SAP Aktie: 30 Prozent Jahresrückgang trotz Cloud-Boom

SAP verliert trotz Rekordaufträgen und Behördenzulassung massiv an Börsenwert. Oracle-Konkurrenz und Sektorflaute belasten den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Wöchentlicher Kursverlust von zehn Prozent
  • Exklusives BSI-Zertifikat für Cloud-Dienste
  • Cloud-Erlöse steigen um 27 Prozent
  • Anleihe bringt 3,5 Milliarden Euro ein

Starke Nachfrage, schwache Kurse. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Softwarekonzern sichert sich einen wichtigen Zugang zum Behördenmarkt. Die Aktionäre fliehen trotzdem.

Am vergangenen Freitag schloss das Papier bei 141,52 Euro. Auf Wochensicht verlor der Titel gut zehn Prozent. Seit Jahresbeginn brach der Kurs um knapp 30 Prozent ein. Die Aktie notiert damit gefährlich nah am Jahrestief von Mitte Mai.

Flucht trotz solider Zahlen

Dabei punktet das Unternehmen operativ. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erteilte SAP ein exklusives Zertifikat für Cloud-Dienste. Behörden dürfen nun sensible Daten der Kategorie „Nur für den Dienstgebrauch“ in heimischen Rechenzentren verarbeiten. Dieser Schritt stärkt die digitale Souveränität Europas.

Parallel dazu wächst der Wettbewerbsdruck. Konkurrent Oracle kündigte massive Investitionen in seine KI-Infrastruktur an. Bis 2027 fließen dort bis zu 95 Milliarden US-Dollar. Das drückt die Stimmung im gesamten Sektor.

Die eigenen Bücher zeigen ein anderes Bild als der Aktienkurs. Im ersten Quartal kletterten die Cloud-Erlöse währungsbereinigt um 27 Prozent. Der gesamte Auftragsbestand erreichte 21,9 Milliarden Euro. Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr einen freien Cashflow von rund zehn Milliarden Euro.

Um das Wachstum zu finanzieren, platzierte das Management im Mai eine Anleihe. Diese spülte 3,5 Milliarden Euro in die Kassen.

Wichtige Termine im Juni

In dieser Woche stehen zwei konkrete Termine an. Am 16. Juni präsentiert der Partner Seeburger neue KI-Lösungen für SAP-Prozesse. Große Sprachmodelle sollen die Durchlaufzeiten bei der Kontierung um bis zu 80 Prozent senken.

Einen Tag später thematisiert der Konzern das kommende deutsche E-Rechnungs-Mandat. Ein offizielles Webinar zeigt, wie Kunden den Rechnungsverkehr im SAP Business Network technisch anpassen müssen. Diese regulatorischen Vorgaben zwingen Anwender zum Handeln. Sie sichern SAP planbare Einnahmen in einem hochvolatilen Marktumfeld.

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