SAP Aktie: 23. Juli entscheidet über Cloud-Wachstum

SAP investiert Milliarde in KI-Startup Prior Labs. Quartalszahlen am 23. Juli entscheiden über Kurswende nach IBM-Warnung.

Die Kernpunkte:
  • Milliardeninvestition in KI-Integration
  • IBM-Gewinnwarnung belastet SAP-Kurs
  • EU stellt Kartellverfahren gegen SAP ein
  • Cloud-Umsatzwachstum von 22% erwartet

SAP hat sich das Freiburger KI-Startup Prior Labs gesichert und damit unmittelbar vor der Vorlage der Quartalszahlen ein deutliches Signal in Richtung Künstliche Intelligenz gesetzt. Prior Labs ist auf tabellarische KI spezialisiert, SAP plant über die kommenden vier Jahre Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro in die Integration der Technologie. Der Markt reagierte zunächst verhalten: Die Aktie schloss am Freitag bei 138,50 Euro und verlor auf Tagessicht 1,81 Prozent.

IBM-Gewinnwarnung drückt auf die Stimmung

Belastet wurde der Kurs nicht allein durch Bewertungsfragen rund um die Übernahme, sondern auch durch eine Gewinnwarnung von IBM, die den gesamten Softwaresektor unter Druck setzte. Für SAP kommt das zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Auf Jahressicht steht die Aktie mit 33,53 Prozent im Minus, und der Titel notiert derzeit rund 21,46 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt.

Immerhin gibt es auch entlastende Nachrichten: Die EU-Kommission hat am 9. Juli 2026 ein Kartellverfahren gegen SAP eingestellt. Zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro, das noch bis zum 31. Juli 2026 fortgeführt werden soll und damit zumindest technische Unterstützung für den Kurs bietet.

Q2-Zahlen am 23. Juli im Fokus

Die eigentliche Weichenstellung für die Aktie dürfte jedoch erst am 23. Juli 2026 fallen, wenn SAP nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vorlegt. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Cloud-Umsatzwachstum von 22 Prozent – eine Zahl, die als zentraler Gradmesser dafür gilt, ob das Kerngeschäft von SAP trotz des schwierigen Marktumfelds an Fahrt gewinnt. Sollte SAP diese Erwartung bestätigen oder gar übertreffen, könnte dies dem angeschlagenen Kurs neuen Auftrieb geben.

Morningstar bewertet die Aktie in seiner Analyse mit einem fairen Wert von 265 Euro und vergibt ein Drei-Sterne-Rating. Diese Einschätzung signalisiert eine angemessene, aber nicht außergewöhnlich attraktive Bewertung relativ zum ermittelten fairen Wert – ein deutlich zurückhaltenderes Bild als es der rechnerische Abstand zum aktuellen Kursniveau zunächst vermuten lässt. Parallel dazu warnt eine technische Prognose vor einem möglichen weiteren Rückgang in den kommenden vier Wochen auf ein Kursband zwischen 112 und 138 Euro, sollte sich die Schwäche fortsetzen.

Strukturelle Rückenwind-Faktoren für Cloud-Anbieter

Für den europäischen Softwaremarkt insgesamt zeichnet sich derweil ein Trend ab, der auch SAP zugutekommen könnte: Eine Umfrage von Myra Security und Civey unter deutschen IT-Entscheidern zeigt, dass mittlerweile 90 Prozent europäische Digitalprodukte für Staat und kritische Infrastruktur fordern. Nur noch 4,6 Prozent schließen europäische Software explizit aus, im Vorjahr waren es noch 47,7 Prozent. Knapp 40 Prozent der befragten deutschen Unternehmen führen bereits EU-Lösungen ein, gegenüber gut 20 Prozent im Jahr zuvor. Dieser Trend zur digitalen Souveränität dürfte europäischen Anbietern wie SAP mittelfristig eine strukturelle Nachfragebasis verschaffen, auch wenn er kurzfristig keine unmittelbare Kurswirkung entfaltet.

Für risikofreudigere Anleger existiert zudem ein Bonus-Zertifikat mit der WKN DN1P3N, das bei einer Barriere von 110 Euro eine Rendite von 34,7 Prozent per annum bis zum 18. Juni 2027 in Aussicht stellt – ein Produkt, das auf eine Stabilisierung der Aktie oberhalb dieser Marke setzt.

Insgesamt bündeln sich bei SAP damit mehrere Entwicklungslinien: die strategische KI-Offensive durch Prior Labs, die regulatorische Entlastung durch das eingestellte Kartellverfahren, laufende Kapitalrückführungen über den Aktienrückkauf – und die bevorstehenden Quartalszahlen als kurzfristiger Belastungs- oder Erholungstest. Wie der Markt die Kombination aus KI-Investition und Cloud-Wachstum bewertet, dürfte sich spätestens am 23. Juli zeigen.

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