SAP Aktie: 23. Juli im Fokus

SAP-Aktie verliert fast die Hälfte ihres Wertes. Analysten sind uneins, während der Cloud-Umsatz wächst und eine BSI-Zulassung das Behördengeschäft stärkt.

Die Kernpunkte:
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief
  • Jefferies senkt Kursziel
  • Cloud-Umsatz steigt deutlich
  • BSI-Zulassung für Behörden

Fast die Hälfte des Kurswerts ist weg. SAP notiert rund 47 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 266 Euro — und bewegt sich knapp über dem Jahrestief. Bis zum 23. Juli schweigt Walldorf. Dann kommen die Halbjahreszahlen.

Jefferies kürzt Kursziel, bleibt aber bullish

Jefferies-Analyst Charles Brennan senkte das Kursziel von 230 auf 210 Euro. Die Kaufempfehlung behielt er. Als Hauptgrund nennt er kein SAP-spezifisches Problem, sondern ein schwaches Umfeld für europäische Software insgesamt. Die Q2-Berichtssaison dürfte laut Jefferies wenig Schwung bringen.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte CEO Christian Klein. In einem Interview skizzierte er eine Zukunft, in der in drei bis vier Jahren „niemand mehr Software entwickelt“. Die Aussage befeuerte Sorgen um das klassische Lizenzmodell.

Das Analystenlager ist gespalten. UBS und Berenberg empfehlen den Kauf, Berenberg mit einem Kursziel von 215 Euro. JP Morgan hält bei „Neutral“. Die DZ Bank empfiehlt seit April den Verkauf. Morningstar bewertet die Aktie mit fünf Sternen als deutlich unterbewertet und attestiert SAP einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Quiet Period, dünnes Volumen, angespannte Stimmung

Seit dem 22. Juni gilt die Quiet Period. Bis zur Ergebnisveröffentlichung am 23. Juli gibt es keine Aussagen zu Umsatz, Margen oder Prognosen. Die Telefonkonferenz für Analysten folgt um 23:00 Uhr.

Das Handelsvolumen war zuletzt auffällig gering — zeitweise nur rund ein Viertel des üblichen Tagesvolumens. Der Kursrückgang kam also nicht durch Panikverkäufe, sondern durch ruhigen, anhaltenden Abgabedruck. Am Freitag legte die Aktie 3,94 Prozent auf 135,96 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht sie mit rund 33 Prozent im Minus.

Q1 war solide — reicht das als Fundament?

Im ersten Quartal stieg der Gesamtumsatz um rund 6 Prozent auf 9,56 Milliarden Euro. Die Cloud-Umsätze kletterten währungsbereinigt um 27 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro. Der Cloud-Backlog lag bei 21,9 Milliarden Euro.

Das Problem: Selbst besser als erwartete Zahlen haben zuletzt keine Kursgewinne ausgelöst. Die Frage ist, ob SAP im Juli das Wachstumstempo im Cloud-Geschäft bestätigen kann — und ob das reicht, um skeptische Investoren umzustimmen.

BSI-Zulassung stärkt Behördengeschäft

Abseits der Börsendebatte hat SAP im Juni einen regulatorischen Meilenstein erreicht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erteilte der SAP Cloud Infrastructure in Walldorf die Einsatzerlaubnis für die Verarbeitung von Verschlusssachen der Stufe „Nur für den Dienstgebrauch“. SAP ist damit nach eigenen Angaben der einzige Anbieter, auf dessen Plattform SAP-Anwendungen und Kundenanwendungen VS-NfD-konform betrieben werden können.

Die Zulassung ist ein Zwischenschritt. Sie bildet die Grundlage für die vollständige BSI-Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz. Für das Behörden- und Verteidigungsgeschäft könnte das langfristig ein echter Wachstumshebel sein — kurzfristig richten sich alle Augen auf den 23. Juli.

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