SANDISK Aktie: 14 Milliarden Dollar Rückkaufermächtigung

SanDisk verzeichnet Rekordumsätze, doch die schwächere Q1-Prognose drückt den Kurs. Analysten reagieren gespalten, während der Konzern mit Aktienrückkäufen Vertrauen schaffen will.

Die Kernpunkte:
  • Rekordumsatz von 20,25 Milliarden Dollar
  • Prognose verfehlt Analystenerwartungen deutlich
  • 14 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe
  • Neue Speichertechnologie mit Partnern vorgestellt

Es gibt Momente, in denen eine Aktie zum Spiegel eines ganzen Industriezweigs wird. SanDisk ist gerade so ein Fall. Während der Speicherchip-Konzern heute mit 1.180,00 Euro um 0,9 Prozent zulegt und sich damit von den Tiefs der vergangenen Wochen weiter erholt, steht im Hintergrund eine Frage, die weit über das Unternehmen hinausreicht: Wie viel Infrastruktur braucht der KI-Boom wirklich – und wer bezahlt dafür die Zeche, wenn die Erwartungen einmal höher sind als die Lieferfähigkeit?

Der Kurs hat sich binnen sieben Tagen um 7,3 Prozent erholt, liegt aber auf Monatssicht noch 23 Prozent im Minus und rangiert 43 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.060,00 Euro.

Diese Diskrepanz erzählt die eigentliche Geschichte: SanDisk liefert operativ Zahlen, die noch vor wenigen Jahren als Fantasie gegolten hätten – und der Markt straft das Unternehmen trotzdem ab, weil die Zukunftserwartungen inzwischen mindestens genauso hoch sind wie die Realität.

Rekordjahr, aber die Latte liegt höher

Am 5. August meldete SanDisk für das vierte Fiskalquartal einen Umsatz von 8,97 Milliarden Dollar, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der GAAP-Nettogewinn erreichte 6,90 Milliarden Dollar, das verdünnte Ergebnis je Aktie lag bei 43,97 Dollar.

Für das Gesamtjahr stand ein Umsatz von 20,25 Milliarden Dollar, ein Plus von 175 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders das Datacenter-Geschäft explodierte: 437 Prozent Wachstum im Jahresvergleich.

Und doch reagierte der Markt mit einem Kurssturz. Der Grund lag nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft: Die Umsatzprognose für das erste Fiskalquartal 2027 von 10,30 bis 10,80 Milliarden Dollar blieb hinter der Analystenerwartung von 11,16 Milliarden Dollar zurück.

Ein Unternehmen, das gerade sein bestes Jahr der Geschichte hinlegt, wird für eine Prognose abgestraft, die immer noch ein Wachstum von über 50 Prozent gegenüber dem laufenden Quartal impliziert. Das ist die Logik von Boom-Märkten: Sobald die Erwartungshaltung sich verselbstständigt, reicht „sehr gut“ nicht mehr aus.

Der Rückkauf als Vertrauenssignal

Der Vorstand reagierte prompt und genehmigte eine zusätzliche Aktienrückkaufermächtigung über 14 Milliarden Dollar, wodurch sich das verbleibende Gesamtvolumen auf 15,5 Milliarden Dollar erhöht. Das ist kein Zufall, sondern ein bewusstes Signal an einen nervösen Markt: Das Management selbst hält den Kursrückgang für übertrieben.

Parallel dazu treibt SanDisk die technologische Erzählung voran. Zusammen mit SK hynix veröffentlichte das Unternehmen Anfang August über das Open Compute Project die erste technische Spezifikation für High Bandwidth Flash, eine neue Speicherklasse mit Kapazitäten bis zu 512 Gigabyte und Bandbreiten zwischen rund 0,4 und 3,0 Terabyte pro Sekunde.

Google und Tenstorrent traten dem Konsortium als Mitglieder bei. Das ist mehr als eine technische Fußnote – es positioniert SanDisk als Mitgestalter der Speicherarchitektur für künftige KI-Rechenzentren, nicht nur als Zulieferer.

Die Analysten sind sich uneins

Die Reaktionen der Analystenhäuser fielen gespalten aus. Jefferies senkte am 6. August das Kursziel von 3.000 auf 1.750 Dollar, hielt aber an der Kaufempfehlung fest und begründete den Schritt mit Sorgen um die Margenentwicklung. Wells Fargo stufte SanDisk am selben Tag auf eine neutrale Einschätzung zurück und reduzierte das Kursziel von 1.620 auf 1.400 Dollar.

Die CFO-Aussage von Luis Visoso, wonach der NAND-Markt 2026 die Marke von 300 Milliarden Dollar übersteigen und 2027 auf 500 Milliarden Dollar wachsen soll, während die Nachfrage bis 2028 das Angebot übersteige, liefert das strukturelle Argument für die Bullen.

Ob diese Prognose trägt, dürfte sich beim Investorentag heute zeigen, bei dem Konzernchef David Goeckeler und Visoso die Geschäftslage erläutern. Die Vereinbarung mit Meta Platforms über eine mehrjährige NAND-Lieferpartnerschaft für den Ausbau der KI-Infrastruktur untermauert zumindest, dass die Nachfrageseite real ist – die Frage bleibt, wie viel davon bereits im Kurs steckt.

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