SAP: 1,89 Euro Gewinn pro Aktie im Q2

SAP zieht personelle Konsequenzen aus Interessenkonflikt bei KI-Partnerschaft. Trotz starker Cloud-Zahlen senkt der Konzern seine Ergebnisprognose für 2026.

Die Kernpunkte:
  • Personelle Konsequenzen nach Interessenkonflikt
  • Cloud-Auftragsbestand wächst um 27 Prozent
  • Ergebnisprognose für 2026 gesenkt
  • Kartellamt stellt Verfahren gegen SAP ein

SAP hat einem Medienbericht zufolge personelle Konsequenzen aus einem internen Interessenkonflikt gezogen. Der Softwarekonzern hatte öffentlich seine Partnerschaft mit dem Automatisierungsspezialisten n8n gefeiert, während ein internes Team offenbar parallel an einem Konkurrenzprodukt arbeitete.

Der Vorstand reagierte auf den Vorgang und zog Konsequenzen, wie am Mittwoch berichtet wurde. Details zur Art der Maßnahmen wurden nicht bekannt, der Vorfall wirft aber ein Schlaglicht darauf, wie stark SAP derzeit unter Druck steht, seine KI- und Automatisierungsstrategie glaubwürdig nach außen zu vertreten – während intern offenbar mehrere Teams an ähnlichen Lösungen arbeiten.

Starke Zahlen liefern das Gegengewicht

Der Vorfall trifft SAP in einer Phase operativer Stärke. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn pro Aktie von 1,89 Euro, deutlich mehr als die 1,45 Euro im Vorjahresquartal.

Der Cloud-Auftragsbestand kletterte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Die Clouderlöse legten um 22 Prozent zu, bereinigt um Währungseffekte sogar um 24 Prozent. Diese Wachstumsdynamik ist der Kern der Erzählung, die den Kurs seit dem Sommertief getragen hat.

Etwas Wasser in den Wein schüttete SAP allerdings bei der Ergebnisprognose: Das Non-IFRS-Betriebsergebnis soll 2026 nur noch zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro liegen, rund 100 Millionen Euro unter der bisherigen Planung.

Verantwortlich dafür sind laut Unternehmensangaben allein die Kosten für zwei Zukäufe – den Data-Lakehouse-Spezialisten Dremio und den KI-Entwickler Prior Labs. Beide Übernahmen sollen die Datenplattform stärken und den neuen AI Agent Hub beschleunigen, also genau jenes Feld, in dem sich der n8n-Vorfall zugetragen hat.

Parallel dazu treibt SAP sein Aktienrückkaufprogramm voran. Bis zum 30. Juni wurden gut 16,28 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurückgekauft, das entspricht einem Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro im Rahmen der ersten Tranche des auf 2026 und 2027 angelegten 10-Milliarden-Euro-Programms.

Für Anleger ist das ein doppeltes Signal: Der Vorstand sieht die Aktie trotz der jüngsten Kursschwäche als unterbewertet an und stützt zugleich technisch die Nachfrage.

Regulatorischer Druck lässt nach

Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Regulatorik. Das Bundeskartellamt stellte sein Missbrauchsverfahren gegen SAP ohne Auflagen ein und beseitigte damit ein Risiko, das monatelang auf der Bewertung des Softwarekonzerns gelastet hatte.

Bereits Anfang Juli hatte die Europäische Kommission ihre Überprüfung der Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen abgeschlossen. Beide Entwicklungen nehmen regulatorische Unsicherheit von der Aktie, die zuvor als Belastungsfaktor galt.

Kursbild: Kräftige Erholung, aber noch Luft nach oben

Die Aktie notiert aktuell bei 179,30 Euro und legt am heutigen Montag um 0,47 Prozent zu. Allein in den vergangenen 30 Tagen hat das Papier um 29,65 Prozent zugelegt – eine bemerkenswerte Erholung nach dem Kurstief im Juli.

Zum 52-Wochen-Hoch von 251,70 Euro, das im August vergangenen Jahres markiert wurde, fehlen der Aktie aber noch immer knapp 29 Prozent, seit Jahresbeginn steht weiterhin ein deutliches Minus. Kurzfristige technische Indikatoren deuten inzwischen auf eine überkaufte Lage hin, was das Tempo der Rally infrage stellen könnte.

In diesem Umfeld hatte Barclays am 28. Juli sein Kursziel für SAP gesenkt, begründet mit kurzfristigen Unsicherheiten bei den Kosten – bestätigte aber die Kaufempfehlung „Overweight“. Die nächste Standortbestimmung liefert SAP mit den Ergebnissen zum dritten Quartal, die für den 21. Oktober angesetzt sind. Bis dahin dürfte der n8n-Vorfall zeigen, wie ernst es der Konzern mit interner Disziplin in seiner KI-Strategie tatsächlich nimmt.

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