SAP Aktie: Cloud Backlog springt 26 Prozent auf 22,9 Milliarden

SAP bündelt KI-Strategie an der Spitze und investiert Milliarden in Prior Labs. Cloud-Geschäft wächst stark, Gewinnprognose wird leicht gesenkt.

Die Kernpunkte:
  • KI-Einheiten berichten direkt an CEO
  • Milliarden-Investition in Prior Labs
  • Cloud-Umsatz steigt um 24 Prozent
  • Gewinnprognose wegen Übernahmen gesenkt

SAP treibt seine Transformation zum KI-getriebenen Softwarekonzern mit einer internen Neuordnung voran. Anfang Juli übertrug der Konzern operative Verantwortung für Teile der Product & Engineering Organisation von Muhammad Alam interimistisch auf Vorstandschef Christian Klein.

Zwei neue Einheiten entstehen dabei: die SAP Business AI Platform & CTO sowie die SAP Autonomous Suite. Beide Teams berichten künftig direkt an Klein – ein Signal, dass SAP die KI-Strategie enger an der Konzernspitze bündeln will.

Die Umstrukturierung fällt in eine Phase intensiver Zukäufe. Mit Prior Labs, einem Pionier für tabellarische Foundation Models, sicherte sich SAP Anfang Juli ein Labor, das zu einem führenden Frontier-AI-Zentrum für strukturierte Daten ausgebaut werden soll. Der Konzern kündigte an, dafür in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren.

Prior Labs bleibt als eigenständige Einheit bestehen. Kurz zuvor hatte SAP die Übernahme von Dremio abgeschlossen, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform, die agentische KI-Anwendungen stärken und die Verknüpfung von SAP- mit Fremddaten erleichtern soll. Bereits im Mai war die Akquisition von Reltio, einem Spezialisten für Master Data Management, unter Dach und Fach gekommen.

Cloud-Geschäft wächst zweistellig, Gewinnprognose leicht gesenkt

Die operative Substanz hinter dieser Strategie zeigte sich in den Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht am 23. Juli: Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) legte währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu, der Cloud-Umsatz wuchs um 24 Prozent. Besonders das Kerngeschäft Cloud ERP Suite legte mit 27 Prozent kräftig zu. Der Gesamtumsatz stieg währungsbereinigt um 11 Prozent.

Bei der Profitabilität musste SAP dagegen leicht zurückrudern: Die Prognose für den Non-IFRS-Betriebsgewinn 2026 sank von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf nunmehr 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Grund ist ein Verdünnungseffekt durch die frischen Übernahmen von Dremio und Prior Labs, den SAP auf mehr als 100 Millionen Euro schätzt.

Die Cloud-Umsatzprognose von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro blieb dagegen unverändert bestehen. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum auf ähnlichem Niveau wie 2025, eine Beschleunigung erwartet SAP erst für 2027.

Analysten bleiben trotz Kurszieldelle zuversichtlich

Die Reaktion der Analysten auf die leicht gesenkte Gewinnprognose fiel differenziert aus. Barclays senkte Ende Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro, verwies auf kurzfristige Kostenunsicherheiten, hielt an der Einstufung „Overweight“ aber fest.

Insgesamt bleibt das Analystenbild klar positiv: Der Konsens aus 28 Häusern kommt auf 24 Kauf- und vier Halteempfehlungen, keine einzige Verkaufsempfehlung ist derzeit hinterlegt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 203 Euro und damit spürbar über dem aktuellen Kursniveau von 182,18 Euro im vorbörslichen Handel.

Auf regulatorischer Seite hat SAP zusätzlich Rückenwind: Die Europäische Kommission schloss Anfang Juli ihre Überprüfung der Wartungs- und Support-Richtlinien für On-Premise-Lösungen ab, was SAP begrüßte. Das deutsche Kartellamt hatte bereits Ende Juli entschieden, kein Missbrauchsverfahren gegen den Konzern einzuleiten – seither hat die Aktie um 7,9 Prozent zugelegt.

Anleger blicken nun auf die für Oktober erwartete Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal, die zeigen dürfte, ob sich das starke Cloud-Wachstum trotz der jüngsten Akquisitionslast fortsetzt.

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