Ryanair: Dickes Ende?

Michael O´Leary, seines Zeichens Chef der irischen Fluglinie Ryanair, ist nicht bekannt dafür, ein sprachlicher Leisetreter zu sein. Doch bei der Vorlage des Ergebnisses zum ersten Quartal erschien der Chef ungewohnt kleinlaut, als es um die Frage der weiteren Wachstumsprognose ging.

© Ryanair
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Tatsache bleibt: Ryanair ist profitabel. Das Unternehmen ist für seinen aggressiven Wettbewerb gegenüber den anderen Fluglinien bekannt und konnte bislang davon auch profitieren. Zuletzt machte O´Leary bei der Vorlage des – sehr guten – Geschäftsberichtes zum Geschäftsjahr 2015/2016 (Ende März) eine erneute Kampfansage, besonders in Richtung deutscher Wettbewerber wie Lufthansa und Air Berlin.

Ryanair kann noch wachsen – Doch wie lange?

Doch es könnte sein, dass Ryanair nun mehr bekommt, als ihr lieb ist. Denn die Ansage, die Ticketpreise in diesem Jahr um durchschnittlich 7% abzusenken, um Marktanteile zu gewinnen, wurde im ersten Quartal schon deutlich übererfüllt. So sanken die Ticketpreise um 10% zum Vorjahr, was wohl so nicht eingeplant war.

Dass Ryanair dennoch ein Umsatzwachstum um 2% auf 1,7 Mrd. Euro melden konnte, war der allgemeinen Expansion im Flugangebot zu verdanken. Dennoch gilt der Abwärtstrend bei den Preisen als Warnsignal. Hinzu kommt: Ryanair schaffte es zwar erneut, den Gewinn zu steigern. Doch auch da könnte bald Schluss sein. Aktuell sorgten der billige Treibstoff und weitere Kostensenkungen für ein Gewinnplus von 4% auf 256 Mio. Euro.

Prognose steht auf der Kippe

Was dem Markt aber besonders auffiel: Obwohl Ryanair bei seiner Gewinnprognose für dieses Jahr (Prognosespanne zwischen 1,375 und 1,425 Mrd. Euro) blieb, muss nun dahinter schon ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Denn Michael O´Leary erklärte bei der Bilanz-PK, dass man angesichts des bevorstehenden Brexit womöglich die Prognose senken müsste.

Interessant bleibt die Marktreaktion. Denn obwohl Ryanair quasi eine versteckte Gewinnwarnung abgegeben hat, konnte die Aktie nach der Zahlen-Vorlage deutlich hinzugewinnen. Erklärbar wäre dies einerseits damit, dass die eingetrübte Prognose schon in den Kursen eingepreist wurde, nachdem die Aktie zuletzt kräftig unter die Räder gekommen war.

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Andererseits könnt sich im Markt die Hoffnung breit machen, dass die Fluglinie innerhalb der Branche dennoch weiterhin Marktanteile gewinnen kann. Schließlich hatte O´Leary vor Kurzem ja schon prognostiziert, dass die Ticketpreise im zweiten Halbjahr um bis zu 12% fallen könnten. Insofern bleibt man momentan noch im eigenen Zielbereich und damit bleibt auch die Chance, dass die Prognose gehalten werden könnte.

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