SANDISK Aktie: 4,55 Prozent Minus trotz Rekordquartal

SanDisk meldet Rekordumsatz und -marge, doch der vorsichtige Ausblick lässt Anleger zweifeln. Analysten senken Kursziele, während Großinvestoren ihre Positionen anpassen.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzsprung um 372 Prozent
  • Ausblick enttäuscht trotz Rekordzahlen
  • Analysten senken Kursziele
  • Großinvestoren positionieren sich neu

Wer am Mittwoch dieser Woche gehofft hatte, SanDisk werde mit seinen Quartalszahlen die Wende einleiten, wurde eines Besseren belehrt. Der Speicherchip-Hersteller legte am 5. August Zahlen vor, die auf dem Papier keine Wünsche offenlassen – und der Markt strafte das Unternehmen trotzdem ab. Für mich ist genau dieser Widerspruch die eigentliche Geschichte hinter der SanDisk-Aktie in diesen Tagen.

Die Fakten zunächst: Im vierten Geschäftsquartal 2026 stieg der Umsatz um 372 Prozent auf 8,97 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr meldete SanDisk 20,25 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 175 Prozent, bei einem GAAP-Nettogewinn von 11,43 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 73,76 US-Dollar pro verwässerter Aktie. Die Non-GAAP-Bruttomarge kletterte auf 84,6 Prozent, getragen von sogenannten „New Business Model“-Vereinbarungen, die inzwischen langfristige Umsatzzusagen von über 93,9 Milliarden US-Dollar abdecken. Der Vorstand legte zudem ein zusätzliches Rückkaufprogramm über 14 Milliarden US-Dollar auf, womit die verbleibende Rückkaufkapazität auf 15,5 Milliarden US-Dollar steigt.

Der Ausblick als Stolperstein

Der Haken liegt im Ausblick. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte SanDisk einen Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht – solide, aber offenbar nicht genug für Anleger, die nach dem Rekordquartal auf noch mehr gehofft hatten. Die Aktie fiel am Freitag um 4,55 Prozent auf 1.050,00 Euro und liegt binnen 30 Tagen mit 30,92 Prozent im Minus. Damit hat sich der Kurs vom 52-Wochen-Hoch nahezu halbiert. Diese Diskrepanz zwischen Rekordzahlen und Kursreaktion zeigt für mich, wie sehr die Erwartungshaltung im NAND-Sektor bereits ins Extrem getrieben war – ein Ausblick, der „nur“ solide statt spektakulär ausfällt, reicht offenbar aus, um Gewinne mitzunehmen.

Analysten bleiben an Bord, senken aber die Erwartung

Die Reaktion der Wall Street am Tag nach den Zahlen war bezeichnend uneinheitlich in der Höhe, aber einig in der Richtung. Evercore ISI-Analyst Amit Daryanani beließ seine Einstufung bei „Outperform“, senkte das Kursziel jedoch von 3.100 auf 2.800 US-Dollar. Citi-Analystin Asiya Merchant hielt an ihrem „Buy“ fest, kappte das Ziel aber von 2.500 auf 2.100 US-Dollar und begründete dies mit einem „gedämpften“ Preisausblick für das kommende September-Quartal. Auch Wells Fargo und RBC Capital reduzierten ihre Kursziele nach den Zahlen deutlich, Wells Fargo verwies dabei darauf, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise für Chips nicht so stark gestiegen seien wie bei Wettbewerbern. Dass zugleich ein Seeking-Alpha-Beitrag sein Kursziel auf 3.300 US-Dollar anhob, zeigt, wie weit die Einschätzungen aktuell auseinanderlaufen – für mich eher ein Hinweis auf Unsicherheit als auf Klarheit.

Bemerkenswert ist, dass trotz aller Zielkürzungen kein einziges der genannten Häuser von seiner grundsätzlich positiven Einstufung abrückte. Das spricht dafür, dass die kurzfristige Kursschwäche mehr mit Erwartungsmanagement als mit einem fundamentalen Bruch zu tun hat.

Institutionelle Bewegungen als Gegenpol

Auf der Aktionärsseite zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Fidelity (FMR LLC) reduzierte seine Beteiligung um 41,29 Prozent auf noch 7.861.064 Aktien beziehungsweise rund 5,30 Prozent des Unternehmens – ein deutlicher Rückzug just vor den Zahlen. Gleichzeitig meldete Jane Street eine neue Position von 5,00 Prozent beziehungsweise 7.409.437 Aktien. Auch Bank of America reduzierte laut jüngster Meldung ihre institutionellen Bestände. Dass Chief Legal Officer Bernard Shek zudem 600 Aktien im Rahmen eines vorab festgelegten Rule-10b5-1-Handelsplans zu durchschnittlich 1.162,16 US-Dollar verkaufte, ist für sich genommen unauffällig – solche Pläne sind Routine, keine Warnung.

Fazit: Substanz gegen Nervosität

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für die Substanz des Geschäfts sprechen: eine Bruttomarge von 84,6 Prozent, vertraglich abgesicherte Umsätze von fast 94 Milliarden US-Dollar und ein Rückkaufvolumen von 15,5 Milliarden US-Dollar sind keine Zahlen, die man an einem schwachen Geschäftsmodell aufhängt. Der bevorstehende Investor Day am 13. August, auf dem SanDisk die Roadmap für die BiCS10-Technologie und die Skalierung der Enterprise-SSD-Produktion vorstellen will, dürfte zeigen, ob das Management die kurzfristige Skepsis der Wall Street entkräften kann. Die Volatilität dürfte hoch bleiben, solange die NAND-Zykluslogik die Stimmung dominiert – doch die Kombination aus Rekordmargen, langfristigen Verträgen und anhaltendem Rückkaufprogramm spricht gegen die These, hier bahne sich ein struktureller Einbruch an.

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