SAP Aktie: EU erzwingt Monopol-Ende für zehn Jahre
SAP öffnet sein Wartungsgeschäft für Wettbewerber und vermeidet so ein drohendes EU-Bußgeld. Analysten sehen gemischte Folgen.

- EU einigt sich mit SAP
- Support-Monopol für Alt-Systeme fällt
- Milliarden-Bußgeld durch Vergleich abgewendet
- Cloud-Wechsel als strategischer Vorteil
Zehn Jahre lang gelten neue Regeln für SAP. Die Europäische Kommission hat mit dem Softwarekonzern eine Einigung erzielt, die dessen Geschäft im Support-Bereich grundlegend verändert. Der Grund: eine langjährige wettbewerbsrechtliche Untersuchung zum Wartungsmonopol bei On-Premise-Systemen.
Milliarden-Risiko abgewendet
SAP entgeht mit dem Vergleich einem möglichen Bußgeld. Theoretisch hätte die EU-Kommission bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen können. Im Gegenzug öffnet der Konzern sein Support-Geschäft für Wettbewerber.
Der Kern der Einigung: Kunden dürfen ihre SAP-Landschaft künftig aufteilen. Für unterschiedliche Segmente können sie verschiedene Support-Anbieter wählen. Bisher war das oft unmöglich, ohne den Support für die gesamte Infrastruktur zu riskieren.
Betroffen sind vor allem ältere ERP-Systeme wie Legacy ECC. Hier konnten Kunden bislang kaum auf Drittanbieter wie Rimini Street ausweichen. Zusätzlich erlaubt SAP nun die Kündigung ungenutzter Softwarelizenzen. Hohe Reaktivierungsgebühren nach einer Support-Pause fallen weg.
Die Cloud als Ausweg
Analysten sehen die Einigung zweigeteilt. SAP verliert Preismacht im margenstarken Wartungsgeschäft für Bestandskunden. Allerdings gelten die neuen Zusagen nur für On-Premise-Lösungen.
Das schafft einen Anreiz. Kunden könnten schneller auf die Cloud-Plattform S/4HANA wechseln, wo Support und Software bereits im Abonnement gebündelt sind. SAP nutzt den Vergleich damit indirekt für seine eigene Cloud-Strategie.
Parallel treibt der Konzern seine KI-Pläne voran. Am Freitag bestätigte SAP den Abschluss der Übernahme von Prior Labs, einem Spezialisten für tabellarische KI-Modelle. In den kommenden vier Jahren will SAP über eine Milliarde Euro in diesen Bereich investieren.
Kurs bleibt stabil
Die Aktie reagierte am Freitag mit moderaten Verlusten. Im XETRA-Handel gab das Papier 0,75 Prozent auf 140,00 Euro nach, nach einem Schlusskurs von 141,06 Euro am Donnerstag. Damit hielt sich SAP deutlich stabiler als der breite Technologiemarkt, der unter einem Ausverkauf bei US-Werten litt.
Der RSI von 49,3 zeigt einen neutralen Trend ohne klare Richtung. Zum 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro beträgt der Abstand nur noch 7 Prozent – ein Zeichen, wie sehr sich die Aktie zuletzt Richtung Jahrestief bewegt hat.
Am 23. Juli 2026 legt SAP nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Sie dürften zeigen, ob das Cloud-Wachstum mögliche Rückgänge im klassischen Wartungsgeschäft ausgleichen kann. Das Management erläutert die Ergebnisse um 23:05 Uhr MESZ in einer Telefonkonferenz.
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