SAP Aktie: Dremio und Prior Labs übernommen

SAP-Chef Christian Klein stockt Aktienpaket auf, während der Konzern die Jahresziele leicht senkt. Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs treiben das Cloud-Wachstum.

Die Kernpunkte:
  • Klein investiert 325.000 Euro in SAP-Aktien
  • Prognose für operatives Ergebnis leicht gesenkt
  • Cloud-Umsatz wächst um 24 Prozent
  • Aktie steigt nach Kartellverfahrens-Ende

Es gibt einen Moment, in dem ein Unternehmen zeigt, wohin die Reise geht: nicht in der Pressemitteilung, sondern in den Nebenfächern der Bilanz. Bei SAP war das in den vergangenen Tagen gleich doppelt der Fall. Während der Konzern seine Gewinnprognose für 2026 leicht kappte, kaufte der eigene Vorstandschef in derselben Woche Aktien des eigenen Unternehmens. Wer genauer hinschaut, erkennt darin die Handschrift eines Konzerns, der sich mitten im Umbau zur Dateninfrastruktur-Firma befindet – mit allen Kosten, die ein solcher Umbau kurzfristig verursacht.

Der Kauf, der auffällt

Am 23. Juli erwarb Vorstandsvorsitzender Christian Klein eigene SAP-Aktien im Gesamtwert von 325.219,40 Euro, zu einem Durchschnittskurs von 133,60 Euro. Die Pflichtmitteilung dazu wurde erst am 3. August bekannt – zu einem Zeitpunkt, an dem der Kurs bereits ein gutes Stück höher stand. Insider-Käufe sind kein Kaufsignal im klassischen Sinn, aber sie sind ein Datenpunkt: Der Mann, der die Zahlen am besten kennt, griff zu, kurz bevor der Titel deutlich zulegte. Das passt zu einem Bild, das sich seit dem Kartellverfahren, das die Wettbewerbshüter vergangenen Dienstag einstellten – seither steht ein Plus von 5,6 Prozent zu Buche –, ohnehin aufgehellt hat.

Die Wette hinter der gesenkten Prognose

Interessanter als der Insider-Kauf ist, was der Konzern parallel mit seinem eigenen Geld tat. SAP schloss die Übernahmen von Dremio und Prior Labs ab, zwei Firmen aus dem Bereich Datenmanagement und KI-Infrastruktur. Das ist kein Zufallskauf, sondern eine Ergänzung des Portfolios genau dort, wo der große strukturelle Trend der Branche liegt: Wer KI-Anwendungen betreiben will, braucht saubere, zugängliche Daten – und genau daran verdienen künftig Anbieter wie Dremio.

Der Preis dafür zeigt sich in der Prognose. SAP senkte die Spanne für das bereinigte operative Ergebnis 2026 leicht, auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Begründet wird das mit Verwässerungseffekten aus den jüngsten Zukäufen. Das ist die unspektakuläre Seite jeder Wachstumsstrategie: Wer heute kauft, zahlt heute die Rechnung und kassiert morgen den Ertrag – wenn es gut geht.

Dass es operativ gerade gut läuft, zeigen die Zahlen zum zweiten Quartal. Der Konzernumsatz stieg im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, während die Cloud-Erlöse währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zulegten. Der Cloud-Auftragsbestand kletterte um 26 Prozent auf 22,93 Milliarden Euro – jene Zahlen, die vergangenen Dienstag veröffentlicht wurden und der Aktie seither ebenfalls 5,6 Prozent Plus einbrachten.

Was der Markt einpreist

Am Freitag schloss die Aktie bei 178,66 Euro, ein Tagesplus von 3,46 Prozent. Der Titel bewegt sich damit über seiner 200-Tage-Linie und deutlich über dem Niveau, das noch vor gut drei Wochen galt, als ein Investor seinen Stimmrechtsanteil ausbaute – seither beträgt das Plus 28,7 Prozent. Ganz ohne Mahnung geht die Rally allerdings nicht: Der 14-Tage-RSI notiert bei 74,9 und signalisiert eine kurzfristig überkaufte Lage.

Ende Juli, noch vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen, hatte Goldman Sachs die Einstufung „Buy“ zwar bestätigt, das Kursziel aber von 230 auf 215 Euro gesenkt – mit Verweis auf robustes Cloud-Abonnement-Wachstum trotz makroökonomischer Unsicherheiten. Diese Einschätzung datiert vor den starken Q2-Zahlen und spiegelt damit nicht mehr den aktuellen Informationsstand.

Für die kommenden Wochen bleibt die Kooperation mit JPMorgan Chase & Co. im Blick, die im Mai ihr globales Hauptbuch auf „RISE with SAP“ migrierte – ein Beleg dafür, dass Großkunden dem Cloud-Versprechen vertrauen. Am 21. Oktober folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Bis dahin bleibt die eigentliche Frage: Zahlt sich die Wette auf Daten und KI-Infrastruktur schneller aus, als die Verwässerung aus den Zukäufen die Marge belastet?

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