SAP Aktie: 3,4-Milliarden-Bußgeld könnte entfallen

Im EU-Kartellverfahren zeichnet sich eine Einigung für SAP ab. Analysten bleiben trotz Kursrutschs gespalten, während die KI-Offensive voranschreitet.

Die Kernpunkte:
  • EU-Kommission prüft SAP-Zusagen
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief
  • Analysten uneins über Kursentwicklung
  • KI-Plattform Joule Studio 2.0 gestartet

SAP könnte bald eine schwere Last loswerden. Im Kartellverfahren der EU-Kommission zeichnet sich eine gütliche Einigung ab — und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie auf historischen Tiefständen notiert.

EU-Verfahren nähert sich dem Ende

Die Kommission untersucht, ob SAP den Wettbewerb im Markt für ERP-Wartungsdienstleistungen behindert hat. Ein Bußgeld hätte bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen können — rund 3,4 Milliarden Euro auf Basis der 2024er Zahlen.

Um das zu verhindern, hat SAP Verpflichtungszusagen vorgelegt. Kernpunkte: mehr Wahlfreiheit für Kunden bei der Wahl ihrer Wartungsdienstleister und flexiblere Lizenzbedingungen. Die Kommission prüft diese Zusagen nun in einer Marktprüfung. Erheben Wettbewerber und Kunden keine wesentlichen Einwände, könnte das Verfahren ohne Sanktionen eingestellt werden. Parallel läuft in den USA ein separates Verfahren des Konkurrenten Celonis — wegen ähnlicher Vorwürfe rund um SAPs Prozessanalyse-Software Signavio.

Analysten zwischen Skepsis und Optimismus

Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Die Aktie schloss am Dienstag bei 134,94 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 33,20 Prozent.

Jefferies-Analyst Charles Brennan spricht von einer „Mauer der Sorgen“ im europäischen Softwaresektor. Er senkte sein Kursziel auf 210 Euro, hält aber an seiner Kaufempfehlung fest. Sein Argument: Der Markt hat bereits viele Risiken eingepreist. Zeigen die nächsten Quartalszahlen eine Stabilisierung der Margen, könnte die Stimmung kippen. Berenberg sieht den fairen Wert bei 215 Euro, Bernstein sogar bei 276 Euro. Die DZ Bank rät seit April zum Verkauf.

KI-Offensive trotz Kursdruck

Das Management treibt die Transformation weiter voran. Im Juni startete der Rollout von Joule Studio 2.0. Unternehmenskunden können damit eigene KI-Agenten entwickeln, die komplexe Geschäftsprozesse eigenständig ausführen. SAP wandelt sich so schrittweise von einem Softwareanbieter zur KI-Plattform.

Ferner baut der Konzern sein Partnernetzwerk aus. Ende Juni bestätigte das Technologieunternehmen FPT seinen neuen Silber-Partnerstatus im SAP-PartnerEdge-Programm. Die Zusammenarbeit soll die Implementierung von Cloud-Lösungen bei europäischen Großkunden beschleunigen.

Blick auf den 23. Juli

Technisch bleibt die Lage angespannt. Der RSI liegt bei 40,1 — eine Schwächephase, aber noch kein Extremwert, der eine schnelle Gegenbewegung erzwingen würde. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt über 26 Prozent.

Am 23. Juli legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin gilt die Quiet Period. Im Mittelpunkt stehen dann der Cloud-Auftragsbestand — zuletzt 21,9 Milliarden Euro — sowie die operative Marge. Übertrifft SAP die gedämpften Erwartungen, könnte die Bodenbildung um die 130-Euro-Marke als abgeschlossen gelten.

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