Salesforce Aktie: 33,6 Milliarden Dollar RPO im Fokus

Salesforce präsentiert Q2-Zahlen mit hohen Erwartungen. Analysten hoben Kursziele an, doch der Auftragsbestand entscheidet über die Glaubwürdigkeit der KI-Strategie.

Die Kernpunkte:
  • Mehrere Kurszielerhöhungen in einer Woche
  • Restauftragsbestand von 33,6 Milliarden Dollar
  • Personeller Wechsel an der Führungsspitze
  • Aktie mit 22% Minus auf Jahressicht

Heute Nachmittag, nach US-Börsenschluss, öffnet Salesforce die Bücher zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Die Wettplattform Polymarket räumt dem Konzern eine Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent ein, die Gewinnschätzungen erneut zu übertreffen. Für mich ist genau diese hohe Erwartungshaltung das eigentliche Risiko des Tages – nicht die Zahlen selbst.

Eine ungewöhnliche Analysten-Konjunktur

Innerhalb weniger Tage im August haben gleich mehrere Häuser ihre Kursziele angehoben. BMO Capital setzte am 20. August das Ziel von 215 auf 230 Dollar herauf und bestätigte die Einstufung Outperform. UBS zog am 17. August von 185 auf 210 Dollar nach, blieb dabei aber bei Neutral. Wells Fargo erhöhte am selben Tag leicht von 200 auf 205 Dollar, ebenfalls mit einem verhaltenen Equal Weight.

Citi-Analyst Tyler Radke hob sein Ziel am 17. August von 187 auf 204 Dollar an und begründete dies mit Channel-Checks, die eine leichte Verbesserung beim Rollout von Agentforce zeigten. JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee nahm die Coverage am 13. August mit Overweight und einem Kursziel von 250 Dollar wieder auf, Monness Crespi zog am selben Tag auf 222 Dollar nach.

Bemerkenswert an dieser Serie ist für mich weniger die Richtung als das Tempo: Fünf Kurszielerhöhungen innerhalb einer Woche, aber die Ratings selbst bewegen sich kaum. Die meisten Häuser bleiben bei Neutral oder Equal Weight. Das liest sich für mich wie eine technische Anpassung an gestiegene Kurse, nicht wie eine fundamentale Überzeugung, dass Salesforce jetzt deutlich mehr wert ist als noch vor vier Wochen.

Die eigentliche Kennziffer: Auftragsbestand statt Schlagworte

Interessanter als die Kursziel-Kosmetik finde ich die operative Kennzahl im Hintergrund: Der Restauftragsbestand (RPO) liegt bei 33,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist eine Zahl, an der sich die heutigen Ergebnisse messen lassen müssen.

Im ersten Quartal hatte Salesforce mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 3,88 Dollar die Konsensschätzung von 3,13 Dollar deutlich übertroffen, bei einem Umsatz von 11,13 Milliarden Dollar und einem Wachstum von 13,3 Prozent. Wiederholt sich dieses Muster heute, dürfte der Markt es honorieren.

Bleibt das RPO-Wachstum hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Aktie das spüren – genau diesen Bruch zwischen starken Agentforce-Schlagzeilen und schwächerer Auftragsentwicklung hatte Morgan Stanley-Analyst Adam Wood Ende Juli als Grund für seine Abstufung auf Equal Weight und die Kürzung des Kursziels von 287 auf 185 Dollar angeführt.

Personelle Umbauten als Nebengeräusch

Anfang August trat zudem Srini Tallapragada als Präsident sowie Chief Engineering and Customer Success Officer zurück und wechselt für ein Jahr in eine beratende Funktion beim Vorstandsvorsitzenden.

Solche Wechsel an der Führungsspitze sind selten neutral, gerade wenn sie kurz vor einem wichtigen Zahlenwerk erfolgen. Ich lese das als Signal, dass der Konzern seine Organisation rund um die KI-Strategie neu ordnet – ein Prozess, der Zeit braucht und kurzfristig eher Unsicherheit als Klarheit schafft.

Kursbild spiegelt die Zerrissenheit

Der Kurs notierte gestern bei 176,60 Euro, ein Minus von 1,5 Prozent auf Tagesbasis. Auf Jahressicht steht ein Rückgang von 22 Prozent zu Buche, während die Aktie in den vergangenen 30 Tagen um 16 Prozent zugelegt hat. Diese Diskrepanz zeigt für mich genau das Bild, das auch die Analystenstimmen zeichnen: kurzfristige Zuversicht, aber ein tiefer liegendes Vertrauensproblem, das sich erst mit belastbaren Auftragszahlen auflösen lässt.

Mein Fazit

Die Kursziel-Anhebungen der vergangenen zwei Wochen wirken auf mich mehr wie eine Reaktion auf die jüngste Kursrally als ein eigenständiges neues Überzeugungssignal. Entscheidend wird sein, ob Salesforce heute zeigen kann, dass die Agentforce-Erzählung sich tatsächlich in beschleunigtem Auftragswachstum niederschlägt.

Gelingt das, dürften die optimistischeren Kursziele Bestand haben. Verfehlt der RPO-Trend die Erwartungen erneut, spricht einiges dafür, dass die zurückhaltenden Neutral-Einstufungen der großen Häuser die realistischere Einschätzung sind.

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