SanDisk: 27,63 Prozent Minus in 30 Tagen

SanDisk meldet Rekordumsatz und Gewinnsprung, doch der Ausblick enttäuscht. Die Aktie fällt deutlich, Analysten senken Kursziele.

Die Kernpunkte:
  • Rekordumsatz und Gewinnsprung im Q4
  • Enttäuschender Ausblick für Q1 2027
  • Aktie fällt um fast sechs Prozent
  • Neues Aktienrückkaufprogramm über 14 Mrd. USD

SanDisk hat mit seinen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 einen Rekord aufgestellt – und trotzdem einen Kurseinbruch ausgelöst. Der Speicherchip-Hersteller meldete am Mittwoch einen Umsatz von 8,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 39,25 US-Dollar und übertraf die Analystenschätzungen von 33,88 bis 34,96 US-Dollar deutlich. Anleger reagierten dennoch mit Verkäufen, weil der Ausblick für das erste Fiskalquartal 2027 die Erwartungen verfehlte.

Am Donnerstag schloss die Aktie bei 1.100,00 Euro, ein Minus von 5,98 Prozent binnen eines Tages. Über 30 Tage steht ein Rückgang von 27,63 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Verunsicherung rund um die Preisdynamik im Speichermarkt widerspiegelt.

Ausblick trübt die Stimmung trotz starker Bilanz

SanDisk stellte für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 44,00 bis 46,00 US-Dollar in Aussicht. Zahlen, die für sich genommen weiteres Wachstum signalisieren, aber unterhalb dessen liegen, was der Markt nach dem starken Vorquartal eingepreist hatte. Begleitet wurde die Prognose von einer als verhalten eingestuften Preisentwicklung im NAND-Segment für das kommende Quartal, verbunden mit einer nahezu unveränderten Bruttomarge im Sequenzvergleich.

Mehrere Analysehäuser reagierten am Donnerstag mit gesenkten Kurszielen, hielten an ihren grundsätzlich positiven Einstufungen aber überwiegend fest. Jefferies-Analyst Blayne Curtis strich sein Kursziel von 3.000 auf 1.750 US-Dollar zusammen, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“ und verwies auf die nachlassende NAND-Preisdynamik sowie die flache Bruttomarge in der Guidance. Wells-Fargo-Analyst Aaron Rakers ging schärfer heran: Er senkte sein Kursziel von 1.620 auf 1.400 US-Dollar und stufte die Aktie auf „Equal Weight“ ein, mit Verweis auf Bewertungsbedenken und eine ins Stocken geratene Margenausweitung. Auch Mizuho und Citigroup reduzierten am selben Tag ihre Kursziele, hoben aber gleichzeitig die operative Substanz hervor – Mizuho verwies auf ein Auftragspolster von 91 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Leistungsverpflichtungen, Citigroup begründete den Schnitt mit einem „gedämpften“ Preisausblick fürs September-Quartal.

Aktienrückkauf und Standardisierungsvorstoß als Gegengewicht

Parallel zu den Zahlen genehmigte der Vorstand ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden US-Dollar. Damit steigt das insgesamt noch verfügbare Rückkaufvolumen auf 15,5 Milliarden US-Dollar – ein Signal, das auf Vertrauen in die eigene Bewertung trotz des schwachen Kursverlaufs hindeutet. Zudem zeigte sich institutionelles Interesse: Jane Street Group meldete eine Beteiligung von 5,00 Prozent an SanDisk, entsprechend 7.409.437 Aktien. Auf der Verkäuferseite veräußerte Chief Legal Officer Bernard Shek 600 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 1.162,16 US-Dollar im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans – ein Vorgang ohne unmittelbaren Bezug zur aktuellen Geschäftsentwicklung.

Technologisch setzte SanDisk zu Wochenbeginn ein Zeichen: Gemeinsam mit SK hynix veröffentlichte das Unternehmen über das Open Compute Project die technische Spezifikation für „High Bandwidth Flash“ (HBF), einen Speicherstandard, der auf KI-Inferenzsysteme zugeschnitten ist. Der Vorstoß soll die Position im wachsenden Markt für KI-Speicherinfrastruktur festigen, auch wenn sich der unmittelbare kommerzielle Effekt noch nicht beziffern lässt.

Bemerkenswert ist zudem eine Randnotiz aus dem Umfeld des früheren Mutterkonzerns: Western Digital verbuchte in seinem vierten Geschäftsquartal einen Bewertungsgewinn von 2,05 Milliarden US-Dollar aus der nach der Abspaltung im Februar 2025 verbliebenen Beteiligung an SanDisk – ein indirekter Beleg dafür, wie stark sich die Bewertung des Speicherherstellers seither entwickelt hat, unabhängig vom jüngsten Kursrutsch.

Investor Day rückt in den Fokus

Am 13. August lädt SanDisk zu seinem Investor Day 2026, bei dem das Unternehmen seine langfristige Technologie-Roadmap sowie den Hochlauf der Enterprise-SSD-Produktion erläutern will. Für Anleger dürfte dieser Termin zum nächsten wichtigen Prüfstein werden: Er bietet Gelegenheit, die durch die Guidance ausgelöste Skepsis mit konkreten mittelfristigen Perspektiven zu kontern. Der RSI von 43,0 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, während der Kurs mit einem Abstand von 46,60 Prozent zum 52-Wochen-Hoch deutlich Federn gelassen hat – ein Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Verunsicherung und langfristig intaktem Wachstumsnarrativ.

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