SAP Aktie: 40-Prozent-Erholung vom Juli-Tief
SAP-Aktie erholt sich stark vom Mehrjahrestief, doch Analystenziele klaffen zwischen 120 und 215 Euro auseinander. Der RSI signalisiert Überkauftheit.

- Sechs Kaufempfehlungen, ein Verkaufsvotum
- Kurszielspanne von 120 bis 215 Euro
- Cloud-Umsatz wächst um 22 Prozent
- RSI bei 74,8 signalisiert Überkauftheit
Sechs Kaufempfehlungen, eine Verkaufsempfehlung und eine Kurszielspanne von 120 bis 215 Euro: Bei kaum einem deutschen Schwergewicht liegen die Einschätzungen der Analysten derzeit so weit auseinander wie bei SAP. Der Grund ist die kräftige Erholung des Softwarekonzerns von seinem Tief Ende Juli, die inzwischen Fragen nach der Nachhaltigkeit aufwirft.
Vom Mehrjahrestief zurück in Richtung Rekordniveau
SAP war Ende Juli auf ein Mehrjahrestief gefallen, nachdem der Konzern seine Non-IFRS-Prognose für 2026 auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro gesenkt hatte – eine Entwicklung, die vor gut einer Woche für Verunsicherung sorgte. Seither hat sich das Bild gedreht: Der Cloud-Backlog wuchs im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz legte um 22 Prozent zu, das Cloud-ERP-Geschäft sogar um 25 Prozent. Zusätzlichen Rückenwind lieferte vor gut einer Woche die Einstellung der Kartellvorermittlungen gegen den Konzern. Am Freitag schloss die Aktie bei 178,46 Euro. Damit hat sie sich vom 52-Wochen-Tief bei 127,52 Euro Ende Juli um knapp 40 Prozent erholt.
Diese Dynamik hat auch technische Spuren hinterlassen: Der 14-Tage-RSI notiert bei 74,8 und signalisiert damit eine deutlich überkaufte Marktlage. Für Anleger heißt das, dass ein Teil der jüngsten Kursgewinne kurzfristig getrieben wirkt – unabhängig davon, wie tragfähig die fundamentale Story ist.
Analystenhäuser driften weit auseinander
Die Meinungsbilder der Analysten spiegeln diese Spannung wider. Von acht erfassten Einschätzungen votieren sechs für Kauf, eine für Halten und eine für Verkauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 198,43 Euro. Goldman Sachs zählt zu den optimistischsten Stimmen und sieht das Papier bei 215 Euro fair bewertet – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Am entgegengesetzten Ende steht ein Institut, das als einziges zum Verkauf rät und sein Kursziel bei lediglich 120 Euro verankert hat, also unterhalb des jüngsten Mehrjahrestiefs.
Auch auf Sektorebene gibt es Bewegung: Die Deutsche Bank rät nicht mehr zu einer Übergewichtung europäischer Softwarewerte, nachdem die Bewertungen nach der Rally spürbar gestiegen sind. Das deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der Analystengemeinde die Luft nach oben für begrenzt hält, während andere Häuser weiterhin auf die verbesserte Cloud-Dynamik setzen.
SAP als Gewinner der jüngsten Berichtssaison
Im breiteren Marktkontext gilt SAP derzeit als einer der Profiteure der laufenden KI-getriebenen Berichtssaison. Während Infineon am Montag mit einem Quartalsumsatz von 4,2 Milliarden Euro und einer Segmentmarge von 19,1 Prozent leicht unter den Erwartungen blieb und Siemens Energy trotz eines über den Prognosen liegenden Ergebnisses vor Sondereffekten von 1,6 Milliarden Euro nur verhalten reagierte, zählen SAP und Atoss Software seit Mitte Juli zu den stärksten Werten im HDAX mit einem Kursplus von rund 20 Prozent. Diese relative Stärke gegenüber Chip- und Energiewerten unterstreicht, dass Anleger dem Softwarekonzern derzeit mehr Vertrauen schenken als vielen Industriewerten mit direkter KI-Anbindung.
Für die weitere Kursentwicklung dürfte entscheidend sein, ob sich die Cloud-Wachstumsraten in den kommenden Quartalen bestätigen lassen. Die gespaltene Analystenmeinung – zwischen einem Kursziel von 215 Euro und einem von 120 Euro – zeigt, dass der Markt die gesenkte Jahresprognose und die starken operativen Kennzahlen noch nicht einheitlich gewichtet. Solange der RSI im überkauften Bereich verbleibt, bleibt zudem das Risiko einer kurzfristigen Gegenbewegung bestehen, selbst wenn die mittelfristige Wachstumsstory intakt ist.
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