SAP Aktie: Celonis darf Klage ausweiten

SAP sieht sich erweiterten Kartellvorwürfen von Celonis gegenüber. Analysten senken Kursziele, während der Cloud-Bereich solide wächst.

Die Kernpunkte:
  • US-Gericht erlaubt erweiterte Klage
  • Analysten senken SAP-Kursziele
  • Cloud-Geschäft wächst weiterhin
  • Halbjahreszahlen am 23. Juli

Ein Tagesplus von fast vier Prozent klingt nach Erholung. Tatsächlich notiert die SAP-Aktie mit 136,16 Euro noch immer knapp über ihrem 52-Wochen-Tief — und ein US-Gericht hat kurz vor dem Wochenende das juristische Risikobild weiter verschlechtert.

Celonis darf Klage ausweiten

Am 26. Juni entschied ein kalifornischer Bundesrichter: Celonis darf seine laufende Kartellklage gegen SAP um Ansprüche wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen erweitern. Celonis wirft SAP vor, seine marktbeherrschende Stellung im ERP-Markt zu missbrauchen. Konkret soll SAP den Zugang zu Kundendaten einschränken, um die eigene Prozessanalyse-Software Signavio gegenüber Wettbewerbern zu bevorzugen.

Der Prozess ist auf den 7. Dezember 2026 terminiert. Bis dahin bleibt die Klage ein belastender Faktor — und durch die Erweiterung vom Donnerstag ist der Streitwert nun breiter als zuvor.

Analysten senken Ziele, bleiben aber optimistisch

Das Bild bei den Analysten ist gespalten. Jefferies senkte das Kursziel von 230 auf 210 Euro, hält aber an „Buy“ fest. Analyst Charles Brennan erwartet, dass die Q2-Berichtssaison für Europas Softwarebranche kein großer Kurstreiber wird — andere Technologiesektoren seien derzeit gefragter.

Goldman Sachs kappte die Bruttomarge-Prognose für das zweite Halbjahr 2026 leicht auf 72,8 Prozent. Als Gründe nennt Goldman höhere Hardwarekosten und Schwäche bei einem Großkunden im Nahen Osten. Die übrigen Kursziele im Überblick:

  • Bernstein Research: 276 Euro
  • Berenberg: 215 Euro
  • UBS: 205 Euro
  • Deutsche Bank: 200 Euro

Alle liegen deutlich über dem aktuellen Kurs — was zeigt, wie stark SAP in diesem Jahr abgestraft wurde. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 33 Prozent verloren.

Operative Basis solide, aber Q2 wird langsamer

Im ersten Quartal 2026 wuchs der Current Cloud Backlog um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz legte um 19 Prozent zu, der Cloud-ERP-Suite-Umsatz um 23 Prozent. SAP selbst wies allerdings darauf hin, dass Sondereffekte das Q1-Bild gestützt haben. Im zweiten Quartal rechnet der Konzern mit einer Verlangsamung.

Für das Gesamtjahr peilt SAP Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an. An dieser Prognose hat sich nichts geändert.

Das laufende Aktienrückkaufprogramm ist ein weiterer Aspekt, den Investoren im Blick haben. SAP kaufte bislang rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von 161,16 Euro zurück — deutlich über dem aktuellen Kurs von 136,16 Euro. Das Gesamtprogramm umfasst bis Ende 2027 ein Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro.

Quartalszahlen am 23. Juli

Seit dem 22. Juni befindet sich SAP in der Quiet Period. Das Management darf keine Aussagen zu Umsätzen oder Margen machen. Neue Informationen aus Walldorf kommen frühestens am 23. Juli, wenn SAP den Halbjahresbericht vorlegt.

Der Markt schaut dann vor allem auf Cloud-Auftragsbestand und Cloud-Bruttomarge — beides sind Indikatoren dafür, ob die KI-Strategie kommerziell funktioniert. Investoren erwarten außerdem erste Details zu den geplanten Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die SAP im zweiten oder dritten Quartal 2026 abschließen will. Das Umfeld bleibt dabei herausfordernd: Accenture hat seine Umsatzprognose gestutzt, weil Kunden bei großen IT-Ausgaben zögern — ein Signal, das Analysten auch als Warnung für die SAP-Nachfrage lesen.

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