SAP Aktie: Cloud-Wachstum am 23. Juli im Test

SAP veröffentlicht Q2-Zahlen bei schwachem Aktienkurs. Analysten sehen Potenzial trotz Unsicherheiten um KI-Erlöse und Cloud-Dynamik.

Die Kernpunkte:
  • Cloud-Umsatzprognose von 6,26 Milliarden Euro
  • Analysten senken Kursziele, bleiben optimistisch
  • Übernahme von Prior Labs abgeschlossen
  • EU-Kartellverfahren gegen SAP eingestellt

SAP steuert auf einen der wichtigsten Termine des Jahres zu. Am Donnerstagabend, dem 23. Juli 2026, legt der Softwarekonzern nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor, gefolgt von einer Analystenkonferenz um 23:00 Uhr MESZ. Die Aktie notiert im Vorfeld bei 135,54 Euro und damit nur noch 3,62 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier 34,95 Prozent verloren, zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 6,17 Prozent nach unten. Belastet wird der gesamte Softwaresektor Medienberichten zufolge derzeit von enttäuschenden Zahlen des Wettbewerbers IBM sowie von Sorgen, dass autonome KI-Agenten das klassische SaaS-Abomodell grundlegend infrage stellen könnten.

Was der Konsens vom Quartal erwartet

Für das zweite Quartal rechnet der Analystenkonsens mit einem Gesamtumsatz von 9,85 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cloud-Geschäft soll um 22 Prozent auf 6,26 Milliarden Euro zulegen. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie liegt die Schätzung bei 1,76 Euro. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2026 war der Cloud-Umsatz noch um 27 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro gestiegen, der operative Gewinn hatte bei 2,9 Milliarden Euro gelegen, und SAP hatte die Jahresprognose 2026 zu diesem Zeitpunkt bestätigt. Ob sich das Wachstumstempo im Cloud-Geschäft nun tatsächlich verlangsamt, dürfte am Donnerstag die zentrale Frage für den Markt sein.

Analysten senken Kursziele, Einstufungen bleiben positiv

Die jüngsten Analystenreaktionen zeichnen ein gemischtes Bild. UBS-Analyst Michael Briest strich das Kursziel am 19. Juli 2026 deutlich von 205,00 auf 164,00 Euro zusammen, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannte er die komplexe Monetarisierung von KI-Agenten im ERP-Kerngeschäft von SAP – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistische Häuser die Unsicherheit über neue Erlösmodelle einpreisen. Morningstar bestätigte am 17. Juli 2026 das Rating „Buy“ mit einem Fair-Value-Kursziel von 265,00 Euro und verwies auf die langfristige Preissetzungsmacht des Konzerns trotz makroökonomischer Risiken. Berenberg hatte bereits am 13. Juli 2026 im Rahmen einer Branchenstudie die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 215,00 Euro bekräftigt. Die Spanne zwischen den Kurszielen – von 164 bis 265 Euro – liegt damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau, was die Diskrepanz zwischen langfristiger Analystenzuversicht und kurzfristiger Marktnervosität unterstreicht.

Prior-Labs-Deal abgeschlossen, Kartellverfahren eingestellt

Strategisch hat SAP in den vergangenen Wochen zwei wichtige Weichen gestellt. Am 17. Juli 2026 bestätigte der Konzern den formalen Abschluss der Übernahme von Prior Labs, einem sogenannten Frontier-AI-Lab. SAP plant, über vier Jahre mehr als 1 Milliarde Euro in die Integration der dortigen KI-Modell-Technologie zu investieren – ein Betrag, der die Ambitionen im Agenten-Geschäft unterstreicht, gleichzeitig aber genau jene Monetarisierungsfrage aufwirft, die UBS zur Kurszielsenkung bewogen hat. Auf der regulatorischen Seite gab es hingegen Entlastung: Die EU-Kommission stellte am 9. Juli 2026 das Kartellverfahren gegen SAP wegen der Wartungs- und Supportrichtlinien offiziell ein. SAP entging damit einer möglichen Milliardenstrafe, verpflichtete sich im Gegenzug aber für zehn Jahre, auf Reaktivierungsgebühren bei On-Premise-Systemen zu verzichten.

Auf der Aktionärsseite sorgten zudem Stimmrechtsmitteilungen für Aufmerksamkeit: Die Großaktionäre Udo Tschira und Harald Tschira meldeten am 21. Juli 2026 eine Bündelung ihrer Anteile über Stimmbindungsverträge auf jeweils rund 4,2 Prozent, nachdem sie zuvor bei etwa 0,5 Prozent gelegen hatten. Die wirtschaftliche Beteiligung der Familien bleibt durch die Neuordnung der Poolung weitgehend unverändert – es handelt sich vor allem um eine Bündelung der Stimmrechte, nicht um einen Zukauf frischer Anteile.

Mit den Quartalszahlen am Donnerstagabend muss SAP nun zeigen, ob das Cloud-Wachstum die Konsensschätzungen erreicht und ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen in eine überzeugende Wachstumsstory übersetzen lassen – oder ob die Aktie in der Nähe ihres Jahrestiefs verharrt.

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