SAP Aktie: 33,53% Minus seit Jahresbeginn

SAP investiert über eine Milliarde Euro in den KI-Spezialisten Prior Labs. Die Aktie notiert trotz operativem Wachstum nahe ihrem Jahrestief.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenschwere Übernahme von Prior Labs
  • TabPFN-Modell für Geschäftsdaten im Fokus
  • SAP-Aktie fällt auf Jahrestiefststände
  • Cloud-Geschäft wächst um 27 Prozent

Der Softwarekonzern bestätigte den Abschluss der bereits am 4. Mai 2026 unterzeichneten Transaktion, in die SAP über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro investiert. Prior Labs soll dabei als eigenständige Einheit weiterarbeiten.

Das 2024 gegründete Startup wurde von Frank Hutter, Noah Hollmann und Sauraj Gambhir aufgebaut und unterhält Standorte in Freiburg, Berlin und New York. Im Zentrum steht das TabPFN-Modell, ein sogenanntes Tabular Foundation Model für strukturierte Geschäftsdaten, das in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde und bereits mehr als vier Millionen Downloads verzeichnet. Prior Labs wird von einem Beirat begleitet, dem unter anderem Yann LeCun und Bernhard Schölkopf angehören. Für SAP ist es nach den Zukäufen von Reltio und Dremio bereits die nächste Akquisition im Bereich Daten und Künstliche Intelligenz.

Aktie bleibt trotz Zukauf unter Druck

Auf den Kurs hatte die Nachricht zunächst kaum Einfluss. Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 138,50 Euro und büßte damit 1,81 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 33,53 Prozent zu Buche. Der Titel notiert derzeit rund 4,3 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 144,72 Euro und damit spürbar unter dem kurzfristigen Trend. Zum bisherigen Jahrestief von 130,80 Euro, markiert am 25. Juni 2026, beträgt der Abstand nur noch knapp sechs Prozent – die Aktie bewegt sich also nahe ihrer Jahrestiefstände.

Der Kursverfall reicht deutlich weiter zurück: Seit ihrem Allzeithoch von rund 284 Euro im Februar 2025 hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Hintergrund ist eine verbreitete Sorge, wonach generative KI-Anwendungen klassische Unternehmenssoftware und damit auch SAPs Geschäftsmodell unter Druck setzen könnten. Verstärkt wurde diese Furcht zuletzt durch eine Gewinnwarnung von IBM, deren Aktie daraufhin binnen einer Woche um rund 25 Prozent einbrach.

Operative Zahlen stützen die Wachstumsstory

Fundamental zeichnet SAP allerdings ein robusteres Bild. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 12 Prozent, das operative Ergebnis (EBIT) legte um 24 Prozent zu, bei einer Marge von über 30 Prozent. Das Cloud-Geschäft, SAPs strategischer Wachstumstreiber, expandierte um 27 Prozent. SAP-Chef Christian Klein zeigte sich in diesem Zusammenhang unbeeindruckt von der KI-Debatte und setzt auf die Vision eines autonomen Konzerns, in dem KI-Agenten Geschäftsprozesse eigenständig steuern. Die bislang verfolgte Cloud-first-Strategie wird dabei teilweise angepasst: Eine neue Plattform soll künftig auch für Kunden mit On-Premise-Installationen verfügbar sein.

Trotz der Kursverluste bewerten Analysten die Aktie mehrheitlich positiv. Von 24 Beobachtern vergeben 20 ein Buy- und zwei ein Overweight-Rating, sechs stufen den Titel als Hold ein, lediglich einer rät zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 202 Euro, wobei die Einzelschätzungen zwischen 130 und 290 Euro streuen – eine Spanne, die die aktuelle Unsicherheit über die Auswirkungen der KI-Konkurrenz auf das Kerngeschäft widerspiegelt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 6,7 ist die Aktie nach den jüngsten Rückschlägen zudem deutlich günstiger bewertet als noch vor eineinhalb Jahren.

Die Prior-Labs-Übernahme soll SAPs Position im Bereich datengetriebener KI-Anwendungen stärken und ist Teil einer Serie von Zukäufen, mit denen der Konzern seine Antwort auf die Disruptionsängste der Investoren formuliert. Ob dies ausreicht, um das verlorene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, dürfte sich auch an den kommenden Quartalszahlen zeigen.

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