SAP Aktie: Bundeskartellamt eröffnet kein Verfahren
Das Bundeskartellamt beendet die Vorprüfung ohne weiteres Verfahren. SAP stärkt parallel Daten- und KI-Aktivitäten, doch die Monetarisierung bleibt offen.

- Kartellamt eröffnet kein Missbrauchsverfahren
- Dremio-Übernahme für rund 0,5 Milliarden Euro
- Prior Labs erhält über eine Milliarde Euro
- UBS stuft SAP auf Neutral zurück
Ein Kartellverfahren, das gar nicht erst eröffnet wird, ist selten eine Schlagzeile wert. Für SAP ist es dennoch die Nachricht der Stunde – und sie sagt mehr über die strategische Lage des Konzerns aus, als es auf den ersten Blick scheint.
Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen den Walldorfer Softwarekonzern abgeschlossen und beabsichtigt derzeit nicht, ein Missbrauchsverfahren einzuleiten. Für mich ist das der eigentliche Ankerpunkt, um die Lage bei SAP gerade jetzt neu zu sortieren.
Der Vorwurf, der nicht bestätigt wurde
Die Untersuchung folgte auf Beschwerden von Celonis und weiteren Wettbewerbern, die SAP vorwarfen, den Datenzugriff aus ERP-Systemen zu erschweren und eigene Angebote – insbesondere im Process Mining – zu bevorzugen.
Genau dieser Vorwurf trifft den Kern von SAPs aktueller Strategie: den Konzern von der reinen Softwareschmiede zur Plattform für unternehmensweite Daten- und KI-Prozesse zu machen. Dass die Behörde die Vorwürfe bislang nicht bestätigt sieht, nimmt zumindest regulatorischen Druck von einem Geschäftsmodell, das ohnehin schon unter Beobachtung steht.
Wenige Wochen zuvor hatte auch die Europäische Kommission ihre Überprüfung der Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen abgeschlossen, was SAP ausdrücklich begrüßte. Zwei Verfahren, zwei Entwarnungen – das ist für mich mehr als Zufall, es ist ein Muster, das die regulatorische Risikoprämie der Aktie tendenziell senkt.
Gleichzeitig zeigen die jüngsten Zukäufe, wohin die Reise gehen soll. Mit Dremio hat sich SAP eine offene Data-Lakehouse-Plattform für rund 0,5 Milliarden Euro gesichert, mit Prior Labs einen Pionier tabellarischer Foundation Models – hier plant der Konzern über vier Jahre Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro.
Beide Deals zielen genau auf jenen Bereich, den das Kartellamt geprüft hat: den Zugriff auf und die Verknüpfung von Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Umgebungen. Wer glaubt, die Kartell-Entwarnung sei nur eine juristische Randnotiz, unterschätzt meines Erachtens, wie sehr sie SAPs Ambitionen im agentischen KI-Geschäft freie Bahn verschafft.
Zahlen, die die These stützen
Die operative Basis dafür liefern die Zahlen zum zweiten Quartal 2026: Der Cloud-Backlog wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu, das Segment Cloud ERP Suite sogar um 25 Prozent.
Für das Gesamtjahr rechnet SAP mit einem Non-IFRS-Betriebsergebnis von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro und Clouderlösen zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro – beides währungsbereinigt.
Bemerkenswert ist der Zusatz, dass eine spürbare Wachstumsbeschleunigung erst für 2027 erwartet wird. Das Wachstumstempo von 2026 soll demnach ungefähr dem Niveau von 2025 entsprechen, mit gut 10 Prozent Gesamtumsatzplus.
Genau an diesem Punkt setzt die Skepsis an, die UBS gestern in ihrer Abstufung von „Buy“ auf „Neutral“ formuliert hat – bei gleichzeitig auf 211 Euro angehobenem Kursziel. Die KI-Monetarisierung bleibt aus Sicht der Analysten ein Fragezeichen, zumal von den angekündigten Agenten bislang erst 17 verfügbar sind.
Diese Diskrepanz zwischen strategischer Weitsicht und operativer Umsetzungsgeschwindigkeit ist für mich der wunde Punkt der aktuellen Story: SAP kauft die richtigen Bausteine, aber die Übersetzung in Umsatz hinkt dem Erwartungstempo hinterher.
Mein Fazit
Unterm Strich ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Regulatorisch hat sich das Umfeld für SAP zuletzt spürbar entspannt, strategisch untermauern die Zukäufe eine klare Linie Richtung agentischer KI und offener Datenarchitekturen.
Operativ bleibt jedoch die Frage, wie schnell sich diese Investitionen in Wachstum jenseits des laufenden Cloud-Geschäfts niederschlagen. Der Kurs notiert derzeit rund 14 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, was für eine gewisse Erholungsdynamik spricht, gleichzeitig aber auch zeigt, dass der Markt einen Teil der positiven Entwicklung bereits vorwegnimmt.
Für mich überwiegt die strategische Konsequenz die kurzfristige Ungeduld der Analysten – aber die Rechnung geht nur auf, wenn aus den 17 verfügbaren KI-Agenten in absehbarer Zeit ein echtes Portfolio wird.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 3. September liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 3. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




