SAP Aktie: 10 Milliarden Euro Rückkauf bis 2027
SAP kauft eigene Aktien zurück und finanziert KI-Zukäufe aus dem Cashflow, während US-Konkurrenten ihre Infrastruktur zunehmend über Anleihen hebeln.

- SAP kauft weitere 50.000 Aktien
- Cloud-Umsatz wächst um 22 Prozent
- US-Hyperscaler finanzieren KI über Schulden
- Prognose leicht gesenkt nach Übernahmen
Während in den USA der KI-Boom über Anleihen finanziert wird, geht SAP einen anderen Weg. Fast 70 Prozent der 456 Milliarden Dollar, die 2026 in die KI-Infrastruktur der Hyperscaler fließen, stammen aus Investment-Grade-Anleihen – mehr als doppelt so viel wie noch 2025. Oracle etwa lässt seine Kreditausfallversicherungen mittlerweile mit einem Aufschlag von 2,13 Prozent handeln, vor einem Jahr waren es 0,43 Prozent.
Der Optimismus rund um künstliche Intelligenz wird zunehmend auf Pump finanziert. SAP dagegen kauft in dieser Woche erneut eigene Aktien zurück – ein Kontrastprogramm, das etwas über die Verfassung des Konzerns verrät.
Konkret hat SAP zwischen dem 17. und 21. August weitere 50.000 Aktien über XETRA erworben, täglich 10.000 Stück, zu einem Durchschnittskurs von 182,93 Euro. Das Volumen dieser vierten Zwischenmeldung zum laufenden Programm liegt bei rund 9,15 Millionen Euro, insgesamt hat SAP damit bereits 5.178.529 Aktien zurückgekauft.
Das Rückkaufprogramm ist auf bis zu 10 Milliarden Euro bis 2027 angelegt – ein Signal, dass der Vorstand die eigene Aktie trotz der jüngsten Kursschwäche für unterbewertet hält.
Eine Rally gerät ins Stocken
Der Aktienrückkauf fällt in eine Phase, in der die monatelange Erholung der SAP-Aktie an Schwung verliert. Seit dem Jahrestief bei 127,50 Euro hat das Papier rund 47 Prozent zugelegt, notiert am Dienstag aber mit einem Minus von knapp einem Prozent bei 184,84 Euro. Das ist keine dramatische Entwicklung, aber ein Innehalten nach einer beeindruckenden Aufholjagd.
Analysten bleiben trotzdem mehrheitlich zuversichtlich: Elf Kaufempfehlungen stehen zwei Halten- und einer Verkaufsempfehlung gegenüber, das mittlere Kursziel liegt bei 196 Euro, die Spanne reicht von 164 bis 215 Euro.
Die operative Basis dafür liefert das zweite Quartal 2026: Der Cloud-Umsatz wuchs um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz kletterte auf 9,88 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite brachen die klassischen Softwarelizenzen um 32 Prozent ein – ein Beleg dafür, wie konsequent SAP den Umbau zum Cloud-Anbieter vorantreibt, mit allen Nebenwirkungen für das alte Geschäft.
Die Prognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 hat der Konzern leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro angepasst, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Grund sind Mehrkosten von über 100 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Übernahmen von Dremio und Prior Labs – Zukäufe, die die KI- und Datenstrategie des Konzerns absichern sollen.
Rückkäufe statt Schuldenparty
Genau hier liegt der eigentliche Kontrast zum amerikanischen KI-Finanzierungsmodell. Während Oracle, Alphabet und andere Hyperscaler ihre Infrastrukturwetten zunehmend über Fremdkapital hebeln – die Rendite zehnjähriger Hyperscaler-Anleihen mit Fälligkeit 2035 liegt inzwischen bei 5,7 Prozent, mit einem gegenüber US-Staatsanleihen deutlich gewachsenen Renditeaufschlag –, finanziert SAP seine Zukäufe aus dem laufenden Geschäft und lässt gleichzeitig Kapital an die Aktionäre zurückfließen. Das ist keine Garantie gegen Rückschläge, aber es ist ein anderes Risikoprofil.
Auch strategisch bewegt sich SAP auf mehreren Feldern gleichzeitig: Eine Allianz mit Fraunhofer soll die Cloud-Ambitionen stärken, Accenture baut seine SAP- und KI-Expertise im deutschen Mittelstand aus.
Dass es dabei nicht überall reibungslos läuft, zeigt der Fall des Kunden Arbonia, der laut Marktbeobachtern als Warnsignal gilt. CEO Klein selbst hat zuletzt Insiderkäufe getätigt – ein Vertrauensbeweis, der neben dem Rückkaufprogramm für sich spricht.
Bleibt die Frage, ob SAP mit seiner konservativeren Finanzierungsstrategie am Ende besser durch eine mögliche Korrektur der KI-Bewertungen kommt als jene Wettbewerber, die sich tief in den Anleihemarkt begeben haben. Eine Antwort darauf gibt der Markt erst, wenn der Wind dreht.
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