SAP Aktie: Dremio und Prior Labs in fünf Wochen
SAP investiert Milliarden in KI-Firmen und meldet starkes Cloud-Wachstum. Kartellamt sieht keine Missbrauchsanzeichen, die Aktie erholt sich deutlich.

- Zwei KI-Firmen binnen fünf Wochen übernommen
- Cloud-Auftragsbestand wächst um 27 Prozent
- Kartellamt beendet Vorermittlungen ohne Verfahren
- Aktie legt binnen 30 Tagen um 25 Prozent zu
Ein Softwarekonzern, der binnen fünf Wochen zwei Firmen für Foundation Models und Data-Lakehouse-Technologie kauft, verschickt eine klare Botschaft: Er will nicht Zuschauer der KI-Revolution sein, sondern deren Fundament liefern. Genau das versucht SAP gerade, während sich am Aktienmarkt eine überraschend kräftige Erholung vollzieht.
Vom ERP-Haus zum KI-Datenlabor
Am 6. Juli schloss SAP die Übernahme von Dremio ab, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform. Der Konzern erweitert damit sein Angebot im Bereich agentischer KI – jener Systeme, die nicht nur Daten anzeigen, sondern eigenständig Entscheidungen treffen und Prozesse steuern sollen. Am 17. Juli folgte der nächste Schritt: die Übernahme von Prior Labs, einem Pionier der sogenannten Tabellarischen Foundation Models. SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um Prior Labs zu einem global führenden Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten auszubauen.
Ist ein Konzern, der binnen weniger Wochen zwei spezialisierte KI-Labore kauft und dafür eine Milliarden-Investition ankündigt, überhaupt noch ein klassischer ERP-Anbieter – oder längst etwas anderes?
Die Antwort zeigt sich auch in der Bilanz: Im Zuge der Quartalszahlen passte der Konzern seine Prognose für das Betriebsergebnis 2026 an, um den Verwässerungseffekt aus den beiden frischen Übernahmen widerzuspiegeln. Wachstum kostet eben – zumindest kurzfristig.
Zahlen, die die Wette untermauern
Am 23. Juli legte SAP die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 vor, und sie liefern die Rechtfertigung für den Ausgabenkurs. Der Auftragsbestand in der Cloud, das Current Cloud Backlog, wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt blieben 26 Prozentpunkte übrig.
Die Clouderlöse selbst zogen um 22 Prozent an, währungsbereinigt um 24 Prozent. Das strategische Kerngeschäft Cloud ERP Suite wuchs sogar um mehr als ein Viertel. Konzernweit erhöhten sich die Umsatzerlöse um 9 Prozent, währungsbereinigt um 11 Prozent.
Auch das Betriebsergebnis zog an – nach IFRS um 8 Prozent, nach der bereinigten Non-IFRS-Kennzahl um 7 Prozent, währungsbereinigt um 9 Prozent. Für einen Konzern dieser Größenordnung sind das robuste Wachstumsraten, gerade im margenträchtigen Cloud-Geschäft.
Kartellamt gibt vorläufig Entwarnung
Der Ausbau zur Datenplattform bringt SAP allerdings auch regulatorisch in eine heikle Position. Das Bundeskartellamt gab am 8. Juli die Übernahmen von Dremio und Prior Labs im Vorprüfverfahren frei – ein formaler, aber wichtiger Schritt.
Brisanter war eine zweite Entscheidung der Behörde, die deutlich mehr Sprengkraft hatte: Celonis und weitere Softwareanbieter hatten sich beim Bundeskartellamt beschwert, SAP erschwere Drittanbietern den Zugang zu Daten in seinen eigenen Softwaresystemen und begünstige dadurch die eigenen Angebote – insbesondere im Bereich der Prozessdurchleuchtung. Für einen Konzern, der sich gerade zur zentralen Datendrehscheibe für KI-Agenten aufschwingen will, wäre ein solcher Vorwurf gefährlich.
Am 30. Juli gab das Bundeskartellamt Entwarnung: Die Vorermittlung gegen SAP wurde abgeschlossen, die Behörde sieht derzeit keine Absicht, ein Missbrauchsverfahren einzuleiten. Die Vorwürfe hätten sich nach den Vorermittlungen nicht erhärtet. Der Konflikt um Datenzugänge dürfte damit nicht endgültig ausgestanden sein – die strukturelle Frage, wer in einer KI-getriebenen Softwarewelt Zugriff auf welche Daten bekommt, wird die Branche weiter beschäftigen.
Kurs: Erholung mit Höhenluft
An der Börse ist von regulatorischer Unsicherheit derzeit wenig zu spüren. Die Aktie notiert bei 172,92 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen um 25,16 Prozent zugelegt – eine bemerkenswerte Gegenbewegung. Vom 52-Wochen-Hoch von vor einem Jahr trennen das Papier aber immer noch knapp ein Drittel, konkret 32,90 Prozent.
Die Erholung ist real, doch der Weg zurück zu alten Höchstständen bleibt weit. SAP hat sich für eine teure, aber konsequente Antwort auf den KI-Strukturwandel entschieden. Ob sich die Milliardeninvestitionen in Frontier-AI-Labore und Data-Lakehouses auszahlen, werden die kommenden Quartale zeigen müssen.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 7. August liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




