SAP Aktie: Cloud-Backlog wächst 27 Prozent auf 22,9 Milliarden
SAP erhält regulatorische Entlastung: Kartellverfahren eingestellt, Cloud-Umsatz wächst stark. Analysten bleiben trotz gesenkter Gewinnprognose überwiegend positiv.

- Kartellamt stellt Verfahren gegen SAP ein
- Cloud-Erlöse steigen um 22 Prozent
- SAP startet zweite Aktienrückkauf-Tranche
- KI-Übernahmen und Investitionen angekündigt
Das Bundeskartellamt hat sein Vorprüfverfahren gegen SAP gestern eingestellt, ohne ein förmliches Verfahren einzuleiten. Ausgangspunkt war eine Beschwerde des Wettbewerbers Celonis, der SAP den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung beim Datenzugriff vorgeworfen hatte. Für den Softwarekonzern ist das eine der günstigeren Nachrichten in einem Sommer, der zwischen Wachstumsdynamik und Kostendruck schwankt.
Regulatorische Entlastung in mehreren Etappen
Die Entscheidung des Kartellamts steht nicht isoliert, folgt aber auch keinem abgestimmten Zeitplan mit anderen Ereignissen der vergangenen Wochen. Bereits am 9. Juli hatte die EU-Kommission ihre Untersuchung zu SAPs Wartungsrichtlinien für On-Premise-Lösungen abgeschlossen. SAP gab dabei verbindliche Zusagen ab, Kunden künftig mehr Wahlfreiheit bei Wartung und Support einzuräumen. Getrennt davon meldete Harald Tschira am 20. Juli eine Erhöhung seines Stimmrechtsanteils an SAP von 0,57 auf 4,22 Prozent. Grundlage waren Stimmbindungsverträge, die eine sogenannte Mehrmütterschaft begründen – eine Veränderung der Eigentümerstruktur, die mit den kartellrechtlichen Verfahren nichts zu tun hat.
Kursreaktion nach starkem Lauf
Der Aktienkurs hat auf die Nachrichtenlage positiv reagiert. Am Freitag schloss das Papier bei 159,40 Euro, ein Tagesplus von 1,65 Prozent. Über die vergangene Woche hinweg legte die Aktie deutlich zu, bleibt aber mit einem Abstand von 38,36 Prozent noch klar unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das SAP Ende Juli 2025 erreicht hatte. Die Erholung zeigt, dass Anleger die regulatorische Entspannung honorieren, ohne die Verluste des Jahres bereits ausgeglichen zu haben.
Cloud-Wachstum trifft auf vorsichtigere Gewinnprognose
Am 23. Juli hatte SAP seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Die Cloud-Erlöse stiegen um 22 Prozent auf 6,22 Milliarden Euro, der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz kletterte um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Gleichzeitig senkte SAP die Guidance für das bereinigte operative Ergebnis 2026 leicht, von zuvor 14 bis 18 Prozent Wachstum auf nun 13 bis 17 Prozent – eine Folge von Verwässerungseffekten durch jüngste Akquisitionen. Diese Diskrepanz zwischen starkem Cloud-Momentum und gedämpfter Gewinnprognose prägt seither die Debatte unter Investoren.
Rückkaufprogramm und Analystenstimmen
Am 27. Juli startete SAP die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms 2026 und plant, bis spätestens 27. Januar 2027 eigene Aktien im Wert von bis zu 2,6 Milliarden Euro über die Börse zu erwerben. Unter den Analysten zeichnet sich seither ein gemischtes Bild ab. Barclays senkte am Dienstag das Kursziel von 255 auf 220 Euro, verwies dabei auf kurzfristige Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung und beließ die Einstufung bei „Overweight“. Jefferies bestätigte am selben Tag die „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 210 Euro, nachdem Investorengespräche mit Vorstandschef Christian Klein zur Neuausrichtung der KI-Strategie stattgefunden hatten. Weitere Häuser wie Goldman Sachs, Deutsche Bank und Berenberg bestätigten zuletzt ebenfalls Kaufempfehlungen mit Kurszielen zwischen 164 und 215 Euro. Als Ausreißer bleibt die DZ Bank, die am 24. Juli ihren fairen Wert von 130 auf 120 Euro senkte und an der Einstufung „Verkaufen“ festhält. Am selben Tag kaufte CEO Christian Klein SAP-Aktien im Gesamtwert von rund 325.219 Euro – ein Signal, das viele Anleger als Vertrauensbeweis werten.
Übernahmen treiben KI-Strategie voran
Parallel baut SAP seine Position im Bereich künstliche Intelligenz aus. Am 17. Juli schloss der Konzern die Übernahme des KI-Startups Prior Labs von dessen Gründern ab und kündigte Investitionen von über einer Milliarde Euro in den kommenden vier Jahren an, um den Standort als sogenanntes Frontier-AI-Labor auszubauen. Bereits am 6. Juli hatte SAP den Data-Lakehouse-Anbieter Dremio übernommen, um die „Agentic AI“-Strategie voranzutreiben. Anleger sollten zudem eine geplante Wartungsphase vom 7. bis 10. August im Blick behalten, in der SAP-Produktionssysteme nur eingeschränkt verfügbar sein werden. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 21. Oktober terminiert.
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