar bei 1,56 Mrd. Euro.

Umsatzseitig ging es nicht ganz so rasant vorwärts. Die Einnahmen wurden um 16% auf 6,54 Mrd. Euro ausgeweitet. Doch auch damit gehörte Ryanair erneut zu den wachstumsstärksten Fliegern in Europa und auch weltweit. Das soll sich im laufenden Jahr wiederholen.

Schärferer Preiskampf voraus

Allerdings will Vorstandschef O´Leary hier nicht zu forsch prognostizieren. Vielmehr kann man die aktuelle Gewinnprognose von 1,375 Mrd. Euro bis 1,425 Mrd. Euro für Ryanair-Verhältnisse sicherlich als zurückhaltend verstehen. Was auch nicht wundert. Denn Ryanair erwartet für dieses Jahr und darüber hinaus eine weitere Verschärfung des Preiskampfes in der Luft.

Das hat vor allem mit einer generell schwächeren Nachfrage zu tun, was Resultat auch der Terroranschläge in den vergangenen Monaten auf dem europäischen Kontinent ist. Doch die Iren sehen hier für sich noch Spielraum, um gegen die Wettbewerber mit noch billigeren Tickets aufzuwarten. Denn, so das Unternehmen, die Entlastungen aus dem niedrigen Ölpreis und damit auch aus den niedrigeren Kerosinpreisen kämen erst jetzt richtig zu Geltung. So rechnet Ryanair von dieser Seite aus mit Entlastungen in diesem Jahr von bis zu 200 Mio. Euro.

Ryanair will Air Berlin ans Leder

Damit steht auch die Kampfansage an die großen Airlines fest. Ryanair will in diesem Jahr seine Ticketpreise um durchschnittlich 7% absenken, im zweiten Halbjahr sogar um bis zu 12%. Damit nimmt man vor allem auch die großen Airlines wie Deutsche Lufthansa, British Airways und Air France-KLM ins Visier. Dabei dürfte der deutsche Markt auch gleich noch eine Sonderrolle spielen.

Denn Ryanair will hierzulande seine Präsenz weiter ausbauen. Als Ziel gilt ein Marktanteil von 20%. Aktuell liegt er bei 4%. Schafft Ryanair dies, würde er den bisher Zweitplatzierten Air Berlin verdrängen, was der schon angeschlagenen Airline wohl weitere Schwierigkeiten bereiten würde.

Aktie vor dem Ausbruch?

Auch wenn der bisherige „Groß-Sprecher“ O´Leary bei de Vorlage der Zahlen für seine Verhältnisse eher ruhig blieb, so ist klar: Ryanair will weiter wachsen und die anderen aus dem Feld drängen. Was am Ende auch wieder der Aktie helfen soll. Diese war seit Jahresanfang in einen Abwärtstrend eingeschwenkt, den sie aber mit den neuen Zahlen im Rücken womöglich bald wieder nach oben hin verlassen könnte.

Ryanair-23-05-16

 

Ein erstes positives Signal ist bereits da, eine Bestätigung könnte durch den Break der 100-Tage-Linie kommen. Mutige Investoren können entsprechend schon mit einer Anfangsposition dabei sein, sollten sich aber die Hälfte des eingeplanten Kapitals für Nachkäufe zurückbehalten, bis der Break vollzogen wurde.

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