Ryanair: Das Kräftemessen beginnt

Die irische Fluggesellschaft Ryanair kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vor zwei Wochen Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien zwei Tage lang streikten und dadurch 600 Flüge ausfielen, streiken seit Freitag früh 03:01 Uhr in mehreren europäischen Ländern die Piloten für 24 Stunden.

Schwerpunkt dabei ist Deutschland. Hier wurden bislang 250 Flüge abgesagt. Europaweit hat Ryanair bereits 400 der ursprünglich geplanten 2.400 für diesen Tag gestrichen. Betroffen sind davon insgesamt rund 55.000 Passagiere. Gestreikt wird neben Deutschland auch in Schweden, Holland, Belgien und den Niederlanden.

Ryanair und Gewerkschaften haben sich ineinander verbissen

Hintergrund der Streiks: Seit rund sechs Monaten verhandeln die Gewerkschaften und die Airline über neue Tarifverträge. So will die deutsche „Vereinigung Cockpit“ (VC) erstmals ein System aus Vergütung- und Manteltarifvertrag durchsetzen, wie er laut VC auch bei anderen Fluggesellschaften üblich ist. Ryanair wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen und verweist schon auf die hohen Gehälter für Flugzeug-Kapitäne und Copiloten. Weitere Zugeständnisse will man nicht machen, um das Geschäftsmodell des Billigfliegers nicht zu gefährden.

Das Problem: Auch wenn Ryanair-Chef Michael O‘Leary als harter Hund gilt, so wird auch er sich nur schwer gegenüber den Gewerkschaften behaupten können. Erst Ende letzten Jahres hatten die Gewerkschaften überhaupt bei Ryanair Fuß fassen können und waren vom Unternehmen anerkannt worden. Diesen Sieg möchte man nun natürlich mit neuen Tarifverträgen ausbauen.

Aktie immer stärker unter Druck

Dieser Machtkampf, dessen zeitliches Ende und Ergebnis noch nicht abzusehen ist, spiegelt sich natürlich auch in der Aktie wider. Diese hatte schon im Verlauf der letzten zwölf Monate einen Abwärtstrend ausgebildet und ist nun durch die neuen Streiks nochmals deutlich unter Druck geraten. Denn die Streiks treffen die Airline natürlich mitten in der Hochsaison und dürften auch bei den Kunden erhebliches Misstrauen über die Zuverlässigkeit der Airline wecken. Keine guten Voraussetzungen für einen Turnaround.

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