SAP Aktie: Bodenbildung oder neue Tiefs?

SAP zeigt relative Stärke trotz Kursverlusten. Die KI-Integration in Unternehmenssoftware könnte den Abwärtstrend stoppen.

Die Kernpunkte:
  • SAP übersteht Tech-Ausverkauf vergleichsweise gut
  • KI-Integration in Software als Kurstreiber
  • Wettbewerb durch Oracle NetSuite verschärft sich
  • Halbjahresbericht im August als wichtiger Test

Alphabet und Nvidia geraten an der Nasdaq unter Druck, der Leitindex verliert 1,6 Prozent. SAP übersteht den Ausverkauf vergleichsweise glimpflich und klettert zeitweise an die Spitze des TecDAX. Trotzdem hat die Aktie seit Jahresanfang schon 31,20 Prozent verloren. Jetzt entscheidet sich, ob die KI-Integration in Unternehmenssoftware den Kurs stabilisieren kann.

Ausgangslage: Relative Stärke im Tech-Ausverkauf

Der SAP-Kurs notiert aktuell bei 138,98 Euro und gibt am Freitag um 1,47 Prozent nach. Das wirkt im Vergleich zum breiten Tech-Ausverkauf aber moderat.

Vom 52-Wochen-Tief trennen die Aktie nur noch 6,25 Prozent. Anleger richten den Blick nun auf die „RISE with SAP“-Projekte. Der Bedarf an End-to-End-Observability in hybriden Cloud-Landschaften könnte ihnen neuen Schub verleihen.

Die entscheidende Frage: Software-Umsatz oder Hardware-Hunger?

Die Kernfrage für die Aktie dreht sich um Tempo: Verwandelt SAP die KI-Investitionen der Kunden zeitnah in eigene Software-Umsätze? Genau hier setzen Zweifel an.

Branchenbegleiter wie IBM berichten von einer Verschiebung der Kapitalausgaben hin zu Servern und Speicher, um Firmen auf KI-Anwendungen vorzubereiten. Für SAP zählt, ob eine versprochene Senkung des Rechnungsaufwands um 80 Prozent Unternehmen trotzdem zu einem schnelleren Umstieg auf S/4HANA bewegt.

Bullisches Szenario: Der Hebel der KI-Automatisierung

Für eine Erholung spricht das Marktpotenzial der KI-gestützten ERP-Systeme. Laut Branchenberichten soll dieser Markt von aktuell 5,8 Milliarden Euro auf über 58 Milliarden Euro bis 2035 wachsen. Neue Partnerschaften, etwa zur automatisierten Verarbeitung von Eingangsrechnungen in S/4HANA, zeigen den unmittelbaren Nutzen der Technologie. Gelingt es SAP, die Prognosegenauigkeit in den Finanzmodulen durch KI-Agenten deutlich zu steigern, dürfte das die Cloud-Migration attraktiver machen.

Charttechnisch bleibt Raum für eine Gegenbewegung. Der RSI von 47,9 liegt im neutralen Bereich, weder überkauft noch überverkauft. Eine Rückkehr über den 50-Tage-Durchschnitt bei 144,73 Euro wäre ein erstes prozyklisches Signal.

Bärisches Szenario: Der Sog des Abwärtstrends

Das größte Risiko bleibt ein anhaltender Kapitalabzug aus dem Technologiesektor. Geraten Schwergewichte wie Alphabet oder Nvidia weiter unter Druck, dürfte sich SAP diesem Sog kaum entziehen können. Technisch bleibt das Bild eingetrübt: Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 176,35 Euro beträgt -21,19 Prozent und deutet auf einen tief verwurzelten Abwärtstrend hin.

Der Wettbewerb verschärft sich außerdem. Plattformen wie Oracle NetSuite und spezialisierte KI-Agenten-Anbieter drängen aggressiv in den Markt. Schieben Unternehmen ihre Software-Migrationen wegen hoher Kosten für KI-Hardware weiter auf, droht der SAP-Aktie ein Test der Marke von 130,80 Euro.

Ausblick: Bodenbildung oder neue Tiefs?

Die kurzfristige Richtung hängt von der Marktstimmung im Tech-Sektor ab, ebenso von der Verteidigung wichtiger Chartmarken. Solange der Kurs oberhalb von 130,80 Euro bleibt, besteht die Chance auf eine Bodenbildung. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben wird jedoch erst bei einer Rückeroberung der 144,73-Euro-Marke wahrscheinlicher.

Der nächste wichtige Test folgt mit dem Halbjahresbericht im August. Er dürfte Aufschluss über die tatsächliche Dynamik der Cloud-Auftragseingänge geben. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten: Eine restriktive Fed-Politik bei gleichzeitigem konjunkturellem Gegenwind könnte die Investitionsbereitschaft der SAP-Kunden weiter dämpfen.

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