SANDISK Aktie: 36,90 Prozent Monatsverlust

SanDisk meldet Rekordzahlen und milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm, doch der Kurs fällt. Analysten streiten über die Nachhaltigkeit des NAND-Preisanstiegs.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzplus von 51 Prozent im Quartal
  • 14 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe
  • Kursverlust von 36,9 Prozent in 30 Tagen
  • Investorentag am 13. August angekündigt

Es gibt Wochen, in denen sich Fundamentaldaten und Kursverlauf komplett voneinander lösen. SanDisk erlebt gerade so eine Woche – und sie erzählt viel darüber, wie nervös der Markt den KI-getriebenen Speicherboom inzwischen beobachtet.

Ein Quartal mit Rekordzahlen, ein Ausblick über den Erwartungen, ein milliardenschweres Rückkaufprogramm – und trotzdem bricht der Kurs binnen 30 Tagen um 36,90 Prozent ein. Aktuell notiert die Aktie bei 1.060,00 Euro, fast die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch, zu dem 48,54 Prozent fehlen.

Ein Rekordquartal, das nicht beruhigt

Am Mittwoch legte SanDisk Zahlen vor, die selbst für einen Speicherhersteller im KI-Boom außergewöhnlich sind. Der Umsatz im vierten Fiskalquartal 2026 stieg gegenüber dem Vorquartal um 51 Prozent auf 8,97 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag non-GAAP bei 39,25 Dollar – deutlich über dem Analystenkonsens von 34,59 Dollar.

Für das gesamte Fiskaljahr wuchs der Umsatz um 175 Prozent auf 20,25 Milliarden Dollar, getrieben vom Rechenzentrumsgeschäft, das um 437 Prozent zulegte. Zwei Drittel des sequenziellen Wachstums kamen laut Unternehmensangaben aus höheren Preisen, ein Drittel aus höheren Volumina – ein Detail, das zeigt, wie stark der NAND-Zyklus derzeit auf der Preisseite läuft.

Der Vorstand reagierte mit einer deutlichen Kapitalrückgabe: Ein zusätzliches Rückkaufprogramm über 14 Milliarden Dollar erhöht das verbleibende Volumen auf 15,5 Milliarden Dollar.

Zudem meldete SanDisk fünf weitere Vereinbarungen im Rahmen seines neuen Geschäftsmodells, womit sich die Zahl solcher Abkommen seit April auf zehn verdoppelte – drei mit neuen Kunden, zwei als Erweiterung bestehender Partnerschaften.

Für das laufende erste Quartal des Fiskaljahres 2027 stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden Dollar sowie einen non-GAAP-Gewinn je Aktie von 44,00 bis 46,00 Dollar in Aussicht.

Warum die Zahlen den Kurs nicht retten

Genau hier liegt das Paradox, das die Aktie seit Wochen begleitet: Je größer die gemeldeten Zuwächse, desto skeptischer reagieren offenbar Investoren, die fragen, wie lange sich Preissteigerungen dieser Größenordnung noch fortsetzen lassen. Der Markt scheint weniger die Vergangenheit zu bewerten als die Frage, ob der aktuelle Boom eine strukturelle Verschiebung hin zu KI-Speicher ist – oder ein Zyklushoch, das ebenso schnell wieder abschwillt.

Diese Skepsis zeigt sich bei den Analysten unmittelbar nach den Zahlen. Jefferies-Analyst Blayne Curtis senkte sein Kursziel um 1.250 auf 1.750 Dollar, beließ die Kaufempfehlung aber unverändert.

Als Begründung nannte er eine sich abschwächende NAND-Preisdynamik: Das Unternehmen habe für das September-Quartal nur moderate Preiszuwächse in Aussicht gestellt, ein merklicher Rückgang gegenüber den vorangegangenen Preissprüngen. Auch Evercore-ISI-Analyst Amit Daryanani kürzte sein Ziel, von 3.100 auf 2.800 Dollar, hielt aber an seiner positiven Einstufung fest.

Weitere Häuser bewegten sich in ähnliche Richtung – Mizuho, Citi und Wells Fargo senkten ihre Kursziele, während RBC Capital als Gegenbewegung sein Ziel anhob. Die Spanne der Einschätzungen bleibt damit groß, was für sich genommen schon ein Signal ist: Über das Ausmaß des Preiszyklus besteht unter Profis derzeit kein Konsens.

Kioxia, Kitakami und die Frage nach der nächsten Etappe

Während die Kursziele wackeln, treibt SanDisk sein technologisches Fundament weiter voran. Zusammen mit dem japanischen Partner Kioxia startete das Unternehmen am Kitakami-Werk die Produktion der zehnten Generation seines 3D-Flash-Speichers und verlängerte den gemeinsamen Rahmenvertrag zur NAND-Fertigung bis Dezember 2034 – ein Signal für langfristige Bindung an die Partnerschaft, unabhängig vom kurzfristigen Preiszyklus.

Auf der Fachmesse Future of Memory and Storage stellte das Management zudem die These vor, NAND-Speicher sei die „vielseitige und skalierbare Grundlage“ des KI-Zeitalters.

Ob diese Erzählung trägt, dürfte sich am 13. August zeigen, wenn SanDisk seinen Investorentag abhält. Angekündigt sind Details zu sogenanntem High Bandwidth Flash, ein aktualisierter Technologie-Fahrplan und eine Einordnung der langfristigen KI-Speicherchance.

Für eine Aktie, die binnen eines Monats fast 37 Prozent verloren hat, obwohl das zugrunde liegende Geschäft rekordhafte Wachstumsraten zeigt, könnte dieser Termin zur eigentlichen Nagelprobe werden: Überzeugt das Management, dass der aktuelle Boom mehr ist als ein Zyklushoch, oder bleibt die Skepsis der vergangenen Wochen der bestimmende Faktor?

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