Sangdong-Start beflügelt Almonty, Lithium-Aktien zeigen sich zweigeteilt

Almonty beginnt mit der Wolframförderung in Sangdong und steigert den Aktienkurs. Lithium- und Graphit-Unternehmen zeigen unterschiedliche Entwicklungen.

Die Kernpunkte:
  • Almonty startet Wolframproduktion in Sangdong
  • Russell-Indexaufnahme und Wandelanleihe abgeschlossen
  • European Lithium treibt Fusion mit Critical Metals voran
  • Standard Lithium erhält 225 Millionen US-Dollar Zuschuss

Bei Almonty läuft seit dieser Woche erstmals verkaufsfähiges Wolframkonzentrat vom Band – ein Wendepunkt für einen Sektor, der lange von Ankündigungen und Fördermittelversprechen lebte. Während der Wolframproduzent damit den Sprung von der Exploration in den operativen Betrieb schafft, kämpfen die vier Lithium- und Graphit-Werte des Sektors noch mit den Mühen der Ebene zwischen Genehmigungsverfahren, Fusionsplänen und dem nächsten Quartalsbericht.

Almonty Industries: Wolframkonzentrat fließt, Sangdong liefert

Der Auslöser für den jüngsten Kurssprung war die Inbetriebnahme der Verarbeitungsanlagen am Sangdong-Standort. Die Aktie legte daraufhin um 13,6 Prozent zu, an der Toronto Stock Exchange schwankte der Kurs zwischen umgerechnet rund 12,85 und 13,25 US-Dollar. Damit zeigt sich, wie stark einzelne Produktionsmeldungen den Kurs derzeit bewegen können.

Neben dem operativen Meilenstein sorgte eine Indexnachricht für Aufmerksamkeit: Almonty soll im Zuge der Russell-Reconstitution 2026 sowohl in den Russell 1000 als auch in den Russell 3000 aufgenommen werden. Parallel schloss das Unternehmen eine überzeichnete Wandelanleihe ab und treibt einen freiwilligen Rückzug von mehreren Börsenplätzen voran, um die eigene Listing-Struktur zu bündeln.

Auf der Bewertungsseite steht Almonty mit einem Aktienkurs nahe 13,12 US-Dollar und einer Marktkapitalisierung von etwa 3,72 Milliarden US-Dollar da, bei weiterhin negativem Gewinnmultiplikator. Auf der kanadischen Notierung wird die Marktkapitalisierung mit umgerechnet 4,401 Milliarden kanadischen Dollar beziffert, dem stehen ein Zwölfmonatsumsatz von 50,01 Millionen kanadischen Dollar und ein Nettoverlust von 132,56 Millionen kanadischen Dollar gegenüber. Analysten rechnen mit einem Gewinnsprung von 300 Prozent im Jahresvergleich, während parallel ein Delisting von der australischen Börse ASX vorbereitet wird.

Neun Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“-Rating mit einem Zwölfmonatsziel von 23,71 US-Dollar, was einem Aufschlag von über 27 Prozent entspräche. Oppenheimer-Analyst Ian Zaffino hatte zuvor sein Kursziel von 22 auf 25 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Outperform“ bestätigt.

Rundblick: European Lithium, Rock Tech, Graphite One und Standard Lithium

European Lithium: Fusion mit Critical Metals nimmt Form an

Die Aktie hat in den vergangenen sieben Tagen um 20,63 Prozent zugelegt und schloss zuletzt bei 0,1836 Euro, ein Plus von 1,89 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 102,65 Prozent zu Buche – getragen vor allem von der geplanten Übernahme durch Critical Metals Corp.

Die vollständige Übernahme in einem reinen Aktientausch soll die österreichischen Lithiumprojekte mit dem Portfolio von Critical Metals bündeln, das über eine Barreserve von 296,3 Millionen US-Dollar verfügt. Critical Metals hat zudem seine Beteiligung am Tanbreez-Seltene-Erden-Projekt in Grönland aufgestockt und ein Beschleunigungsprogramm über 30 Millionen US-Dollar aufgelegt. Auf Explorationsseite bestätigten Untersuchungen an den Projekten Bretstein-Lachtal, Klementkogel und Wildbachgraben hochgradiges Spodumen-Potenzial mit Lithiumoxid-Gehalten von bis zu 3,98 Prozent – geologisch vergleichbar mit dem bekannten Wolfsberg-Projekt.

Der weitere Kursverlauf hängt zunehmend weniger von den eigenen Lithiumvorkommen ab als davon, wie der Markt die künftigen Critical-Metals-Aktien bewertet, die Aktionäre nach Abschluss des Deals erhalten sollen.

Rock Tech Lithium: Angebotskette in Ontario nimmt Gestalt an

Rock Tech Lithium verlor zuletzt 3,24 Prozent und schloss bei 0,3880 Euro. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 15,47 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 17,80 Prozent im Minus. Der Kursdruck bleibt bestehen, obwohl das Unternehmen bei seiner „Mine-to-Converter“-Strategie zuletzt einen wichtigen Schritt vermelden konnte.

Mit dem Schweizer Rohstoffhändler Transamine wurde eine bindende Abnahmevereinbarung geschlossen: Über sieben Jahre ab 2028 soll Spodumenkonzentrat aus dem Georgia-Lake-Projekt in Ontario geliefert werden. Zusätzlich könnte Transamine dem Unternehmen bis zu 80 Millionen US-Dollar als Vorfinanzierung zur Verfügung stellen, noch bevor die Produktion überhaupt anläuft.

CEO Mirco Wojnarowicz bezeichnete die Vereinbarung als Beleg dafür, dass das Unternehmen Ambitionen in konkrete Umsetzung überführe und der integrierten Plattform aus Mine und Konverter einen weiteren Schritt näherkomme. Das deutsche Guben-Projekt bleibt die zweite Säule der Strategie: Die Baugenehmigung liegt vor, zudem wurde es als strategisches Projekt im Rahmen des EU Critical Raw Materials Act anerkannt. Trotz dieser Fortschritte notiert die Aktie an der TSX Venture Exchange weiterhin unter Druck.

Graphite One: Genehmigungsuhr tickt Richtung September

Graphite One legte gestern um 7,30 Prozent zu und schloss bei 0,5730 Euro – auf Wochensicht ein Plus von 10,83 Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt die Bilanz mit einem Minus von 54,34 Prozent aber deutlich negativ.

Das Alaska-Projekt Graphite Creek läuft weiter nach dem Zeitplan des föderalen FAST-41-Programms, das eine Entscheidung der US-Bundesbehörden für den 29. September 2026 vorsieht. Aufgenommen wurde das Projekt bereits im Juni 2025, der detaillierte Zeitplan folgte im August desselben Jahres. Federführend prüft das US Army Corps of Engineers, dessen Verfahren laut dem föderalen Genehmigungs-Dashboard weiterhin laufen. Parallel plant Graphite One eine Verarbeitungsanlage in Ohio, deren Umsetzung von der Projektfinanzierung abhängt.

Je nach Börsenplatz bewegt sich die Marktkapitalisierung zwischen 180 und 225 Millionen US-Dollar. Auf der kanadischen Notierung nennen Analysten ein Kursziel von 2,50 kanadischen Dollar – eine Lücke zum aktuellen Niveau, die vor allem den Ausgang des Genehmigungsverfahrens widerspiegelt.

Standard Lithium: Washingtons Favorit vor Zahlen

Standard Lithium gewann gestern 3,05 Prozent und schloss bei 1,96 Euro, nach einem Wochenplus von 10,60 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Rückgang von 50,89 Prozent zu Buche. Politisch gilt das Unternehmen derzeit als einer der am stärksten unterstützten Namen im Sektor im Wettlauf mit Exxon Mobil um die erste kommerzielle Lithiumproduktion in Arkansas.

Drei US-Senatoren bezeichneten Standard Lithium kürzlich als einziges Unternehmen mit erprobter DLE-Technologie und einem eingespielten Team in diesem Bereich. Das US-Energieministerium bewilligte zudem einen Zuschuss von 225 Millionen US-Dollar zur Weiterentwicklung der Lithiumverarbeitung aus der Smackover-Formation.

Operativ hat das Gemeinschaftsunternehmen mit Equinor bereits mehr als eine Million Barrel Sole aus der Anlage in Arkansas verarbeitet und mit Trafigura einen ersten bindenden Zehnjahresvertrag über 8.000 Tonnen jährlich abgeschlossen – das entspricht über 40 Prozent der angestrebten Abnahmemenge für das Southwest-Arkansas-Projekt. Finanziell bleibt die Lage angespannt: Im jüngsten Quartal fiel ein Nettoverlust von 2,7 Millionen US-Dollar an, eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fünf Analysten sehen die Aktie im Schnitt bei „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 5,18 US-Dollar, was einem Aufschlag von über 150 Prozent entspräche. Die nächsten Quartalszahlen stehen unmittelbar bevor und dürften Aufschluss über den Finanzierungsfortschritt in Südwest-Arkansas geben.

Sektordynamik: Fünf Wege durch den Rohstoffzyklus

Die fünf Werte stehen an klar unterschiedlichen Punkten der Entwicklungskurve, was die aktuelle Kursstreuung erklärt:

  • Almonty: einziger echter Produzent mit Cashflow-Sichtbarkeit, zusätzlich getrieben durch Indexaufnahme und Delisting-Strategie
  • Standard Lithium: staatlich unterstützt durch Fördermittel und Trafigura-Abnahmevertrag, aber weiterhin vorbörslich und verlustträchtig
  • Rock Tech Lithium: abhängig von externer Validierung durch Transamine-Vorfinanzierung und EU-Anerkennung für Guben
  • Graphite One: Kursverlauf eng an den föderalen Genehmigungsfahrplan gekoppelt
  • European Lithium: Bewertung hängt kaum noch an eigenen Lithiumvorkommen, sondern am Fusionsabschluss mit Critical Metals

Der gemeinsame Nenner bleibt die Bereitschaft westlicher Regierungen, kritische Rohstoffprojekte finanziell und regulatorisch abzusichern – ob über Zuschüsse des US-Energieministeriums, beschleunigte Genehmigungsverfahren oder EU-Programme. In Kursgewinne übersetzt sich das bislang nicht einheitlich: Mehrere Entwicklungswerte notieren trotz zunehmender Meilensteine weiterhin deutlich unter ihren Jahreshöchstständen.

Ausblick: Diese Termine zählen jetzt

Die kommenden Wochen liefern für jeden der fünf Werte konkrete Anhaltspunkte. Standard Lithiums anstehender Quartalsbericht dürfte Klarheit über den Finanzierungsweg für Südwest-Arkansas schaffen. Graphite Ones Genehmigungsfahrplan läuft auf die Entscheidung Ende September zu, die die Stimmung rund um Graphite Creek deutlich verschieben könnte.

Bei Rock Tech Lithium dürften weitere Finanzierungs- oder Partnerschaftsmeldungen folgen, während das Unternehmen die Transamine-Vereinbarung in konkrete Baufortschritte umsetzen will. European-Lithium-Aktionäre blicken auf die Abstimmung über das Übernahmeschema und den für die zweite Jahreshälfte 2026 erwarteten Abschluss der Critical-Metals-Transaktion. Almonty selbst hat sich unterdessen endgültig vom reinen Entwicklungswert zum operativen Produzenten gewandelt – der Sangdong-Hochlauf, die Russell-Indexaufnahme und die laufenden Delisting-Pläne dürften die Nachrichtenlage rund um den Wolframproduzenten in den kommenden Monaten prägen.

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