Samsung: 28-Milliarden-Platzierung von SK Hynix zieht Kapital ab

Samsung erzielt Rekordquartalsgewinn, die Aktie fällt dennoch zweistellig. Grund ist die milliardenschwere Nasdaq-Notierung des Rivalen SK Hynix.

Die Kernpunkte:
  • Höchster operativer Gewinn der Firmengeschichte
  • Aktie verliert trotz Rekordzahlen deutlich
  • SK Hynix Kapitalabfluss als Hauptgrund
  • Bewertungsabschlag zu Wettbewerbern bleibt groß

Samsung Electronics meldet den größten Quartalsgewinn der Firmengeschichte. Die Aktie fällt trotzdem zweistellig. Der Grund liegt nicht im eigenen Zahlenwerk, sondern beim Erzrivalen SK Hynix.

SK Hynix zieht Kapital ab

SK Hynix bringt in dieser Woche American Depositary Receipts an die Nasdaq. Das Volumen: rund 28 Milliarden Dollar, die zweitgrößte Platzierung nach SpaceX überhaupt. Analysten sehen darin einen direkten Konkurrenten um Anlegerkapital.

eToro-Analyst Wong bringt es auf den Punkt: Das Timing der Notierung falle mitten in Samsungs Berichtswoche. Das ziehe Rotationskapital ab, das sonst in Samsung-Aktien geflossen wäre.

Die Kursdaten zeigen den Effekt deutlich. Samsung schloss am Mittwoch bei 277.500 Won, sieben Prozent unter dem Niveau der Vorwoche. Über 30 Tage beträgt das Minus 14,29 Prozent.

Rekordgewinn kann Ausverkauf nicht stoppen

Dabei hätte Samsung eigentlich Grund zum Feiern gehabt. Der Konzern meldete für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won, umgerechnet 58,6 Milliarden Dollar.

Das übertrifft den Marktkonsens von 84,16 Billionen Won um 6,2 Prozent. Damit avanciert Samsung laut Berichten zum profitabelsten Tech-Konzern der Welt, noch vor Nvidia.

Die Reaktion an der Börse fiel gegenteilig aus. Die Aktie schloss bereits am Dienstag fast 7 Prozent tiefer.

Der Ausverkauf setzte sich am Mittwoch fort. Zeitweise verlor Samsung 7,6 Prozent, SK Hynix bis zu 5,2 Prozent. Am Ende der Sitzung stand für Samsung ein Tagesminus von 6,9 Prozent.

Counterpoint-Analyst Tom Kang erklärt die Diskrepanz mit aufgestauten Belastungen. Gewerkschaft und Regierung wollten ihren Anteil am Gewinn, so Kang gegenüber CNBC. Hinzu kommt die Sorge, Speicherpreise könnten bereits zu hoch gestiegen sein. Monatliche Preischecks zeigten weiter steigende Tendenz für das laufende Quartal.

Ein Teil des Rekordergebnisses stammt zudem aus Rückstellungen für Bonuszahlungen an die Belegschaft. Analysten schätzen diese Position, inklusive rückwirkender Zahlungen für das erste Quartal, auf 15 bis 19 Billionen Won. Ohne diese Sonderzahlungen hätte der operative Gewinn wohl die Marke von 100 Billionen Won überschritten.

Bewertungslücke bleibt groß

Trotz der Rekordzahlen bleibt Samsung im globalen Vergleich günstig bewertet – vielleicht zu günstig, sagen manche Analysten. TSMC handelt aktuell zum 23,1-fachen Gewinn, Micron zum 11,2-fachen, Kioxia zum 10,6-fachen.

SK Hynix und Samsung fallen dagegen deutlich ab. Sie kommen nur auf das 6,6-fache beziehungsweise das 6,0-fache.

Gegenüber internationalen Wettbewerbern liegt der Abschlag bei SK Hynix bei etwa 56 Prozent, bei Samsung bei rund 60 Prozent. Diese Lücke besteht bereits seit längerem. Die aktuelle Kapitalrotation Richtung SK Hynix dürfte sie kurzfristig kaum schließen.

Charttechnik zeigt Korrekturphase

Die technischen Indikatoren spiegeln die jüngste Schwäche wider. Samsung notiert derzeit rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 374.500 Won vom 19. Juni.

Der Rückgang ist damit noch nicht abgeschlossen.

Zum 50-Tage-Durchschnitt von 302.090 Won beträgt der Abstand 8,6 Prozent. Der RSI von 41,6 signalisiert dabei keine überverkaufte Aktie, sondern eine laufende Korrektur.

Auf längere Sicht bleibt die Bilanz trotzdem beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 115 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von über 360 Prozent.

Ausblick

Später im Juli veröffentlicht Samsung den vollständigen Quartalsbericht mit Aufschlüsselung nach Sparten – Details, die in der vorläufigen Meldung fehlten. Bis dahin bleibt die SK-Hynix-Notierung in New York der dominante Kurstreiber für beide koreanischen Chipkonzerne.

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