SAP Aktie: 20 Prozent Minus in zwölf Monaten
SAP steigert Cloud-Umsatz und Auftragsbestand deutlich, muss wegen Übernahmen jedoch das Gewinnziel für 2026 nach unten anpassen.

- Cloud-Umsatz wächst währungsbereinigt um 24 Prozent
- Auftragsbestand erreicht 22,9 Milliarden Euro
- Dremio und Prior Labs übernommen
- Aktie binnen zwölf Monaten 20 Prozent schwächer
SAP verstärkt sein Geschäft mit künstlicher Intelligenz durch mehrere Zukäufe, während die Aktie unter dem Niveau von vor einem Jahr notiert. Der Softwarekonzern zahlt damit auch den Preis für ambitioniertes Wachstum: Die Investitionen drücken kurzfristig auf die Profitabilität, sollen aber langfristig die Marktposition festigen.
Cloud-Geschäft wächst zweistellig
Die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht am 23. Juli, zeigen ein Unternehmen mit intaktem operativem Momentum. Der Cloud-Umsatz legte währungsbereinigt um 24 Prozent zu, das Segment Cloud ERP Suite sogar um 27 Prozent.
Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der sogenannte Current Cloud Backlog, stieg währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte SAP die Cloud-Umsatzprognose von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bei konstanten Wechselkursen, was einem Plus von 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.
Bei der Gewinnprognose musste der Konzern allerdings nachjustieren. Die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs verwässern das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 um mehr als 100 Millionen Euro.
SAP passte die Guidance entsprechend an: Statt der ursprünglichen Zielspanne rechnet der Konzern nun mit 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro Non-IFRS-Operating-Profit bei konstanten Währungen, ein Zuwachs von 13 bis 17 Prozent gegenüber 2025.
Zukäufe zielen auf agentische KI
Die Übernahmen der vergangenen Monate folgen einer klaren Linie. Mit Dremio, einer Data-Lakehouse-Plattform, für die SAP rund 0,5 Milliarden Euro in bar zahlte, erweitert der Konzern seine Fähigkeiten im Bereich agentischer KI-Systeme und kann künftig Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Umgebungen leichter kombinieren.
Bei Prior Labs, einem Spezialisten für tabellarische KI-Modelle, investiert SAP über die kommenden vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro. Das Unternehmen soll dabei als eigenständige Einheit weiterarbeiten.
Bereits im Mai hatte SAP die Übernahme von Reltio abgeschlossen, einem Anbieter für Master-Data-Management-Software. Ziel ist es, Kunden dabei zu unterstützen, ihre Unternehmensdaten aus verschiedenen Systemen für den KI-Einsatz aufzubereiten. Zusammengenommen zeichnen die Zukäufe das Bild eines Konzerns, der seine Dateninfrastruktur konsequent auf den KI-getriebenen Wandel ausrichtet – auch wenn das kurzfristig Kosten verursacht.
Auf Kundenseite zeigt sich die Strategie in konkreten Projekten: Lockheed Martin setzt auf SAP-SuccessFactors-Lösungen für die Transformation seiner Personalprozesse, der Elektronikkonzern HARTING beschleunigt seine Cloud-Migration mit RISE with SAP.
Aktie spiegelt Skepsis am Markt
Von der operativen Stärke ist an der Börse zuletzt wenig zu spüren. Die Aktie notiert aktuell bei 178,48 Euro und liegt damit binnen zwölf Monaten 20 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang 15 Prozent. Auch die vergangene Handelswoche verlief schwach, der Kurs verlor gegenüber dem Vorwochenniveau 4,1 Prozent.
Ein Insider hatte Ende August bei einem Kurs von 178,30 Euro 1.500 Aktien im Gesamtvolumen von rund 267.000 Euro erworben – ein Signal, das angesichts des seither nahezu unveränderten Kursniveaus bislang keine Trendwende ausgelöst hat.
Die Skepsis großer Häuser bleibt ebenfalls bestehen: UBS-Analyst Michael Briest bestätigte Anfang September seine neutrale Einstufung mit einem Kursziel von 201 Euro und begründete die Zurückhaltung mit nur kleinen Fortschritten bei der Integration von KI-Assistenten in die Produktpalette.
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